• 26. Mai 2019 · 09:50 Uhr

Warum Lewis Hamilton die Pole so intensiv gefeiert hat

Gefühlsausbrüche sind selten bei Lewis Hamilton, nach der Pole-Position beim Grand Prix von Monaco ließ er seinen Emotionen aber freien Lauf

(Motorsport-Total.com) - Dass Lewis Hamilton auf Pole-Position fährt, ist per se nicht ungewöhnlich. Das hat er am Samstag in Monaco (Formel 1 2019 ab 14:40 Uhr live im Ticker) bereits zum 85. Mal geschafft - damit ist er in der Geschichte der Formel 1 einsamer Rekordhalter. Aber selten hat sich der 34-Jährige so über den ersten Startplatz gefreut - und das hat viele Beobachter überrascht.

Von den Fans wurde daraufhin spekuliert: Hatte es mit den Emotionen nach dem Tod seines Freundes Niki Lauda zu tun? Oder mit dem harten Kampf mit seinem Teamkollegen Valtteri Bottas, der 2019 mehr Gegenwehr leistet als je zuvor? In der FIA-Pressekonferenz nach dem Qualifying klärte Hamilton über seinen Gefühlsausbruch auf.

"Es ist eine Kombination mehrerer Dinge", sagt er. "In Monaco ist es sehr, sehr schwierig, die Pole zu holen. Im Qualifying ist gerade die erste Runde oft wichtig. Gerade hier. Die zweite Runde ist dann die, in der wir volles Risiko gehen, und die wird manchmal durch gelbe Flaggen oder Verkehr durchkreuzt. Die prozentualen Chancen, sich in der zweiten Runde zu verbessern, sind geringer. Und Valtteri hatte ja auch noch eine zweite Runde."

Hamilton lag nach dem ersten Versuch 0,231 Sekunden hinter seinem finnischen Gegner, der einen neuen Streckenrekord aufgestellt hatte. Und seine eigene zweite Q2-Runde war nicht hundertprozentig perfekt: Beim Rausbeschleunigen aus der Zielkurve Anthony Noghes ließ er ein paar Hundertstelsekunden liegen. Er war sich nicht sicher, ob es für die Pole reichen würde.

Hamilton: Ich wollte diese Pole unbedingt!

"Es war so eine schwierige Woche. Der Wunsch, gut zu fahren und diese Pole zu holen, war größer als sonst", gibt Hamilton zu. "Ich fuhr also über die Ziellinie und ich wusste, dass ich meine Zeit verbessert hatte. Ich wusste auch, dass ich zwischenzeitlich auf Pole war. Ich fuhr dann durch die erste Kurve - aber ich wusste nicht, wo Valtteri gerade lag."

"Ich konnte sehen, wie ein Red Bull vorbeifuhr, aber dann verlor ich die Videowall aus den Augen und wusste nicht, wo Valtteri lag. Am Funk war es eine Weile still. Erst als ich aus dem Tunnel rauskam und durch die Schikane fuhr, sagten sie mir, dass es gereicht hat. Bis dahin saß ich wartend im Cockpit und hoffte, dass es reichen würde."

Dazu kam: Hamilton war schon im Abschlusstraining langsamer als Bottas gewesen. Ebenso in Q2 und in der ersten Q3-Runde. "Ich habe meine ersten Runden heute einfach nicht auf die Reihe bekommen", analysiert er. "Also wollte ich in Q3 erstmal eine Vorbereitungs-Runde fahren. Aber der erste Sektor war schrecklich. Das ging also gar nicht auf."


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"Wenn du dir mit der ersten Runde kein Fundament geschaffen hast, auf das du aufbauen kannst, musst du mit der zweiten noch ein bisschen tiefer graben. Du bist normalerweise eine halbe Zehntel hinten oder vorn, und darauf kannst du aufbauen. Du musst kein dramatisches Risiko gehen, sondern du kannst das Gleiche nochmal ein bisschen besser machen und hältst deine Position."

"Ich war aber zwei Zehntel hinten! Valtteri findet normalerweise auch nochmal ein, zwei Zehntel, weil die Strecke schneller wird. Ich musste also mehr riskieren - und die Runde war wirklich am Limit. Als ich über die Ziellinie fuhr, wusste ich nicht, ob das reichen würde."

"Am Schwimmbad", erinnert sich Hamilton, "lag ich 0,039 Sekunden vorne. Dann kam ich aus der letzten Runde raus, und es waren nur noch 0,033 Sekunden. Dieses halbe Zehntel, das mir da gefehlt hat, könnte den Unterschied machen - wer weiß das schon? Ich musste dann lange, lange warten, bis ich wusste, ob es reicht oder nicht."

Hamilton: Sekunden der Ungewissheit

"Ich dachte nur: 'Wo verdammt noch mal ist Valtteri?' Ich hatte keine Ahnung, wie es stand. Wenn du dann den Funkspruch kriegst, ganz egal ob gut oder schlecht ... Aber wenn er schlecht ist, dann denkst du: 'Verdammt!' Du denkst noch einmal über die Runde nach, was du alles besser hättest machen können."


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Mitten in diese Selbstzweifel hinein kam dann die erlösende Pole-Nachricht: "Zum glück war es ein positiver Funkspruch! Das ist immer toll. 'Bono' (sein Renningenieur Peter Bonnington; Anm. d. Red.) und ich arbeiten schon seit sieben Jahren zusammen. So lange habe ich noch nie mit einem Renningenieur zusammengearbeitet. Es ist immer schön, auch seine Freude zu hören."

Dann brachen alle Dämme. Am Boxenfunk klang es kurzzeitig so, als würde Hamilton sogar weinen. Das waren möglicherweise nur Störgeräusche. Als er dann aus dem Auto stieg, ließ er seinen Emotionen freien Lauf - und sprang, ganz im Stil von IndyCar-Legende Helio "Spiderman" Castroneves, an den Zaun, um mit den Fans zu jubeln.

"Oh Mann", lacht Hamilton. "Ich war einfach so aufgedreht, ich konnte nichts dagegen tun! Ich habe versucht, mich zu fassen. Die Fans hier sind einfach toll. Viele Briten, viele britische Flaggen. Ich weiß auch nicht. Es war ein kurzer Moment. Ich hatte das Gefühl, der Zaun würde umknicken. Zum Glück tat er das nicht!"

"Irgendwie ist es doch so, dass wir die tollen Momente in unserem Leben nicht immer würdig feiern, nicht wahr? Ich habe schon oft Rennen gewonnen. Danach geht's meistens direkt ins Meeting. Dann gehst du nach Hause und schaust fern und tust ganz normale Dinge - vergisst aber darauf, den Moment richtig aufzusaugen."

"Es war in dem Moment einfach wichtig für mich, es zu genießen. Du weißt nie, wann du das nächste Mal auf Pole stehen wirst. Du weißt nie, ob es überhaupt je wieder passiert. Daher bin ich so dankbar dafür", sagt Hamilton - und klingt dann doch ein wenig danach, als habe er im tiefsten Inneren in jenen Momenten des Jubels auch an Niki Lauda gedacht ...

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