• 27. September 2020 · 14:48 Uhr

F1-Rennen Sotschi 2020: Bottas gewinnt Grand Prix von Russland

Valtteri Bottas gewinnt den Grand Prix von Russland vor Max Verstappen, doch für hitzige Diskussionen sorgt die doppelte Strafe gegen Lewis Hamilton

(Motorsport-Total.com) - Valtteri Bottas hat den Grand Prix von Russland in Sotschi (F1-Paddock live: Der Rennsonntag im Ticker!) gewonnen und damit seinen Rückstand in der Formel-1-WM 2020 von 55 auf 44 Punkte verkürzt. Denn sein Mercedes-Teamkollege Lewis Hamilton war mit gleich zwei Zeitstrafen der Pechvogel des Tages und wurde Dritter.

Valtteri Bottas

Valtteri Bottas feiert in Sotschi nach 2017 seinen zweiten Grand-Prix-Sieg Zoom Download

Dass die Strafe für Hamilton korrekt ist, steht grundsätzlich außer Frage. In Michael Masis "Event-Notes" (die Mercedes in Monza schon einmal zu ungenau gelesen hatte) steht klipp und klar, wo Übungsstarts durchgeführt werden dürfen und wo nicht. Aber darüber, ob das Strafmaß möglicherweise zu hart angelegt wurde, wird hitzig diskutiert.

"Ich respektiere die Kommissare. Aber in dem Fall stimme ich ihnen nicht zu", ärgert sich etwa Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Die 'Event-Notes' besagen, wenn ich richtig informiert bin, dass du die Übungsstarts nach der Ampel auf der rechten Seite der Boxengasse machen musst. Wo genau, das ist nicht spezifiziert."

'ORF'-Experte Alexander Wurz konnte das Raunzen des sechsmaligen Weltmeisters während des Rennens am Boxenfunk durchaus verstehen: "Ich bin da auf seiner Seite. Über die Strafe kann man diskutieren. Und über das frühe Reinholen zum Boxenstopp durch sein Team, das etwas unglücklich war, auch."

Hamilton vermutet Verschwörung gegen sich

Hamilton war beim Top-3-Interview mit Johnny Herbert zunächst nicht dazu bereit, die Strafe zu kommentieren. Seinem Ärger hatte er schon am Boxenfunk Luft gemacht: "Sie tun alles, um mich einzubremsen. Aber okay." Später regte er sich auch noch darüber auf, dass er die zweimal fünf Sekunden beim Boxenstopp absitzen musste.

Denn wäre die Strafe einfach am Ende auf seine Rennzeit addiert worden, wäre er im Feld nicht auf P11 zurückgefallen. So verlor er die Führung und lag plötzlich 5,8 Sekunden hinter Max Verstappen (Red Bull), der auch noch die um neun Runden frischeren Reifen hatte. Bis zur Ziellinie wuchs der Abstand auf 15,0 Sekunden an.

"Ich bin sicher, dass noch nie jemand zwei Fünf-Sekunden-Strafen für etwas so Lächerliches bekommen hat", kritisiert Hamilton und ergänzt: "Ich habe doch niemanden gefährdet." Er vermutet eine Verschwörung der FIA gegen ihn: "Sie versuchen mich aufzuhalten." Auf Nachfrage, ob er diesen Vorwurf ernst meine, antwortet er: "Natürlich."

Zunächst hatte Hamilton alles richtiggemacht. Den Start gewann er, obwohl Bottas den Windschatten nutzen konnte, weil er am ersten Bremspunkt bessere Nerven hatte als sein Teamkollege. Und beim Neustart in Runde 6 legte er so clever an, dass er nicht in Gefahr geriet, die Führung zu verlieren.

Doch mit der doppelten Zeitstrafe war die Entscheidung gegen Hamilton und für Bottas gefallen. Der Finne geriet von da an zu keinem Zeitpunkt mehr in Gefahr: "Als ich freie Fahrt hatte, war das Tempo ziemlich stark. Ich hatte alles unter Kontrolle", sagt er. "Schön, wieder ein Rennen zu gewinnen. Ist ein Weilchen her!"

Als er die erste Chance auf die Führung am Start ungenutzt ließ, bereitete ihm das kein Kopfzerbrechen: "Ich wusste, dass der Start meine erste Gelegenheit ist. Aber irgendwas flog auf mein Helmvisier, eine riesige Biene oder sowas, genau beim Bremsen. Da konnte ich nicht genau sehen, wo ich bremsen sollte."

Hinter dem Mercedes-Duo ging's ziemlich chaotisch zu. Verstappen passierte Kurve 2 nach seinem Verbremser korrekt links am Poller vorbei, fuhr in der Auslaufzone aber mit vollem Tempo, statt im Sinne der Sicherheit vom Gas zu gehen. Genau wie McLaren-Pilot Carlos Sainz, der dafür umgehend bestraft wurde und links in die Mauer crashte.

Früher Boxenstopp war kein Vorteil

Während das Schlachtfeld der ersten Runde - auch Lance Stroll (Racing Point) überlebte diese nicht - aufgeräumt wurde, rückte das Safety-Car aus. Das nutzten aber nur George Russell (Williams), Alexander Albon (Red Bull) und Lando Norris (McLaren) für einen frühen Boxenstopp - zu früh aus Reifensicht, wie sich später herausstellen sollte.

Russell wurde 18. und Letzter, Albon trotz Fünf-Sekunden-Strafe wegen Abkürzens von Kurve 2 Zehnter, Norris nach einem extrem langen Mittelstint und einem sehr späten zweiten Boxenstopp 15. Das zeigt, dass mit einem Abweichen von der klassischen Einstoppstrategie in Sotschi kein Blumentopf zu gewinnen war.

"Best of the Rest" wurde Sergio Perez (Racing Point) als Vierter, vor Daniel Ricciardo (Renault) und Charles Leclerc (Ferrari). Ricciardos Fünf-Sekunden-Strafe wegen eines minimalen Verstoßes gegen die Track-Limits in Kurve 2 blieb ohne Folgen, weil er auf der Ziellinie genug Vorsprung auf Leclerc hatte.

Der jubelt über P6 wie über einen Sieg: "Nach Freitag bin ich sehr positiv überrascht. Da waren unsere Longruns viel zu langsam. P6 war sicher das Maximum, das heute zu holen war. Endlich wieder ein Rennen mit positiven Zeichen, wo du nicht von einem Gegner nach dem anderen überholt wirst."

Sebastian Vettel fiel gegenüber Leclerc um fast eine Minute ab und wurde 13. "Ich hatte keine gute erste Runde, konnte nicht profitieren", sagt er. "Dann bin ich festgesteckt im Verkehr, hab mir die Reifen dann wahrscheinlich dort kaputtgefahren und im Endeffekt den Bremsklotz gespielt bis zum Boxenstopp. Dann war nicht mehr viel drin."

Weiter geht's am 11. Oktober mit dem Grand Prix der Eifel auf dem Nürburgring. Live-Infos aus dem Paddock in Sotschi gibt's aber noch bis in die späten Abendstunden hinein im Ticker auf Motorsport-Total.com und Formel1.de.

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