• 21. Juli 2023 · 08:10 Uhr

Kolumne: Zum ersten Mal als Journalist im Formel-1-Paddock!

Kevin Hermann schildert, wie es ist, zum allerersten Mal als Journalist im Paddock dabei zu sein und die Stars der Formel 1 hautnah zu erleben

(Motorsport-Total.com) - München, Haar, 19. Juli 2023, 5:20 Uhr. Der Wecker klingelt und die große Reise geht los. Vom Hotel breche ich auf Richtung München Hauptbahnhof, um später in Linz von Christian Nimmervoll aufgepickt zu werden. Gemeinsam fahren wir nach Budapest und wollen am späten Mittwochnachmittag unsere Paddock-Akkreditierung an der Autobahn neben dem Hungaroring für das Wochenende abholen.

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Freitagmorgen im Formel-1-Paddock: Tag 2 des Abenteuers beginnt Zoom Download

Während Christian gemütlich sein Dokument unterschreibt und seinen Pass entgegennimmt, kommt bei mir nur die Antwort: "Der ist nicht hier." Na toll, dachte ich mir. Eigentlich wollten wir am Mittwochabend noch einmal an die Strecke fahren, aber ohne Pass kein Einlass im Fahrerlager. Dann halt eben ein Abendessen beim Italiener in der Stadt.

Also ein neuer Versuch ein Tag später. Ich mache fünf Minuten vor acht Uhr als Erster die Tür im Akkreditierungscenter auf, komme rein, und wieder die Antwort: "Der ist noch nicht hier, es dauert noch." Ja aber wie lange denn noch? Wir wollen doch zur Strecke. "Nur noch ein paar Minuten", die Antwort, die ständig wiederholt wurde.

In der Zwischenzeit haben wir immerhin schon einmal ein Video auf dem Parkplatz neben der Autobahn aufnehmen können und ich hatte mich fast schon darauf eingestellt, dass nur Christian am Donnerstag in den Paddock geht, während ich im Aquapark neben der Strecke die Zeit totgeschlagen hätte. Am Ende wartete ich mit einigen anderen Kollegen, deren Pass ebenfalls noch nicht da war, zwei Stunden, ehe ich ihn endlich in der Hand hielt: Mein erster Formel-1-Paddockpass. Wow!

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Da ist er: Mein erster Formel-1-Paddockpass Zoom Download

Also nichts wie ab an die Strecke. Ich halte meinen Pass an das elektronische Drehkreuz und da kommt er: Dieser unvergleichliche Sound und mein Foto auf dem Bildschirm. Ich habe es ins Formel-1-Fahrerlager geschafft! Seit ich zwei Jahre alt bin schaue ich Formel 1, und nun ist der Traum mit 23 Jahren wahrgeworden: Ich bin ein Teil dieses Zirkus an der Strecke und zusammen mit den großen Persönlichkeiten der Formel 1 an einem Fleck.

Zunächst einmal geht es ins Mediacenter, ich lerne unsere englischen, niederländischen und italienischen Kollegen aus dem Motorsport Network kennen, schreibe noch eben einen Artikel und dann mache ich mich auf die erste Paddockrunde.

Mittendrin im Ricciardo-Getümmel

Kaum bin ich aus dem Mediacenter draußen, schlendert Fernando Alonso an mir vorbei, dann Laurent Mekies von Ferrari und auf dem Weg zurück Daniel Ricciardo im AlphaTauri-Rennoverall nach einem Fotoshooting. Meine Güte! Die ganzen Leute, die ich am Fernseher bewundert habe, direkt neben mir.

Um zwölf Uhr findet dann der erste große Termin statt: Die Medienrunde von Daniel Ricciardo in der komplett überfüllten Red-Bull-Hospitality. Während der Australier aus dem Grinsen fast gar nicht mehr rauskommt, bin ich fast noch mehr begeistert, die ganzen hochkarätigen Journalisten physisch zu sehen, dessen Artikel und Videos ich jahrelang als Fan konsumiert habe.

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Der Andrang bei der Medienrunde von Daniel Ricciardo und ich bin dabei Zoom Download

Gemeinsam mit Christian spreche ich dort mit Sky-Kommentator Sascha Roos und -Moderator Peter Hardenacke. Ebenfalls eine große Ehre für mich als jahrelanger Sky-Zuschauer, und das, obwohl ich mit dem Sky-Team durch meine Rolle beim Technologieunternehmen PACETEQ zumindest per E-Mail seit dieser Saison im regelmäßigen Austausch stehe und mitwirke, dass Leo Lackner in seinen Vorberichten den vielen TV-Zuschauern Daten und Strategie näherbringt.

Auf zum ersten Trackwalk!

Nach der Mediensession mit Ricciardo heißt es dann erst einmal raus aus dem Gewusel und ab auf die Strecke zum Trackwalk, was mir unser Moderator Kevin Scheuren auf unserer gemeinsamen Zugfahrt von Köln nach München wärmstens empfohlen hat, der selbst im vergangenen Jahr in Ungarn zum ersten Mal im Formel-1-Fahrerlager war.

Denn eigentlich begann meine Reise schon am Freitag, den 14. Juli für unser gemeinsames Sommertreffen in München, wo wir mit dem kompletten Team bowlen waren und danach noch bis fünf Uhr an der Hotelbar saßen und plauderten. Das jährliche Treffen ist immer wieder ein Highlight und macht mich einfach nur stolz, in einem so coolen Team arbeiten zu dürfen.

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Unser komplettes Team vor dem Bowlingcenter in München Zoom Download

Und weil das Ungarn-Wochenende ohnehin kurz vor der Tür stand, dachte ich mir, da bleibe ich von Samstag bis Mittwoch früh noch in München, arbeite ein bisschen von unserem Firmensitz in Haar aus und schaue mir die Stadt ein bisschen an. Naja, am Ende war ich gefühlt nur im Hotel und habe meine eh schon viel zu komplexe Datenexcel für die Formel 1 runderneuert. Einmal angefangen, konnte ich einfach nicht mehr aufhören und München kann man ja das nächste Mal noch anschauen.

Die ersten Eindrücke von der Strecke

Nun aber zurück zum Trackwalk: Zuerst laufe ich durch die Boxengasse, wo die Mechaniker schon damit beschäftigt sind, die Autos für die Trainingssessions am Freitag zusammenzuschrauben. Endlich mal wieder Formel-1-Autos live sehen! Zuletzt war ich in Monza 2018 an der Strecke, allerdings "nur" als normaler und nach dem Rennausgang auch enttäuschter Ferrari-Fan neben all den Tifosi.

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Die Box von Red Bull Racing, wo das Update an die beiden RB19 geschraubt wird Zoom Download

Das letzte Team in der Box war jedoch nicht Williams als Konstrukteurs-Letzter der Vorsaison wie man erwarten könnte, sondern APX GP mit Sonny Hayes alias Brad Pitt als Fahrer. Dort standen jedoch keine Autos in der Box, sondern nur mehrere Frontflügel. Das wird wohl nicht reichen für die Pole ohne Räder, Chassis und Motor.

Aber Spaß beiseite. Kaum bin ich aus der Boxengasse raus und auf der Strecke, war ich sehr überrascht, wie groß die Höhenunterschiede auf der Strecke sind. Im Fernsehen kommt es gar nicht so rüber, wie stark es hoch und runter geht. Das ist mir schon aufgefallen, als ich 2013 außerhalb eines Rennwochenendes die Strecke in Monaco abgelaufen bin.

Crashe ich den Tracktest der FIA?

Auf der zweiten DRS-Zone in Richtung Kurve zwei schoss aber auf einmal das Safety-Car und das Medical-Car an mir vorbei und die Leute, die vor mir auf der Strecke gelaufen sind, waren auf einmal auch weg. Hinter mir auch kein Mensch mehr zu sehen. Ist denn jetzt schon der Tracktest, wo die FIA mit ihren Autos die Systeme überprüft und ich Heini stehe bei meinem ersten Mal Formel 1 mitten auf der Strecke rum, während Bernd Mayländer mit 250 km/h an mir vorbeischießt?

Ich habe mich dann kaum noch getraut, auf der Strecke zu laufen und bin lieber sicher an der Streckenbegrenzung im Gras gelaufen. Hoch zu Kurve vier habe ich dann aber ein Van gesehen, der mitten auf der Strecke parkt und in Kurve fünf haben noch einige Streckenmitarbeiter die Randsteine gestrichen. Da war ich dann schon wieder etwas beruhigter und später fand ich heraus, dass der Test der FIA erst 14 Uhr und damit eine Stunde später losging. Puh, noch einmal Glück gehabt.

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Zwar scheine ich die einzige Person auf der Strecke gewesen zu sein, aber der Anblick dieses Vans hat mich dann doch beruhigt Zoom Download

Am Ende habe ich circa 50 Minuten für die 4,381 Kilometer gebraucht, habe mir aber trotz des etwas mulmigen Gefühls Zeit gelassen und die Strecke ausgiebig begutachtet. Dabei war ich komplett überrascht, wie grob die Kiesbetten sind. Das waren keine Kieselsteine, sondern eher richtige Steine, die vereinzelt faustgroß waren. Kein Wunder, dass meistens etwas am Unterboden der Autos kaputt ist, wenn man da durchfährt.

Mit Kevin Magnussen und Günther Steiner in der Haas-Hospitality

Zurück vom Trackwalk ging die eigentliche Arbeit dann erst richtig los. Zum ersten Mal in einer Formel-1-Pressekonferenz, später dann die sogenannten "Roundtables", wo ich beim Haas-Team zugange war, weil ich mehr darüber wissen wollte, warum der Reifenverschleiß am VF-23 so hoch und die Rennpace so schlecht ist. Was ich dabei erfahren habe, habe ich in dieser News zusammengefasst.

Ich bin keiner, der vor Aufregung kein Wort mehr rauskriegt oder besonders nervös ist. Eine Eigenschaft, die ich an mir mag, weil ich mich dadurch relativ entspannt in neue Situationen werfen kann. Das hat mir schon in der Schule und im Studium geholfen, wo ich vor großen Klausuren oder dem Abitur null aufgeregt war.

Dennoch war es schon ein besonderes Gefühl, in die Haas-Hospitality hereinzuspazieren, wo Kevin Magnussen und Günther Steiner schon an einem Tisch saßen und sich unterhielten. Ich habe nicht viel verstanden, worüber die beiden erzählten, aber das Wort "fuck" fiel auf jeden Fall nicht nur einmal. Und den beiden dann auch eine Frage stellen zu können, war definitiv cool!

Danach ging es zurück ins Media-Center, wo ich aus den Antworten, die ich auf meine Fragen bekommen habe, verbunden mit den Daten, die ich bei PACETEQ sammle, eine News zusammengeschustert habe. Für mich ist Haas eines der spannendsten Teams zum Analysieren aufgrund der Probleme, die sie haben.

Meine Eindrücke über das amerikanische Team habe ich dabei nicht nur in einer separaten News zusammengefasst, sondern auch in einem YouTube-Video auf dem Kanal von Formel1.de, wo ich mit Christian am Abend noch einmal durch das Fahrerlager geschlendert bin.


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Und auch beim Filmen musste ich mich fast Kneifen. Erst huscht Daniel Ricciardo durch das Bild, später laufen wir an Oscar Piastri vorbei, der ein Interview gibt, dann sehen wir noch George Russell auf einem Roller, ehe mich schließlich fast noch Carlos Sainz beim Dreh mit seinem Fahrrad umfährt. Nach Bernd Mayländer der nächste heikle Moment, aber doch noch einmal alles gut gegangen.

Jetzt geht die Action aber erst richtig los

Und nun bin ich hier bei den letzten Zeilen meiner Kolumne angekommen, die ich Donnerstag um 22 Uhr auf der Hotelterasse in Budapest schreibe. Es war definitiv ein aufregender Tag, weil es alles andere als selbstverständlich ist, sein Hobby zum Beruf gemacht haben zu können.

Die richtige Action geht trotzdem erst am Freitag mit den Sessions los und noch viele weitere Highlights warten. Ein Interview mit Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko am Samstag, dann direkt an der Strecke stehen im dritten Freien Training und die Autos beobachten und auch in den Formel-2-Paddock will ich einen Abstecher machen, um die Leute kennenzulernen, die bei PACETEQ unsere Strategiesoftware OneTiming nutzen.

Und wie gewohnt werde ich auch bei der Formel 1 wieder jede Runde auseinandernehmen, um unseren Lesern und Zuschauern einen tieferen Einblick geben zu können, in die Zahlen, an die nur wenige rankommen. Mit unserer Longrun-Analyse am Freitag, die hoffentlich nicht buchstäblich ins Wasser fällt aufgrund der Wettervorhersage, sowie einem neuen Vorberichtvideo am Sonntagmorgen, ist man da immer top informiert.

Dennoch wird auch dieses Wochenende wie im Flug vergehen, aber ich weiß jetzt schon, dass ich auf der Rückfahrt am Sonntagabend mit einem Grinsen im Auto und später im Zug sitzen werde. Wobei ich sagen muss, dass ich auf die Rückfahrt nur bedingt Lust habe. Gegen 22 Uhr in Budapest abreisen, um dann 15 Uhr wieder in Köln zu sein, um dann direkt im Anschluss noch ein Strategievideo und den Podcast aufzunehmen, wird hart.

Aber für seine Leidenschaft tut man bekanntlich alles und es lohnt sich.

Euer Kevin Hermann

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