• 21. April 2016 · 08:16 Uhr

Alex Wurz: McLaren-Renncockpit war schon sicher

Ex-Formel-1-Pilot Alex Wurz erinnert sich an seine McLaren-Ära: Wieso er sich 2002 in Häkkinens Auto wähnte und wie er sich mit der Frisur bei Dennis revanchierte

(Motorsport-Total.com) - Es war wohl eine der größten Enttäuschungen in Alex Wurz' Motorsportkarriere: 2001 versprach ihm McLaren ein Renncockpit für die Saison 2002 als Ersatz für den zurückgetretenen Mika Häkkinen, doch am Ende wurde ihm Kimi Räikkönen vorgezogen. Alles geschah bei den Testfahrten in Monza, als der damalige McLaren-Testfahrer gerade auf einem Longrun war, und ihn das Team an die Box beorderte.

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Alex Wurz hätte 2002 beinahe Mika Häkkinen bei McLaren ersetzt Zoom Download

"Sie haben mich gestoppt, weil ich einen Anruf von Martin Whitmarsh (damals stellvertretender Teamchef; Anm. d. Red.) erhielt", erinnert sich der 42-Jährige. Die Worte des Briten sind ihm heute noch genau in Erinnerung: "Gratuliere, ich habe den Test unterbrochen, weil du nächstes Jahr für uns fahren wirst." Laut Wurz wollte Whitmarsh ihm das unbedingt mitteilen, "weil sie gerade das Meeting abgehalten hatten, bei dem die Entscheidung fiel."

Doch nach den Monza-Testfahrten wartete Wurz vergeblich auf einen weiteren Anruf: "Da wurde mir klar, dass sich etwas zusammenbraut." Tatsächlich bemühte sich der damalige Teamchef Ron Dennis gleichzeitig, den damaligen Shootingstar Räikkönen aus seinem Sauber-Vertrag herauszubekommen. Wurz reiste also nach Woking, um sich bei Dennis direkt zu informieren: "Er sagte mir dann, dass sie Kimi nehmen würden."


Fotostrecke: Alex Wurz: Eine bewegte Karriere

Hätte Peter Sauber abgesagt, dann wäre Wurz im Jahr 2002 an der Seite von David Coulthard in die Saison gegangen. "Ron dachte, dass Kimi eine bessere Wahl ist als ich, und wahrscheinlich hatte er recht", meint der zweimalige Le-Mans-Sieger heute. Nachtragend war er schon damals nicht: "Ich war erwachsen genug, um zu verstehen, dass sie das nicht getan haben, um mich zu verletzen, sondern weil es ihrer Meinung nach die bessere Option für das Team war."

Jaguar-Deal verhindert

Doch auch seine weiteren Versuche, einen Formel-1-Vertrag an Land zu ziehen, waren nicht von Glück gesegnet. 2003 hatte Wurz laut eigenen Angaben ein Angebot von Jaguar: "Es handelte sich um einen Dreijahresvertrag, der von Detroit abgesegnet war. Die Jaguar-Chefs haben sich sehr bemüht, um mich aus meinem McLaren-Vertrag herauszubekommen, doch McLaren entschied sich dagegen." Für Wurz war dies nach den Ereignissen 2002 besonders bitter.

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Der Österreicher war Anfang der 2000er der Edeltester von McLaren Zoom Download

Die Pechsträhne ging sogar weiter: Weil McLaren nach einem weiteren Jaguar-Angebot 2005 nicht mehr mit einem weiteren Testfahrerjahr des Österreichers rechnete, designte man den MP4-20 nicht mehr für den baumlangen Piloten. Und ausgerechnet in dieser Saison passierte Juan-Pablo Montoyas legendärerer "Tennis-Unfall", und McLaren benötigte dringend einen Ersatzmann.

Weil Wurz nicht in den Boliden passte, wurde ihm Kollege Pedro de la Rosa vorgezogen. Bis Imola hatte man den Wagen dann soweit angepasst, dass auch Wurz hineinpasste. Im Rennen sollte Wurz Platz drei erreichen, doch davor konnte er es sich nicht verkneifen, McLaren-Teamchef Dennis wegen all der harten Momente einen kleinen Streich zu spielen.

Lange Haare als "Rache"

"Ich hatte mich entschieden, meine Haare länger wachsen zu lassen", erzählt Wurz. Ein Affront gegen den Perfektionisten Dennis, der dafür bekannt ist, eigenwillige Frisuren nicht zu akzeptieren. "Ich hatte also diese furchtbar aussehenden längeren Haare, und das gefiel Ron nicht." Der Brite legte Wurz also am Mittwoch vor dem Imola-Wochenende nahe, zum Friseur zu gehen.

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Rebellenfrisur: Wurz ließ seine Haare lang wachsen, um Ron Dennis zu ärgern Zoom Download

Als die Reaktion ausblieb, ging Dennis einen Schritt weiter und erzählte ihm im Fahrerlager von Imola von einem Gespräch mit Wurz' Ehefrau: "Sie sagt, dass du mit kurzem Haar viel besser aussiehst. Außerdem könne er mir hier einen Friseur auftreiben, überhaupt kein Problem. Jeden Tag ging er einen Schritt weiter."

Doch Wurz blieb sogar eisern, als er am Samstag vom "verärgerten" Dennis den Befehl erhielt, sich der Haarpracht zu entledigen. "Zu diesem Zeitpunkt sagte der Rebell in mir, dass ich die Haare definitiv nicht schneiden lassen werde, sondern sogar noch mehr Gel verwenden werden, damit sie mehr aufstehen."

In der Startaufstellung griff Dennis dann zur Notlösung: "Er kam zu mir und meinte, ich solle meinen Helm aufbehalten. Er wolle meine Haare nicht sehen." Für Wurz war es eine kleine Genugtuung: "Ich konnte mich vor lachen nicht halten." Heute würde er sich dennoch anders verhalten: "Ich hätte mir die Haare schneiden lassen sollen, damit er glücklich ist."

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