• 27. Juni 2021 · 09:16 Uhr

Vettel: "Musste mir die Frage stellen, ob ich ein Heuchler bin"

Sebastian Vettel bekennt sich offen dazu, die Grünen zu wählen, und versetzt damit weite Teile der Autonation Deutschland in helle Aufregung

(Motorsport-Total.com) - Früher hat er die Nation mit seinen Siegen in Ekstase versetzt, heute schafft es Sebastian Vettel sogar schon mit einem einzigen Interview, halb Deutschland in helle Aufregung zu versetzen. Denn der viermalige Formel-1-Weltmeister hat nicht nur zugegeben, dass er bei der nächsten Bundestagswahl die Grünen wählen wird, sondern er plädiert noch dazu für Tempo 120 auf deutschen Autobahnen.

Sebastian Vettel (Aston Martin) hat in einem 'Spiegel'-Interview verraten, dass er bei der Bundestagswahl 2021 die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Annalena Baerbock wählen wird

Sebastian Vettel sieht sich derzeit scharfer öffentlicher Kritik ausgesetzt Zoom Download

"Ja, ich werde grün wählen", sagt Vettel in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel', in dem er sich auf verschiedenen Ebenen zum Versuch, möglichst nachhaltig zu leben, bekennt, und sich wünscht, dass "die Menschen verstehen, dass Umweltschutz uns alle angeht".

"Und dann würde ich mir wünschen, dass in Deutschland ein Wandel geschieht, um der Welt zu zeigen, dass man mit gutem Beispiel vorangeht. Dass man nicht nur darüber redet, sondern endlich handelt. Das Bundesverfassungsgericht hat mit seiner Entscheidung zum Klimaschutz den Druck ja ordentlich erhöht. Ich denke, dass es dazu auch eine Veränderung an der Spitze braucht."

Aussagen, die hohe Wellen schlagen. Plötzlich schaffen es konservative Politberater, deren Namen die meisten Deutschen noch nie gehört haben, mit ihrer teilweise frei erfundenen Vettel-Kritik (Stichwort Privatjet) zum Aufmacher der 'Bild'-Zeitung, und auf Social Media erinnern Fans den Formel-1-Fahrer, dass doch bitte Sport nicht mit Politik zu vermischen sei.

Vettel bekennt klare Kante

Doch das ist Vettel egal. Er bekennt sich klar zu seiner Meinung: "Ich weiß, dass die Grünen gern als Verbotspartei abgestempelt werden", sagt er. "Aber wir müssen von Begriffen wie Verbot oder Verzicht wegkommen und von der Befürchtung, alles würde sich zum Schlechten entwickeln. Wir sollten die Chancen erkennen."

Für ihn ist die Entscheidung, die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Annalena Baerbock zu wählen, alternativlos: "Im Moment schreibt fast jede Partei Klimaschutz auf ihre Fahne und ins Programm. Die Frage ist: Bei wem passiert wirklich etwas? Wir sollten für eine Regierung stimmen, von der wir überzeugt sind, dass sie am authentischsten für diese Prinzipien und Werte einsteht."


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Den 34-Jährigen, der übrigens mit seiner Frau und seinen drei Kindern seit Jahren in der Schweiz lebt, aber natürlich trotzdem in Deutschland wählen darf, schockiert es auch nicht, dass die Grünen vorhaben, eine heilige Kuh anzufassen und auf deutschen Autobahnen eine Geschwindigkeitsbegrenzung einführen wollen.

"Die Zeiten, in denen man auf der Autobahn wirklich Gas geben konnte, sind doch vorbei", sagt er. "Gefühlt ist die Hälfte des Straßennetzes eine Baustelle, und die andere Hälfte hat so viel Verkehr, dass man nicht schnell fahren kann. Ich glaube sogar, dass wir besser dran wären, wenn Tempo 120 oder 130 eingeführt ist - weil der Verkehr dann deutlich besser fließen würde."

Nach Bekenntnis zu den Grünen: Wolff nimmt Vettel in Schutz

Gegen die teilweise scharfe und in ihrer Tonalität oft unter die Gürtellinie gehende Kritik insbesondere auf Facebook, Twitter & Co. wird Vettel übrigens von einem verteidigt, von dem man das oberflächlich betrachtet vielleicht ebenso wenig erwarten würde, nämlich von Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Der Österreicher sagt: "Jedem Menschen steht es frei, eine politische Meinung zu haben und diese auch abzuwägen gegen seine eigenen Prinzipien, die eigenen Werte und natürlich auch gegenüber seinem Stellenwert in der Gesellschaft. Deswegen würde ich da überhaupt niemanden verurteilen wollen. Sondern jeder versucht, es für sich am besten zu machen, um einfach seinen Prinzipien treu zu bleiben."

"Manchmal ist das eine Gratwanderung. Ein Formel-1-Fahrer, der durch die Welt fliegt und eine Mördermaschine bedient, die zwar sehr hybrid ist und in der Erforschung von nachhaltigen Dingen eine Vorreiterrolle spielt, der muss sich wahrscheinlich dann auch Kritik gefallen lassen, wenn er sagt, er wählt grün."


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Wolff spielt damit auf den Vorwurf der Heuchlerei an, der Vettel von vielen gemacht wird. Aber: "Ich bin überzeugt, dass Sebastian das im Grunde genommen gut meint. Er ist jemand, der auf Nachhaltigkeit schaut, der so lebt und - abgesehen von der Charakteristik seines sportlichen Lebens - diese Einstellung hat. Das ist in Ordnung."

"Sebastian", sagt er, "trägt sein Herz auf der Zunge. Er sagt, was er sich denkt, ohne groß auf die Reaktion der Menschen zu achten. Sondern er findet das einfach richtig. Im Grunde genommen ist diese Individualität wichtig."

Selbst würde Wolff in der Öffentlichkeit allerdings "nicht sagen", welche Partei er in seiner österreichischen Heimat (wird aktuell auf Bundesebene schwarz-grün regiert) wählt: "Eine Wahl ist eine komplizierte Geschichte", winkt er ab, von 'Motorsport-Total.com' konkret danach gefragt, ob auch er sich vorstellen könnte, sein Wahlverhalten öffentlich zu machen.

"Wenn man sich die Dinge von einem rein altruistischen Zugang anschaut, würde man wahrscheinlich anders wählen als von einem soziopolitischen Gesichtspunkt oder seiner wirtschaftlichen Perspektive. Das muss man für sich dann einfach auf einen Nenner bringen. Das heißt nicht, dass man hier dogmatisch eine Entscheidung zugunsten der einen oder der anderen Partei trifft. Sondern das kann sich auch verändern", erklärt der 49-Jährige.

Vettel: Garage wurde schon vor einiger Zeit entrümpelt

In dem vielbeachteten 'Spiegel'-Interview erzählt Vettel unter anderem, dass er privat nur noch elektrisch fährt, wann immer das möglich ist - übrigens mit ein Grund, warum er kürzlich große Teile seiner Sportwagensammlung verkauft hat. Eine Tatsache, die ihn mit Wolff verbindet: Auch der Mercedes-Teamchef entrümpelt gerade seine Garage.


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Der Privatjet, der ihm öffentlich vorgeworfen wird, den besitzt Vettel nicht, und "wann immer sich ein Flug vermeiden lässt", fährt er mit dem Zug oder dem Auto zu den Formel-1-Rennen: "Zum Beispiel nach Monza, nach Imola oder diese Woche nach Spielberg." Zu Hause hat er eine Fotovoltaikanlage, er geht mit dem Rucksack in den Laden einkaufen, um Plastik zu vermeiden, und das Trinkwasser kommt nur noch aus der Leitung.

"Als ich vor Jahren angefangen habe, auf Nachhaltigkeit zu achten, musste ich mir natürlich die Frage stellen, ob ich nicht ein Heuchler bin", räumt Vettel ein. "Einerseits belaste ich durch meine Arbeit die Umwelt, andererseits propagiere ich Dinge, um die Umwelt zu schützen. Also habe ich zunächst meine Gewohnheiten geändert, etwa die Vielfliegerei, und dann habe ich darüber geredet."

Und damit eine großflächige Diskussion in der Heimat ausgelöst ...

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