• 22. Mai 2022 · 08:00 Uhr

Zwingt Verstappen WM-Leader Leclerc wieder am Sonntag in die Knie?

Die Sonntage gingen zwischen Charles Leclerc und Max Verstappen bislang an Red Bull: Was in Barcelona für Ferrari und was für die Bullen spricht

(Motorsport-Total.com) - Wiederholt sich heute in Barcelona die Geschichte aus Saudi-Arabien oder Miami? Auch dort war Max Verstappen hinter Charles Leclerc ins Rennen gegangen, konnte das aber jeweils noch in einen Sieg umbiegen. Und: Wenn Verstappen ins Ziel kam, dann auch immer vor dem aktuellen WM-Führenden.

Charles Leclerc (Ferrari) und Max Verstappen beim Qualifying zum Formel-1-Rennen in Spanien 2022

So könnte die Situation im Rennen heute aussehen: Verstappen verfolgt Leclerc Zoom Download

Der Niederländer dürfte hoffen, dass das auch in Barcelona der Fall sein wird. Das Qualifying war mit Platz zwei ganz ordentlich und Ferrari auf eine Runde bislang ohnehin meist stärker. Red Bull konnte seine Pace hingegen bislang vor allem am Sonntag ausspielen, während Ferrari damit am Freitag große Probleme zu haben schien.

"Ich bin am Start in einer starken Position", sagt Leclerc nach seiner Poleposition, "aber wir hatten in den vergangenen beiden Rennen Probleme mit den Reifen im Vergleich zu Red Bull." Auch am Freitag in Barcelona sind der Scuderia die Reifen nach nur kürzester Zeit eingebrochen. "Wenn wir die Reifen nicht managen können, dann verlieren wir diesen Sieg", weiß Leclerc.

Die Reifen werden auch im Kampf um den Sieg das entscheidende Thema in Barcelona werden. Obwohl Pirelli die drei härtesten Mischungen mitgebracht hat, erwarten die Teams zwei oder sogar drei Stopps. Denn die Strecke setzt den Pneus ziemlich zu, genau wie die erwartet hohen Temperaturen, die wieder über 30 Grad Celsius klettern sollen.

Was für Red Bull und was für Ferrari spricht

Für Red Bull spricht in diesem Fall die Form, die Rennpace und laut Motorsportkonsulent Helmut Marko auch das Gesamtpaket des RB18, genau wie die Tatsache, dass der Druck für Ferrari an der Spitze ungewohnter sei als für die Bullen. "Und dass Max, wie er in den letzen Rennen bewiesen hat, unter hohem Druck keine Fehler macht und die kleinste Schwäche vom Gegner sofort ausnutzt", so der Österreicher bei 'Sky'.


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Für die Scuderia sprechen vor allem zwei Dinge: die Startposition auf der überholfeindlichen Strecke und die Tatsache, dass man von Freitag auf Samstag noch einmal beim Longrun deutlich zulegen konnte. "Sie haben am Morgen noch einmal mit beiden Autos einen Longrun gemacht, weil sie Sorgen hatten", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Sie haben ihr Set-up verändert und es sah nicht so schlecht aus."

"Ja, der Longrun war deutlich besser als tags zuvor", gibt Leclerc zu. "Leider fehlt uns eine Referenz, weil wir die einzigen waren, die an diesem Morgen Longruns gefahren sind. Aber es fühlte sich so an, als hätten wir etwas gefunden. Ob das genug sein wird, um Max und Checo herauszufordern, weiß ich nicht. Aber das Gefühl ist besser."

Entscheidet der Start?

Bei Red Bull geht man davon aus, dass Ferrari am Sonntag auf Augenhöhe sein könnte. "Es wird auf jeden Fall sehr eng", meint Horner. Das heißt, es könnte im Rennen auch auf den Start ankommen. Denn wer in Barcelona vorne ist, der hat auf der Strecke gute Karten.

"Hinterherfahren war auf dieser Strecke schwieriger als zuletzt", hat Ferraris Carlos Sainz erkannt. "Ich denke, es liegt an der Hitze. Die Reifen leiden in der Hitze besonders, und jede Runde hinter einem anderen Auto ist eine Runde, in der du die Reifen überhitzt und weniger Grip hast", so der Spanier.

Verstappen selbst spielt den Start aber herunter und glaubt nicht, dass das Rennen schon gelaufen ist, sollte er in Kurve 1 nicht an Leclerc vorbeikommen. "Es kann wichtig sein, aber auf der anderen Seite auch wiederum nicht wirklich, denn 2016 (bei seinem ersten Sieg; Anm. d. Red.) war ich nach den Start Vierter und dann kam natürlich der Unfall (zwischen den beiden Mercedes-Piloten; Anm. d. Red.).

"Und im vergangenen Jahr habe ich am Start die Führung übernommen, das Rennen aber trotzdem nicht gewonnen", erinnert er an 2021, als ihn Lewis Hamilton über die Strategie bezwang. "Du brauchst einfach eine gute Pace und ein gutes Reifenmanagement."

Überraschung durch Mercedes?

Die Frage ist, ob Charles Leclerc einen Vorteil dadurch hat, dass er in Q2 einen Satz weicher Reifen gespart und somit für das Rennen noch zur Verfügung hat. "Das ist strategisch interessant", meint Horner. Auf der anderen Seite schien der Soft aber kein Reifen zu sein, der für das Rennen groß in Frage kommt, weil er viel zu schnell einbricht.

Und wer weiß, vielleicht greift ja noch jemand in den Kampf ein, mit dem man gar nicht rechnet. Stichwort: Mercedes. "Sie waren auch stark auf dem Longrun, aber nicht ganz auf Augenhöhe mit uns", geht Helmut Marko im 'ORF' erst einmal nicht davon aus, dass die Silberpfeile von den Plätzen vier und sechs aus eingreifen können.

"Aber sie haben einen großen Schritt gemacht, und wenn sich der Reifenverschleiß in Grenzen hält, sind sie sicher eine Gefahr", so der Österreicher. Der Sonntag wird es zeigen.

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