• 11. Februar 2019 · 13:15 Uhr

"Merkwürdig": Formel-1-Management lässt sich Promoter-Kritik nicht gefallen

Formel-1-Boss Chase Carey äußert sich zu den Promoter-Vorwürfen - Er zeigt sich über die öffentliche Kritik verwundert - Russland-Promoter erfährt Gegenwind

(Motorsport-Total.com) - Das Formel-1-Management hat auf die Anschuldigungen der Rennpromoter reagiert. Formel-1-Boss Chase Carey hat die Kritik der Formula One Promoters' Association (FOPA) als "merkwürdig" kommentiert. Er besteht darauf, dass Liberty Media an den Zukunftsplänen festhalten werde. Einige Veranstalter stellten sich in der Zwischenzeit ebenfalls hinter Carey und dessen Team.

Chase Carey

Formel-1-Boss Carey lässt sich die Kritik nicht gefallen Zoom Download

16 Rennpromoter haben Ende Januar in einem öffentlichen Statement die neue Formel-1-Führung kritisiert. Dem Management wurde vorgeworfen, zu sehr auf Pay-TV-Deals zu setzen, außerdem keinen klaren Austausch mit den Pomotern zu forcieren und neue Rennen nicht im Interesse der bereits bestehenden einzuführen. Carey hat nun auf diese Vorwürfe reagiert. Es sei keine Überraschung, dass manche Austragungsorte verärgert sind, so der US-Amerikaner.

Allerdings ist der Formel-1-Boss zuversichtlich, dass die "große Mehrheit" den Kurs von Liberty weiterhin unterstützt. "Realistisch betrachtet wird man immer ein paar finden, die sich über etwas aufregen, wenn man 21 Personen in einem Raum versammelt", reagiert Carey gegenüber 'ESPN' gelassen. Seiner Ansicht nach sei das Treffen mit den Rennpromotern in London sehr positiv verlaufen. Die meisten hätten "große Anerkennung" für die Arbeit des Managements zum Ausdruck gebracht.

Statement kurz vor FOM-Treffen veröffentlicht

"So spielt eben das Leben, dass manche etwas suchen, über das sie sich beschweren können. Das ändert allerdings nichts an unserer Herangehensweise. Eine Mehrheit der Promoter hat sich unterstützend gezeigt", so Carey. Nachdem sich bereits Russland gegen die Aussagen der 16 Promoter gestellt hatte, zogen wenig später auch Mexiko und Aserbaidschan nach. Auch die Deutschland-Verantwortlichen stimmten danach einen milderen Ton an.


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Laut dem US-Manager sei es ganz normal, dass sich in einer größeren Gruppe meistens ein paar Nörgler finden würden. "Wir werden dennoch vorwärts schauen und weitermachen." Er habe alle drei Befürchtungen, die in dem Statement vorgebracht wurden, gegenüber den Promotern angesprochen, jedoch habe niemand darüber diskutieren wollen. "Sie haben das einfach in eine Pressemitteilung geschrieben, was etwas merkwürdig war."

Besonders die Anschuldigung, dass die Promoter über neue Initiativen nicht im Bilde wären, befand Carey als befremdlich. Immerhin wurde die Aussendung am Abend vor dem jährlichen Promotertreffen mit der FOM ausgesandt. "Das war der merkwürdigste Teil, da wir bereits einen Tag vereinbart hatten, um über neue Initiativen zu sprechen."

Pay-TV-Kritik: TV- und Video-Kosum im Wandel

Auch auf das Argument, der Weg in Pay-TV-Angebote schmälere das Publikum, fand Carey eine Antwort. Der Formel-1-Manager glaubt, dass sich das Verhalten der Fans in einem Wandel hin zu On-Demand-Angeboten auf Tablets und Smartphones befindet. Außerdem habe es bereits in anderen Sportarten die Verschiebung Richtung Bezahlfernsehen gegeben, etwa im Fußball. "Wenn man einen Jugendlichen heute erreichen will, dann nicht über den TV-Bildschirm, sondern über ein Gerät, das er in den Händen hält."


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"Die gesamte Welt des Fernsehens und Videos befindet sich im Wandel und wir wollen neue Wege im Bezahl-Fernsehen und der digitalen Welt finden." Mit F1 TV hat Liberty Media zuletzt im Vorjahr einen weiteren Schritt in diese Richtung getan. Auch in zentralen Märkten, wie England oder Italien, kann die Formel 1 zum Großteil nur noch über Bezahlangebote verfolgt werden.

Auf die dritte Anschuldigung, man würde neue Rennen auf Kosten von bestehenden unter Vertrag nehmen, kontert Carey mit einem Fakt: In zwei Jahren wurden sechs Verträge mit bestehenden Promotern verlängert. Außerdem würden Rennen, wie jenes in Vietnam, niemanden verdrängen. "Das einzige Rennen, das wir nicht verlängert haben, war Malaysia. Diese Entscheidung beruhte auf Gegenseitigkeit."

Nach Zustimmung: Gegenwind in Russland

Liberty strebt an, in Märkte einzudringen, in denen neue Möglichkeiten lauern, die Formel 1 aktuell aber nicht präsent ist. Andererseits gäbe es Märkte, in denen man zwar vertreten ist, allerdings das Potenzial nicht ausschöpft. Carey nennt vor allem die USA als Beispiel dafür. "Wir schätzen unsere bestehenden Partner, die meisten Beziehungen sind längerfristig gedacht und ich erwarte, dass wir mit den meisten weiterarbeiten." Es sei allerdings auch wichtig, zuzuschlagen, wenn sich Möglichkeiten für ein neues Rennen ergeben.


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Carey kann zwar auf die Unterstützung von einigen Promotern hoffen, allerdings muss er sich erneuter Kritik stellen. Nachdem der russische Sotschi-Promoter Sergei Worobiew sich klar gegen seine Kollegen gestellt und Liberty zu Hilfe geeilt war, weht nun Gegenwind in den eigenen Reihen. Der russische Motorsportpräsident Igor Yermilin hat gegenüber 'Sportsbox' erklärt: "Die Situation war zu erwarten. Das aktuelle Management wollte die Formel 1 verbessern, allerdings stellte sich das als deutlich schwieriger heraus."

"Sie haben weder die Erfahrung noch die Fähigkeit, diesen Prozess zu kontrollieren, wie es Bernie Ecclestone gemacht hat. All die Unsicherheiten sorgen für Gerüchte", so der Russe. Im Gegensatz zum Beginn der neuen Formel-1-Führung, als noch "lautstarke Ankündigungen" kamen, höre man nun "fast nichts mehr" von Liberty. "Es gibt kein neues technisches Reglement, das Concorde-Agreement läuft bald aus und es gibt Schwierigkeiten mit den Promotern, die Grands Prix seit Jahrzehnten austragen", zählt er die Problemfelder auf, mit denen sich die Formel-1-Führung 2019 beschäftigen muss.

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