• 02. März 2019 · 14:28 Uhr

Das erste Fazit von Ross Brawn: Ist Überholen nun leichter - oder nicht?

Welche Erkenntnisse haben die Testfahrten auf das neue Reglement gehabt, das Überholen erleichtern soll? Ross Brawn hält die Veränderungen für einen Erfolg

(Motorsport-Total.com) - Sind die neuen Regeln 2019 nun ein Erfolg oder ein Flop - darüber scheiden sich immer noch die Geister. Immer wieder wurden die Piloten bei den Testfahrten in Barcelona zu ihren Eindrücken befragt, wenn sie hinter anderen Autos hergefahren sind, doch eine zufriedenstellende Antwort konnte noch keiner wirklich liefern.

Daniil Kwjat, Lewis Hamilton

Das Hinterherfahren soll 2019 einfacher werden - aber kommt das auch so? Zoom Download

"Das ist bei den Testfahrten schwierig zu sagen", meint Sebastian Vettel. Durch unterschiedliche Programme, Reifen und Spritladungen kommt es äußerst selten zu einer realistischen Situation. Daniel Ricciardo war einmal auf Vettel aufgelaufen, doch dieser war verhältnismäßig langsam unterwegs, sodass auch ihm dabei keine repräsentative Meinung zuteil wurde.

"Ich denke, es wird ein klein wenig besser sein, aber ich werde nicht sagen, dass der Unterschied groß sein wird", sagt Ricciardo. Das Problem: Durch vereinfachte Aerodynamik - besonders im Bereich der Frontflügel - wurde den Teams Abtrieb genommen, doch eine Menge davon haben die Ingenieure wieder zurückgewonnen. "Die Frontflügel sind einfacher, aber jeder ist clever genug, um einen Weg zu finden, den anderen zu stören", meint der Renault-Pilot.

Andere Piloten treffen hingegen optimistischere Aussagen: "Ich fühle, dass man weniger Abtrieb verliert. Die Formel 1 hat bei den Regeln unglaubliche Arbeit geleistet", sagt etwa Sergio Perez. Und auch Valtteri Bottas meint, dass das Auto trotz verlorenen Abtriebs vorhersehbarer reagiert, wodurch das Hinterherfahren einfacher wird. Ob das repräsentativ ist, wird die Praxis zeigen, vor allem wenn es gilt, hinter mehreren Autos zu fahren.

Brawn: Den Negativtrend gestoppt

Verantwortlich für die neuen Regeln ist Formel-1-Sportchef Ross Brawn. Der Brite hat sich in Barcelona erstmals einen Einblick darüber verschafft, wie die einzelnen Teams die neuen Regeln interpretiert haben. Sein Fazit gegenüber 'F1 TV': "Die Ingenieure haben wie immer kleine Wege gefunden, die Regeln zu umgehen." Das habe er aber so erwartet. "Das ist immer bei den Regeln so: Man gibt sie den Teams, und sie zerlegen sie und analysieren sie."


Fotostrecke: Formel-1-Technik: Detailaufnahmen der Autos 2019

Es sei aber kein Rennstall dabei, der die angestrebte Vision komplett außer Kraft gesetzt hat. Und obwohl die Teams die geplanten Abtriebsverluste nahezu wieder kompensiert haben, ist Brawn mit den Ergebnissen durchaus zufrieden. Denn: "Wir müssen anmerken, dass es viel schlimmer wäre, wenn wir nichts getan hätten. Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer - und das konnten wir aufhalten. Wir können die Änderungen daher als Erfolg betrachten."

Hätte es keine Regeländerungen gegeben, dann wäre das Hinterherfahren und das Überholen zu einer fast unlösbaren Aufgabe geworden - so aber konnte man den Negativtrend verhindern und womöglich sogar leicht verbessern - eine definitive Antwort wird es aber erst während der Saison geben.

Weitere positive Effekte

Dafür haben die Regeländerungen noch andere positive Effekte bewirkt. Teams hätten Brawn gesagt, dass die neuen Frontflügel nur noch 60 Prozent von den alten kosten, weil der ganze kleine Schnickschnack fehlt und die Entwicklung begrenzt ist. Außerdem sehen sie für den Briten dadurch etwas schöner aus.

Interessant findet er auch die unterschiedlichen Lösungen, die sich die Teams haben einfallen lassen. "Ferrari fährt mit einem steilen Winkel innen und einem kleineren außen - und bei Mercedes ist es genau andersherum. Es wird interessant zu sehen, welche Philosophie sich durchsetzen wird", so Brawn. "Man bekommt bei neuen Regeln häufig zwei oder drei Entwicklungsrichtungen, und irgendwann gleicht sich das alles an."

Und selbst sollten sich die Regeln als Fehlschlag herausstellen, hat es für Brawn etwas Positives: Er sieht es als gute Übung für die geplante neue Formel 1 ab 2021, wenn noch einmal radikale Umbrüche passieren sollen. "Wir können sehen, wie sie die Regeln anpassen und welche Lösungen sie finden."

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