• 10. April 2018 · 12:34 Uhr

"Riesiger Schritt": Toro Rosso regelmäßig im Vorderfeld?

Seit Vettels Sieg 2008 war Toro Rosso nicht mehr so stark wie in Bahrain: Warum Platz vier kein Zufall war und sich McLaren auf Demütigungen einstellen muss

(Motorsport-Total.com) - Viele Fans trauten in Bahrain ihren Augen nicht: Hinter den Topteams Ferrari und Mercedes war es kein Red Bull, sondern ein Toro Rosso, der die Verfolgung aufnahm. Pierre Gasly gelang nach Platz sechs im Qualifying ein sensationeller vierter Platz - und damit nicht nur das beste Toro-Rosso-Ergebnis nach Sebastian Vettels Sensationssieg in Monza, sondern auch das beste Honda-Ergebnis der vergangenen zehn Jahre. Eine Demütigung für das stolze McLaren-Team.

Lewis Hamilton, Pierre Gasly

Im Kampf mit Mercedes, klar vor dem Rest des Mittelfelds: Toro Rosso in Topform Zoom Download

Und das auf einer Strecke, auf der die Motorleistung wegen der zwei langen Geraden alles andere als unerheblich ist. Doch ist der wundersame Toro-Rosso-Aufstieg eine Eintagsfliege? Oder wird man sich daran gewöhnen müssen, dass das kleine Red-Bull-Team Rennställen wie McLaren und Renault weiterhin auf der Nase herumtanzt?

"Wir haben dieses Wochenende einen riesigen Schritt gemacht", verweist Gasly auf das neue Aerodynamikpaket, das die Truppe in Bahrain erstmals eingesetzt hat. "Das Auto war von Anfang an schnell. Die Aerodynamik-Basis ist jetzt viel besser. Wir scheinen mehr Grip und weniger Luftwiderstand zu haben. Das sieht man daran, dass die Geschwindigkeit in den Kurven und auf den Geraden das gesamte Wochenende über gepasst haben."

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Pierre Gasly, Toyoharu Tanabe

Honda-Technikchef Toyoharu Tanabe freut sich mit Pierre Gasly Zoom Download

Das ist eine Erklärung für den rasanten Aufstieg. Zum Vergleich: Auch der McLaren war stets für gute Kurvengeschwindigkeiten bekannt, aber auf den Geraden meist chancenlos. Wie man spätestens jetzt weiß: Nicht nur wegen des Honda-Antriebs, sondern auch, weil man um jeden Preis um mehr Abtrieb kämpft und dabei auf den Luftwiderstand vergisst.

Eine Genugtuung für die Honda-Ingenieure, die von McLaren als Sündenbock hingestellt wurden und nun mit der kleinen Truppe aus Faenza Fernando Alonso & Co. den Auspuff zeigen? "Wir fahren gegen zehn Formel-1-Team und 20 Autos", sieht Hondas Technikchef Toyoharu Tanabe davon ab, sich zu rächen. "Wir konzentrieren uns nicht auf ein Team." Den größten Entwicklungsspielraum sehe man übrigens beim Verbrennungsmotor.

In Bahrain brachte Honda eine neue MGU-H. Ein weiterer Grund für die Leistungsexplosion bei Toro Rosso? "Da ging es nur um die Zuverlässigkeit", winkt Gasly ab, der in Melbourne wegen der defekten Elektomaschine ausgeschieden ist. "Das hat sich nicht auf die Leistung ausgewirkt."

Technikchef rechnet mit noch stärkerer zweiten Saisonhälfte

Dennoch ist er überzeugt, dass Honda im Winter enorme Fortschritte gemacht hat: "Sie haben einen riesigen Schritt gemacht. Ohne guten Motor wird man nicht Vierter." Ein Ergebnis, das sich für ihn wie ein Sieg anfühlt. Und das ihn wegen seines Vorjahrs mit Honda in der Super-Formula-Serie besonders glücklich macht: "Ich stehe ihnen sehr nahe."


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Für Technikchef James Key ist der Honda-Aufstieg keine Überraschung: "Ich habe bei den Wintertests immer gesagt, dass sie das hinkriegen, weil sie diesen unbedingten Erfolgswillen, aber auch die Manpower und die Einrichtungen dafür haben." Schon Ende 2017 haben sich die Japaner laut dem Briten stabilisiert: "Dann haben sie hart gearbeitet, damit sich die Probleme nicht wiederholen." Klar habe man noch Luft nach oben, aber das gelte auch für das Chassis, zeigt er sich selbstkritisch. "Wenn sie so weitermachen, dann werden sie in der zweiten Saisonhälfte zeigen, wozu sie wirklich imstande sind."

Eine Drohung in Richtung der Konkurrenz, wenn man bedenkt, dass Toro-Rosso-Honda bereits beim zweiten Saisonrennen erster Verfolger der Topteams war. Ein Zwischenerfolg, der dem Team Auftrieb geben wird, glaubt Key: "Die Psychologie spielt so eine wichtige Rolle, gerade nach einer kniffligen Phase."

Red Bull flirtet mit Honda

Pierre Gasly, Franz Tost

Chef Franz Tost will sein Team dieses Jahr in den Top 10 etablieren Zoom Download

Aber was ist für Toro Rosso in den kommenden Rennen möglich? "Wir wollen so weitermachen", meint Teamchef Franz Tost. "Vielleicht werden wir nicht Vierter, aber wir würden gerne zumindest ein Auto ins Q3 und beide Autos in die Punkte bringen", gibt der Österreicher die Marschroute vor. "In der zweiten Saisonhälfte erwarte ich, dass wir mit beiden Autos ständig in den Top 10 sind - im Rennen und im Qualifying. Denn wenn unser Entwicklungsplan bei Motor und Chassis in die richtige Richtung geht, dann müssen wir das schaffen."

Dass er nicht mit weiteren vierten Plätzen rechne, habe vor allem damit zu tun, dass Gasly von den begünstigenden Umständen profitiert hat. "Ricciardo und Verstappen sind ausgefallen, Hamilton hatte ein paar Probleme am Anfang", zählt er auf. "Sonst wären wir auf Platz sechs oder sieben angekommen, denn unser Renntempo war gut und konstant, Pierre hat keine Fehler gemacht, und die Stopps haben auch funktioniert."

Man darf also auf Highlights hoffen - und in weiterer Folge könnte das dafür sorgen, dass 2019 auch Red Bull mit Honda-Power an den Start geht. "Nach Melbourne war das sehr ermutigend", reibt sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner die Hände. "Und wir sitzen in der ersten Reihe und sehen uns die Fortschritte in der ersten Saisonhälfte weiter an. Das ist unser Plan."

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