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Max Verstappen mit geheimer Waffe: Droht McLaren der späte Schlag?
McLaren dominiert in Zandvoort, doch Max Verstappen hat noch einen Joker: Ein frischer Soft-Reifensatz könnte Red Bull ungeahnte Optionen eröffnen
(Motorsport-Total.com) - Andrea Stella schreibt Max Verstappen vor dem Grand Prix der Niederlande noch nicht ab. Der McLaren-Teamchef verweist auf einen frischen Satz Softreifen als "mächtige Waffe" für Red Bull - doch wie entscheidend könnte das wirklich sein?
Wie erwartet sicherte sich McLaren in Zandvoort die komplette erste Startreihe. Das Ergebnis war dennoch in zweierlei Hinsicht überraschend: Erstens schlug Oscar Piastri genau dann zu, als es zählte, obwohl Lando Norris in allen Freien Trainings schneller gewesen war. Zweitens fiel der Abstand zu Verstappen kleiner aus als nach dem Abschlusstraining erwartet. Dort hatte McLaren fast eine Sekunde Vorsprung, doch im Qualifying schrumpfte der Rückstand des Weltmeisters deutlich.
"Das Interessante ist, dass wir heute Vormittag noch acht Zehntel hinter McLaren lagen, und jetzt sind es nur noch zwei", sagt Helmut Marko nach dem Qualifying. "Auf gebrauchten Reifen sind wir sogar noch näher dran. Ich glaube, wir können McLaren am Sonntag nervös machen."
Verstappen selbst zeigt sich skeptischer und meint, schon Platz 3 zu verteidigen werde schwierig genug: "Es ist ein bisschen ungewiss, aber ich denke, das Auto sollte jetzt stabiler sein. Generell war unsere Rennpace in dieser Saison schwächer als die Performance im Qualifying. Ich hoffe, dass wir zumindest die Jungs hinter uns im Rennen auch hinter uns halten können."
McLaren bleibt wachsam vor Verstappen-Gefahr
Zwar rechnet Verstappen nicht mit einem Angriff auf McLaren beim Heimrennen, doch Stella will dieses Szenario keineswegs ausschließen. Er warnt davor, zu glauben, McLarens interne Duelle seien die einzige Baustelle - ob auf der Strecke oder in der Strategie.
"Die Strategie ist eine der Variablen, über die sich der Wettstreit zwischen Lando und Oscar ausdrücken kann. Aber zunächst einmal haben wir Lando, wir haben Oscar - und wir haben Max Verstappen. Unsere erste Aufgabe im Sinne des Teams und im Sinne der beiden Fahrer ist sicherzustellen, dass wir Max schlagen. Er ist nicht weit weg, nur zwei Zehntel."
Ein Doppelsieg steht daher klar über allen teaminternen Überlegungen: "Es wird interessant, nicht nur zwischen unseren Fahrern, sondern auch im Vergleich mit anderen. Max hat zum Beispiel einen neuen Satz Softs, den er sich aus dem Qualifying aufgespart hat. Das kann eine ziemlich mächtige Waffe sein, wenn man sie im richtigen Moment strategisch einsetzt."
Extra-Flexibilität für Red Bull - aber wie nützlich?
Die entscheidende Frage ist, wie realistisch es ist, diesen frischen Satz Softs im Rennen überhaupt einzusetzen. Schon am Freitag prognostizierte Marko eine Einstoppstrategie ohne den weichsten Pirelli-Reifentyp: "Je härter, desto besser sind wir. Für das Rennen ist es ein Medium-Hard mit einem Stopp. Darauf setzen wir unsere Hoffnungen."
Auch Reifenlieferant Pirelli sieht das ähnlich, trotz der von 60 auf 80 km/h erhöhten Boxengassengeschwindigkeit: "Auf dem Papier war Medium-Hard-Hard eine schnelle Strategie, bei der man mehr pushen kann. Aber weil Überholen hier so schwierig ist, bleibt auch der Einstopper eine Option. Damit schützt man seine Track-Position", erklärt Pirellis Mario Isola.
Verstappens Extra-Satz Softs gibt Red Bull in der Theorie aber zusätzliche Flexibilität. Selbst bei einem Einstopper könnte man sie für die Schlussphase aufheben - etwa bei einem späten Safety-Car oder einer freien Boxenstopp-Gelegenheit.
"Interessant ist, dass der Soft für einen Stint einsetzbar wäre", so Isola weiter. "Wenn man Medium-Hard plant, die Stints aber zu kurz sind oder man aus irgendeinem Grund einen zusätzlichen braucht, kann man am Ende auf Soft wechseln."
Falls Red Bull hingegen gleich zu Beginn auf eine Zweistoppstrategie setzt, bevorzugt Isola eine andere Variante: "Dann wäre Soft-Hard-Medium besser. Denn man hat den Vorteil des Grips beim Start, und danach baut man das Rennen mit Hard und Medium auf."
Doch angesichts von Markos klarer Betonung des Einstoppers wirkt dieses Szenario wenig wahrscheinlich. Nützlich könnten die Softs aber dennoch werden, etwa bei wechselhaften Bedingungen oder einer späten Safety-Car-Phase. Immerhin würde so ein Desaster wie in Barcelona vermieden, wo Red Bull am Ende nur noch einen frischen Satz Hard hatte. Eine fatale Wahl, die letztlich zur Kollision mit George Russell beitrug.
Für Zandvoort hält Red Bull den Joker in der Hinterhand: einen frischen Satz Softs. Am Ende dürfte das aber eher ein Plan B bleiben. Ob er wirklich sticht, hängt vor allem vom Wetter ab - und davon, ob McLaren die Pace von Budapest und Zandvoort 2024 wiederholen kann. Sollte Norris erneut dominieren, wird selbst maximale Reifenflexibilität nichts am Ausgang ändern.