• 13. Dezember 2020 · 20:52 Uhr

Andreas Seidl: "Stolz darauf, heute Teil des McLaren-Teams zu sein"

McLaren-Teamchef Andreas Seidl ist stolz auf sein Team, das in Abu Dhabi doch noch WM-Platz drei einfahren konnte - Welche Faktoren dazu beigetragen haben

(Motorsport-Total.com) - "Super einfach!", fasst Andreas Seidl den Rennsonntag in Abu Dhabi aus McLaren-Sicht zusammen. Sein Team kann mit den Rängen fünf (Lando Norris) und sechs (Carlos Sainz) die nötigen Punkte auf Racing Point gutmachen und den dritten Rang in der Konstrukteurs-Wertung doch noch einfahren. "Ich freue mich für das ganze Team."

Andreas Seidl, Carlos Sainz

Andreas Seidl ist stolz auf seine Mannschaft Zoom Download

"Platz drei in der Konstrukteurs-Meisterschaft ist natürlich super für uns. Ich bin einfach stolz, Teil des Teams zu sein", strahlt Seidl beim Interview mit 'Sky' nach dem Saisonfinale. Zum ersten Mal seit 2012 ist McLaren wieder die drittstärkste Kraft im Feld.

"Es gibt natürlich nichts Schöneres, als die Saison so abzuschließen. Es gibt uns einfach super Motivation, in den Winter so reinzugehen. Trotzdem ist wichtig, dass wir am Boden bleiben. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Wir wollen in den nächsten Jahren weiter nach vorne. Aber es war auf alle Fälle eine gute Saison."

Gleich viele Punkte wie 2018 & 2019 zusammen!

Mit einem "relativ einfachen Rennen" kann das britische Traditionsteam die Wende im letzten Moment noch schaffen. "Wir hatten die Pace und nach dem Safety-Car war es klar, dass es ein Einstopprennen wird für die, die auf den harten Reifen haben wechseln können."

Nachdem Sergio Perez seinen Boliden bereits nach neun Runden am Streckenrand aufgrund eines technischen Defekts parken musste, wuchs McLarens Chance auf WM-Platz drei signifikant. Norris und Sainz hielten sich immer in den Top 6 auf und kamen während der Safety-Car-Phase zum einzigen Stopp an die Box.

Auf dem harten Reifen fuhren die beiden ein ereignisarmes Rennen zu Ende. "Von daher haben wir eigentlich nur unsere Reifen managen müssen. Aber klar: Gerade wenn es um die Meisterschaft geht, wartet man natürlich auch permanent auf irgendwelche Geräusche und hofft, dass man kein technisches Problem hat."

Lando Norris

Norris schafft P5 in Abu Dhabi, Sainz P6 Zoom Download

Das Team habe einen "super Job" gemacht, auch seine beiden Piloten haben "keinen einzigen Fehler" gemacht, freut sich Seidl. Auch der Doppelstopp während des Safety-Cars verlief reibungslos - obwohl Sainz für das Schleichen am Boxengassen-Eingang von der FIA untersucht und schließlich freigesprochen wurde.

Mit satten 18 Punkten in Abu Dhabi kommt McLaren in der Saison 2020 auf insgesamt 202 WM-Punkte, fast gleich viele wie in den Jahren 2018 und 2019 zusammengerechnet (207). Sieben Punkte Vorsprung auf Racing Point haben am Ende gereicht, 21 auf Renault.

Jene Faktoren haben schlussendlich zum Triumph geführt: "Wir hatten das gesamte Jahr über ein konkurrenzfähiges Auto, das war ein bisschen ein Allrounder. Wir konnten meistens in das Q3 vordringen und die Rennen auf Positionen starten, die uns dann auch erlaubten, um gute Punkte zu kämpfen", zählt Seidl auf.

Viele Faktoren für Triumph verantwortlich

Die Zusammenarbeit im Team streicht er außerdem hervor. "Die Jungs waren einfach gut darin, die Sessions, Qualifyings und die Strategie gut auszuführen." Weniger brillant liefen die Boxenstopps, ein Schwachpunkt, den auch Seidl anmerkt.

"Die liefen zumindest zu Saisonbeginn noch nicht rund, aber wir konnten kontinuierliche Verbesserungen sehen. Am Ende war das eine Stärke unseres Teams." Auf der Technikseite ist Seidl auch mit der Zuverlässigkeit der Boliden zufrieden: "Wir hatten keinen einzigen Ausfall in diesem Jahr."

Als letzte Faktoren nennt der Deutsche noch seine Strategen im Team und seine Piloten, die einen "sensationellen Job" abgeliefert haben, "wie schon im Vorjahr". Schließlich haben Norris und Sainz erst all die WM-Punkte möglich gemacht, merkt er stolz an.

"Ich glaube, jeder Einzelne kann wirklich stolz darauf sein, was wir im Team geleistet haben. Es war wirklich ein schwieriges Jahr, auch mit der finanziellen Krise, in der wir drin waren. Kurzarbeit, Gehaltskürzungen und so weiter", zählt Seidl die Schattenseiten auf.

Auch dazu gab es positive Neuigkeiten am Sonntag: Vor dem Rennen wurde bekannt, dass Anteile am McLaren-Rennstall an eine Investorengruppe verkauft wurden, was mehr Geld für die Zukunft bedeutet. "Das ist auch sehr wichtig, weil das sicherstellt, dass wir all die Ressourcen haben werden um beim Budget auf Augenhöhe mit den Topteams operieren zu können."

Unter anderem werden dadurch die Infrastrukturprojekte in der Fabrik, unter anderem der Bau des neuen Windkanals und eines neuen Fahrersimulators, angeschoben. "Das ist ein Schlüssel für unsere Wettkampfstärke."

Wie groß ist Seidls Anteil am Erfolg?

Trotz all der Schwierigkeiten habe seine Truppe immer weiter gepusht und kontinuierlich Updates ans Auto gebracht. Vor dem entscheidenden Wochenende musste seine Mannschaft außerdem mit dem Druck nach einem enttäuschenden Bahrain-Rennen umgehen.


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"Ich bin sehr zufrieden damit, wie das Team mit diesem Druck umgegangen ist. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir sehr viele junge Leute im Team haben, die noch nie in so einer Situation waren. Ich habe großen Respekt davor, wie sie das gemacht haben. Hut ab."

Die Erfolge auf der Rennstrecke - zwei Podestplätze (Spielberg 1 und Monza), drei schnellste Rennrunden - helfen, die Motivation in der Mannschaft zu halten. Die nächsten Herausforderungen warten bereits auf McLaren: die Integration des Mercedes-Motors und ein neues Fahrer-Duo mit Daniel Ricciardo.

"Das ist großartig, dass wir einen Fahrer wie Daniel bekommen konnten, einen Rennsieger, der schon in der Vergangenheit gezeigt hat, dass er mit dem richtigen Auto gewinnen kann."

Wie viel Anteil hat der Teamchef selbst am Erfolg? Seit Mai 2019 führt Seidl das McLaren-Team, zuvor konnte er unter anderem mit Porsche in der Langstrecke große Triumphe einfahren. "Formel 1 ist ein Teamsport, da geht es nicht um mich. Ich bin einfach stolz, ein Teil von McLaren zu sein."

Ein Grund, warum er im Vorjahr unbedingt Teil des Traditionsrennstalls werden wollte: die glorreiche Geschichte des Teams. "Diese vergangenen Erfolge helfen uns natürlich heute nicht mehr. Aber der Grund, warum ich morgens aufstehe, jeder bei McLaren aufsteht, ist, weil wir Teil einer McLaren-Generation sein wollen, die hoffentlich wieder um Rennsiege in Zukunft kämpfen wird."

Die schönste Belohnung, die er sich selbst als Teamchef vorstellen kann, sind lachende Teammitglieder nach einem guten Rennen. "Das ist alles, was ich brauche, um weiterzumachen."

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