• 14. Juni 2016 · 19:39 Uhr

"Sympathische Konfusion": Berger kritisiert Ferrari-Boss

Der Ex-Pilot sieht den sieglosen Rennstall aus Maranello in der Krise und findet harte Worte für FIAT-Chef Sergio Marchionne: "Macht Newcomer-Fehler"

(Motorsport-Total.com) - Auch nach sieben Rennen der Formel-1-Saison 2016 wartet Ferrari noch immer auf den ersten Sieg. In der WM-Gesamtwertung beträgt der Rückstand von Sebastian Vettel auf den Führenden Nico Rosberg bereits 38 Punkte, von hinten drückt Daniel Ricciardo mit seinem wiedererstarkten Red-Bull-Team. Und in Barcelona und in Montreal verpasste die Scuderia durchaus mögliche Siege ihres deutschen Starpiloten durch eine Strategiewahl, die am Ende nicht aufging.

Gerhard Berger

Ex-Ferrari-Star Gerhard Berger meint, auf dem italienischen Team laste zu viel Druck Zoom Download

Diesen Fakten stehen die knallharten Forderungen von FIAT-Boss Sergio Marchionne entgegen, der seit dem Saisonstart mächtig Druck auf die Mannschaft um Teamchef Maurizio Arrivabene ausübt. Weitere Jahre ohne WM-Titel wären "eine Tragödie", mahnte er bereits im Februar und forderte kurz vor dem Auftaktrennen in Australien: "Wir wollen das Team sein, das es zu schlagen gilt." Nach dem dritten Rennen in China erhöhte er schließlich den Druck und forderte, "die Lücke in Lichtgeschwindigkeit zu schließen."

Vor dem Spanien-Grand-Prix in Barcelona gipfelte Marchionnes Kritik in der Aussage: "Wir müssen das jetzt in den Griff bekommen. Das Team weiß, dass die Uhr tickt und wir Rennen gewinnen müssen." Solche Forderungen eines Chefs ließen wohl jeden Angestellten schlecht schlafen, weiß auch Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda, der Mitleid mit den Ferrari-Machern zeigt: "Arrivabene hat im Moment den härtesten Job." Zustimmung bekommt Lauda von seinem österreichischen Landsmann Gerhard Berger, der in einem Interview nun ebenfalls die Aussagen des FIAT-Managers anprangert.

Berger: Businesspläne funktionieren in der Formel 1 nicht

"Es steht mir nicht zu, Herrn Marchionne zu kritisieren. Aber er macht in der Formel 1 typische Newcomer-Fehler. Er gehört zu den erfolgreichen Geschäftsleuten, die glauben, sie können in der Formel 1 einen Businessplan wie in ihrem Unternehmen aufstellen. Sie merken aber schnell, wie unberechenbar die Formel 1 ist und dass die Roadmap der Formel 1 anders funktioniert", so Berger in 'Bild am Sonntag'. Berger ist der Meinung, dass man die Ferrari-Mannschaft in der jetzigen Situation vielmehr ungestört arbeiten lassen sollte.

Maurizio Arrivabene und Sergio Marchionne

FIAT-Boss Sergio Marchionne (r.) wacht mit Argusaugen über Teamchef Arrivabene Zoom Download

"Man muss einem Vettel nicht sagen, dass er gewinnen soll. Das weiß der schon selbst", so der ehemalige Mitbesitzer des Toro-Rosso-Rennstalls, der die Situation des Vierfach-Weltmeisters aus eigener Erfahrung nachvollziehen kann: "Ich war viele Jahre bei Ferrari und genau in der gleichen Situation wie jetzt Vettel. Manchmal habe ich gewonnen, meistens aber nicht. Es gibt dort immer viel Druck von oben", weiß der Ex-Pilot, der 96 Grands Prix für die Scuderia bestritt.

Vorbild Jean Todt: "Er hat den Druck abgeschirmt"

Mit dem jetzigen FIA-Präsidenten Jean Todt, der das italienische Traditionsteam durch die erfolgreichste Phase seiner Geschichte führte, nennt Berger ein Gegenbeispiel zu Marchionne. "Todt war derjenige, der sich eine Mannschaft um Michael Schumacher geschaffen hatte, mit Rory Byrne und Ross Brawn, der den Druck von oben nach unten abgeschirmt hat und damit diese sehr erfolgreiche Zeit eingeläutet hatte."

"Man muss einem Vettel nicht sagen, dass er gewinnen soll."Gerhard Berger
Unter der Ägide Todts holte Schumacher fünf WM-Titel und 72 Siege für das Cavallino Rampante. An diese Zeiten wollen Marchionne, Arrivabene und Co. schnellstmöglich wieder anknüpfen - doch nicht nur Berger zweifelt daran, dass Ferrari in absehbarer Zeit überhaupt wieder ein ernsthafter Anwärter auf WM-Siege sein wird.

"Mir kommt es vor, Ferrari ist in einem Stadium, wie es bei mir auch war: sympathische italienische Konfusion", so die Eindrücke des Österreichers, die in Maranello gar nicht gut ankommen dürften. Dort sieht man sich, unter anderem wegen des neuen Turbo-Updates, das in Montreal erstmalig gefahren wurde, bereits wieder in Schlagdistanz zu Primus Mercedes. Nächste Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen, gibt es ja bereits am kommenden Wochenende beim Formel-1-Debüt in Aserbaidschan.

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