• 30. Juli 2017 · 12:08 Uhr

McLaren stichelt, aber: Honda steht zum Formel-1-Projekt

Der Honda-Vorstand lässt sich von wiederholten Irritationen aus dem McLaren-Lager nicht unterkriegen und unterstreicht sein Engagement in der Formel 1

(Motorsport-Total.com) - Der Honda-Vorstand in Japan steht offenbar trotz der anhaltenden Misserfolge weiter hinter dem Engagement in der Formel 1. Das bestätigt Masashi Yamamoto, Leiter von Hondas Motorsportabteilung und damit Chef von Yusuke Hasegawa, gegenüber 'Autosport'. Daran ändere auch der gescheiterte Sauber-Deal nichts, und diesbezüglich ziehe der komplette Vorstand an einem Strang.

Yusuke Hasegawa

Honda wird voraussichtlich trotz des Misserfolgs in der Formel 1 bleiben Zoom Download

"Honda ist in die Formel 1 eingestiegen, um zu gewinnen. An unserem Engagement hat sich nichts geändert", unterstreicht Yamamoto. "Wir haben momentan Schwierigkeiten, aber das liegt daran, dass wir das Konzept unserer Antriebseinheit verändert haben. Der Vorstand versteht die Gründe für diese Änderung. Wir glauben, dass wir uns jetzt in die richtige Richtung bewegen, uns verbessern und gewinnen können. Der Vorstand sieht die Formel 1 genau wie ich als langfristiges Projekt. Wir werden weitermachen."

Und zwar voraussichtlich mit McLaren, allen Unkenrufen und Gerüchten zum Trotz: "Es besteht kein Zweifel daran, dass wir bei McLaren bleiben werden", unterstreicht Formel-1-Leiter Hasegawa am Rande des Grand Prix von Ungarn (Formel 1 2017 live im Ticker). Auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com', wie wahrscheinlich die Szenarien zwei Honda-Kundenteams, eines oder gar keines in Prozenten seien, betont er nur, dass die Zusammenarbeit mit McLaren Stand heute fortgesetzt werde.

Auch wenn McLaren-Rennleiter Eric Boullier droht, dass man den Motorenhersteller theoretisch mit nur zwölf Wochen Vorlauf wechseln könnte. "Im September" sei die Deadline, bei der die Ingenieure für das 2018er-Auto Bescheid wissen müssen. Und weil nach heutigem Stand der Dinge sowohl Mercedes als auch Ferrari und Renault schon drei Kunden beliefern, kann keiner von der FIA dazu gezwungen werden, McLaren-Partner zu werden.


Fotostrecke: Honda-Meilensteine in der Formel 1

Es sei denn, Honda einigt sich tatsächlich mit Toro Rosso, denn dann fällt Renault von drei auf zwei Teams - und die Hintertür für McLaren-Renault wäre offen. Ein eher unwahrscheinliches Szenario. Obwohl McLaren weiterhin öffentlich gegen Honda stichelt. Das kommt bei den stolzen Japanern gar nicht gut an. Der entmachtete Ron Dennis, heißt es hinter vorgehaltener Hand, habe solche Konflikte diskreter gelöst.

Geschäftsführer Jonathan Neale gibt sich jedenfalls wenig Mühe, Honda in Schutz zu nehmen. In Silverstone danach gefragt, ob er von Hondas Fortschritten seit dem Verbrennungskonzeptwechsel im Winter beeindruckt sei, entgegnet er: "Ich schätze, die Antwort muss lauten: Nein! Ich meine damit, dass wir bereits das dritte Jahr in dieser Partnerschaft nicht konkurrenzfähig sind. Wir sollten schon viel weiter sein."

Immerhin räumt er ein: "Es stimmt, dass es im Bereich des Verbrennungsmotors einen großen Schritt gegeben hat." Aber: "Die Formel 1 ist ein Sport, in dem du gegen die Besten der Welt antrittst. Und da sind wir einfach nicht konkurrenzfähig und zuverlässig genug. Das ist nicht gut genug für unsere Fans, nicht gut genug für unsere Sponsoren."

Neale verweist auf Gespräche, die im Hintergrund stattfinden, um McLaren wieder an die Spitze zu führen. Ob diese Gespräche mit Honda geführt werden? "Das werde ich nicht beantworten", setzt er die Japaner zusätzlich unter Druck. "Die Gespräche laufen in die richtige Richtung. Wir sind ein Hochleistungsteam, und in einem Hochleistungsteam sind solche Gespräche nicht immer angenehm."

Aber: "Solche Gespräche führt man am besten hinter verschlossenen Türen." Genau daran hält sich McLaren mit der wiederholten öffentlichen Kritik an Honda aber nicht. Und Neale zündelt mit der Gerüchteküche, wenn er sagt: "Ich bin seit 17 Jahren in der Formel 1. Ich weiß: Hier spricht jeder mit jedem. Jeder, der etwas anderes erzählt, sagt nicht die Wahrheit."

Das klingt nicht so, als würde man ohne Wenn und Aber hinter dem bis Ende 2024 laufenden Vertrag stehen ...

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