• 26. Oktober 2016 · 09:54 Uhr

Mark Webbers Erinnerungen: Vettels Rechtsanwalt & "Multi 21"

In seiner Autobiografie erinnert sich Mark Webber, wie Sebastian Vettel die "Multi-21"-Affäre nach Malaysia 2013 von seinem Rechtsanwalt regeln ließ

(Motorsport-Total.com) - Neben der Kollision beim Grand Prix der Türkei in Istanbul 2010 gab es vor allem einen Zwischenfall, der die Rivalität der langjährigen Teamkollegen Mark Webber und Sebastian Vettel bei Red Bull bezeichnend charakterisiert: die "Multi-21"-Affäre beim Grand Prix von Malaysia in Sepang 2013. In seiner Autobiografie "Aussie Grit: My Formula One Journey" (erschienen 2015 im Londoner Macmillan-Verlag) erinnert sich Webber an die Nachwehen des kontroversen Zwischenfalls.

Den meisten Fans ist heute noch gut in Erinnerung, dass Vettel im ersten Moment reumütig wirkte und seinen Fehler, die teaminterne Abmachung (Multi 21 = Nichtangriffspakt, Auto 2 kommt vor Auto 1 ins Ziel) ignoriert zu haben, einzusehen schien. Drei Wochen später, beim Grand Prix von China in Schanghai, beurteilte er die Situation aber plötzlich völlig anders. Es sei sein gutes Recht gewesen, das Rennen zu gewinnen, Abmachung hin oder her.

In seiner Biografie schreibt Webber rückblickend, dass seine Managerin und Lebensgefährtin Ann Neal (inzwischen sind die beiden verheiratet) Teamchef Christian Horner später auf "Multi 21" angesprochen und gefragt hat, warum Vettel für seine Missachtung der eindeutig ausgesprochenen Teamorder nie bestraft oder zumindest verwarnt wurde. Der Grund dafür war offenbar ein Schreiben, das Vettel von seinem Anwalt aufsetzen hatte lassen.

Vettel beschuldigte Red Bull des Vertragsbruchs

Das Schreiben flatterte ein paar Tage nach dem Rennen in Sepang auf Horners Schreibtisch in Milton Keynes. "Darin stand, dass das Team vertragsbrüchig wurde, weil es 'eine unangemessene Instruktion/Teamorder' ausgesprochen hat", erinnert sich Webber und ergänzt: "Damit war Red Bull Racing in einer eigenartigen Lage, weil sie letztendlich beiden Fahrern die Siegprämie auszahlen mussten! Das war nicht gerade billig."

"Multi 21" war einer von mehreren Zwischenfällen, die Webbers Eindruck erhärteten, dass Vettel bei Red Bull bevorzugt behandelt wurde. Nach der Kollision in Istanbul 2010, bei der Vettel die Spur wechselte und damit die Berührung provozierte, aber Webber in der Öffentlichkeit als Schuldiger ausgemacht wurde, schrieb der Australier sogar einen Brief an Red-Bull-Konzernchef Dietrich Mateschitz, um seine Sorge über die Parteilichkeit auszudrücken.

Webbers Vertraute: Mateschitz und Newey

"Dietrich hätte die Situation vielleicht regeln können, aber er hatte viele andere Baustellen auf seinem Radar und er verließ sich darauf, dass die Leute das regeln, die er dafür installiert hatte", schreibt Webber in seiner Biografie. "Ich hatte Vertrauen in Adrian (Newey; Anm. d. Red.), aber Christian befand sich in einer heiklen Situation, weil er Marko bei Laune halten musste. Also stellte sich heraus, dass der andere Fahrer sehr wohl geschützt wurde."

Der inzwischen auch vom Langstrecken-Sport zurückgetretene 40-Jährige beschreibt mehrere Situationen, in denen sich Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko gegen ihn positionierte. Mateschitz und Newey schätzte Webber als neutrale Inseln, denen er vertraute. Teamchef Horner erachtete er als vernünftig, sei jedoch in all den Jahren unter Markos Einfluss gestanden. Als Vettel 2010 Weltmeister wurde, war das auch ein Triumph für Marko.

Webber bedauert, dass er sich deswegen stets als Nummer zwei im Team fühlte und vermutet: "Hätten wir ein starkes Management gehabt, wäre das vielleicht anders gewesen." Allerdings zeigt er auch Verständnis dafür, dass ein solches Stallduell eine Zerreißprobe für ein Team sein kann: "Sebastian und ich versuchten beide, das System auf die Probe zu stellen. Und wenn deine beiden Fahrer auch noch um Siege kämpfen, ist der Druck deutlich größer."

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