• 18. Dezember 2020 · 17:15 Uhr

Abu Dhabi: Warum war Mercedes im Qualifying langsamer als 2019?

Mercedes rätselt, warum man im Qualifying von Abu Dhabi eine halbe Sekunde langsamer war als ein Jahr zuvor, denn das war das erste Mal der Fall

(Motorsport-Total.com) - Das Qualifying in Abu Dhabi war für Mercedes gleich in doppelter Hinsicht eine unangenehme Überraschung. Nicht nur, dass man die Pole-Position Red Bull mit Max Verstappen überlassen musste, man war sogar deutlich langsamer als im Qualifying ein Jahr zuvor. Damals hatte Lewis Hamilton mit 1:34.779 Minuten die Pole geholt, diesmal fuhr man nur eine Zeit von 1:35.271 Minuten.

Lewis Hamilton

Mercedes konnte im Qualifying nicht so auftrumpfen wie sonst Zoom Download

Eigentlich war Mercedes bis dahin auf jeder Strecke schneller gewesen als im Vorjahr. Doch warum war Mercedes plötzlich langsamer? War es anderen Bedingungen geschuldet? "Die Bedingungen waren ziemlich ähnlich. Es waren die gleichen Streckentemperaturen und die gleichen Außentemperaturen. Daran liegt es nicht", sagt Mercedes' Chefstratege James Vowles.

"Die Strecke wurde an einigen Stellen neu asphaltiert, aber auch das ist kein dominanter Faktor", sagt Vowles weiter. Und andere Teams aus dem Mittelfeld haben gezeigt, dass sie ihre Zeiten verbessern können und so deutlich näher an Mercedes waren als auf anderen Strecken. Lando Norris im McLaren fehlten etwa nur zweieinhalb Zehntelsekunden - ein unübliches Bild.

"Wir haben einfach im Qualifying unterperformt", so der Stratege. "Die Frage ist halt warum." Einen Grund sieht er in den weicheren C5-Reifen, die man wohl nicht perfekt in das Fenster bekommen habe. "Am Freitag waren wir mit Lewis schneller, bevor die Zeit wegen Track-Limits gestrichen wurde. Das ist ein Beweis, dass wir es im Qualifying einfach nicht hinbekommen haben."

"War klar, dass Red Bull aufholen würde"

Auch im Rennen verlor Mercedes dann gegen Max Verstappen, obwohl man seit Beginn der Turboära 2014 alle Rennen auf dem Yas Marina Circuit für sich entscheiden konnte. Beim Team betont man aber, dass Red Bull schon die ganze Zeit in Reichweite war. Die Bullen haben zudem noch neue Entwicklungen gebracht und unter anderem einen neuen Heckflügel am Auto gehabt.

"Das macht man aber nicht, wenn es nicht schneller wäre", sagt Vowles. "Es war klar, dass ein so konkurrenzfähiges Team wie Red Bull irgendwann aufholen würde. Das erklärt aber nicht alles, denn wir haben im Vergleich zum Feld einen Schritt zurück gemacht."


Warum Mercedes gegen Red Bull verloren hat

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Anders als im Qualifying war man im Rennen nicht mit dem Soft unterwegs, sondern mit den beiden härteren Mischungen. Mercedes dachte, dass man auf ihnen eine gute Performance haben würde, litt aber unter starkem Untersteuern. "Und auf dieser Strecke wiegt das schwer", so der Mercedes-Mann.

"Hier musst du auf den rechten Vorderreifen am meisten aufpassen, und das hat uns zurückgeworfen", sagt er. "Wir waren im Rennen nicht auf Topniveau, und es war auch nicht unsere Absicht, so eine Balance zu haben. Erklärt das alles? Ich bin nicht sicher, aber das klären wir in dieser Woche."

Warum Strategie nicht gesplittet?

Geholfen hätte möglicherweise, wenn man die Strategie gegen Max Verstappen gesplittet hätte, doch Mercedes entschied sich, beide Fahrzeuge während der Safety-Car-Phase an die Box zu holen. "Es gab nur einen Reifen, der im Rennen gut performt hat, und das war der harte Reifen", verteidigt Vowles die Entscheidung.

"Unsere Modelle haben vorhergesagt, dass er spielend die ganze Renndistanz abgesehen von ein paar Runden schafft. Er hatte zudem nur einen geringen Abbau, sodass man keinen Boxenstopp aufgeholt hätte." Andere wie beide Ferrari-Fahrer haben eine alternative Strategie probiert, doch die ging am Ende nicht auf.


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"Wären wir mit Lewis oder Valtteri draußen geblieben, wären wir in Führung gewesen, aber beide Red Bulls wären im Vorteil gewesen. Sie wären auf einem Reifen, der eigentlich besser war. Der Medium hätte schnell abgebaut, und während wir in der Theorie vorne gewesen wären, hätten wir sie nie und nimmer aus dem Boxenstopp-Fenster ziehen können."

Und da der Boxenstopp unter vollem Rennspeed gewesen wäre, hätte man auch nicht wieder auf Alexander Albon aufholen können, sagt Vowles. Aber: Mercedes wusste damals noch nicht, dass das Rennen ohne Safety-Car oder die virtuelle Variante durchlaufen würde. Womöglich hätte das eine Chance gegeben, doch die sah man im Team nicht.

"Wir hatten keine andere Wahl, als das zu tun, was die anderen tun", so Vowles. "Wenn du einen Reifen hast, der so robust und so stark ist, dann müsst du die Möglichkeit für einen Stopp ergreifen, wenn es ein VSC oder ein Safety-Car gibt."

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