Zandvoort-Qualifying: Piastri dreht den Spieß um und fährt auf Pole!
Nachdem Lando Norris die Trainings dominiert hat, schlägt Oscar Piastri einmal mehr genau dann zu, wann es drauf ankommt - Hadjar sensationell in Reihe 2
(Motorsport-Total.com) - Oscar Piastri (McLaren) hat sich im Qualifying in Zandvoort überraschend die Poleposition für den Grand Prix der Niederlande 2025 gesichert. In einem Tausendstelduell gegen seinen Teamkollegen Lando Norris setzte sich Piastri hauchdünn durch und stellte damit die in den Freien Trainings gesehene Norris-Dominanz im entscheidenden Moment auf den Kopf.

© LAT Images
Oscar Piastri sicherte sich - nach den Trainings überraschend - die Pole in Zandvoort Zoom Download
Das ganze Wochenende hatte Norris in Zandvoort dominiert, aber nach dem ersten Run in Q3 führte plötzlich Piastri mit einem Vorsprung von 0,012 Sekunden. Als Norris dann auf seine zweite Runde ging, wurde er von seinem Renningenieur penibel instruiert: "Achte auf das Bremsen, die Referenzpunkte und den Lasttransfer. Und achte wirklich auf die Gasannahme."
Doch Norris konnte das offenbar nicht umsetzen, lag schon bei der zweiten Zwischenzeit hinter seiner eigenen Runde davor, sodass es letztendlich keine Rolle spielte, dass auch Piastri sich im zweiten Versuch nicht mehr steigern konnte. Der Australier kann sich mit der Poleposition für den Grand Prix am Sonntag und dem Streckenrekord trösten.
An sich gezweifelt hat Piastri nie: "Ich wusste, dass das Auto nicht das Problem war. Aber ich habe ein bisschen gebraucht, mich in einigen Passagen zu verbessern", analysiert er. Und auch Norris trägt die knappe Niederlage mit Fassung: "Eigentlich waren beide Runden gut. Es fehlt ja nur ein halbes Zehntel auf die Pole. Das ist ziemlich minimal. In der letzten Kurve war ich ein bisschen zu weit oben. Das hat vielleicht den Unterschied gemacht."
Dritter wurde Lokalmatador Max Verstappen (Red Bull), dem am Ende nur 0,263 Sekunden auf die Pole fehlten. Damit war Verstappen der einzige Gegner für McLaren, denn Mercedes, Ferrari und die in den Trainings so starken Aston Martins blieben am Samstagnachmittag unter den eigenen Erwartungen.
"Uns hat das ganze Wochenende Grip und generell Balance gefehlt", erklärt Verstappen. "Aber im Qualifying war es dann besser als im Training. Nicht so gut wie McLaren, aber ich bin sehr zufrieden mit P3. Wir haben am Set-up einiges umgebaut, und damit fühlte es sich deutlich besser an."
Auch Helmut Marko kann mit Platz 3 leben: "Wir hatten heute Vormittag noch acht Zehntel Rückstand, und jetzt haben wir nur noch in Sektor 1 verloren, sonst wären wir gleichauf. Für uns eine sehr positive Überraschung", sagt der Red-Bull-Motorsportkonsulent im Interview mit Sky.
Innerhalb der Red-Bull-Familie brillierte auch Isack Hadjar (Racing Bulls), am Freitag mit einem technischen Defekt außer Gefecht gesetzt, mit Platz 4. Hadjar verdrängte auf seiner letzten Runde noch George Russell (Mercedes) um 0,047 Sekunden in die dritte Reihe. "In der letzten Kurve bin ich all-in gegangen, und das Auto hat gehalten", strahlt Hadjar.
In der steht auch Charles Leclerc (Ferrari), vor Lewis Hamilton (Ferrari) und Liam Lawson (Racing Bulls) in Reihe 4. "Das Positive ist", sagt Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur, "dass wir von ganz hinten wieder zurückgekommen sind. Gestern war der schwierigste Freitag der letzten zwei Saisons, und wir haben uns gut zurückgekämpft."
Die fünfte Startreihe beim holländischen Grand Prix ist eine spanische: Carlos Sainz (Williams) sicherte sich Platz 9, Fernando Alonso (Aston Martin) wurde Zehnter. "Damit kann Alonso nach dem, was sie im Training gezeigt und gesagt haben, nicht zufrieden sein", analysiert ORF-Experte Alexander Wurz.
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Q1: Colapinto ärgert sich über "verdammte Idioten"
Für Lance Stroll begann das Qualifying in Zandvoort auf ganz bittere Weise. Aston Martin hatte in den Freien Trainings das bisher stärkste Rennwochenende der Saison erlebt, doch Stroll war bereits am Freitag gecrasht - und flog in Q1 in seiner ersten fliegenden Runde erneut ab.
Es war ein Anfängerfehler, der den Kanadier außer Gefecht setzte: Beim Anbremsen von Kurve 13 kam er mit dem rechten Hinterrad neben die Streckenbegrenzung. Dadurch wurde sein Auto unkontrollierbar und krachte in die Barrieren. "Ich schätze, das war's?", erkundigte er sich am Boxenfunk. Und tatsächlich war sein Qualifying damit gelaufen und der letzte Platz fixiert.
Die vier anderen Fahrer, die neben Stroll in Q1 ausschieden, waren Franco Colapinto (Alpine), Nico Hülkenberg (Sauber), Esteban Ocon ("Habe die erste Kurve verpatzt") und Oliver Bearman (beide Haas). "Im zweiten Run war mein Gefühl schlecht", ärgerte sich Bearman noch am Boxenfunk.
Colapinto fehlten nur 0,067 Sekunden auf die Q2-Zeit von Gabriel Bortoleto (Sauber). Er ärgerte sich darüber, dass er von langsameren Fahrzeugen aufgehalten wurde: "Ich kann nicht glauben, dass die es nicht hinkriegen, aus dem Weg zu gehen. Wäre doch so leicht! Vor der Kurve auf der Linie zu bleiben ... Verdammte Idioten!"
Und Hülkenberg bedauert, dass es "immer Kleinigkeiten" sind, die dafür sorgen, dass Bortoleto am Ende oftmals der schnellere Sauber-Pilot ist: "Es hat einfach nicht gepasst, oder um einen Zacken nicht gereicht von der Pace her. Man hat in Silverstone schon gesehen, dass wir uns im Quali einen Ticken schwerer tun als andere."
Albon nach Q2: "Ihr wollt mich wohl verarschen?"
Im zweiten Qualifying unterbot Norris zunächst den im Jahr 2021 aufgestellten Streckenrekord von Verstappen (1:08.885 Minuten), als er 1:08.874 Minuten vorlegte. Piastri blieb erneut knapp dahinter, was den Trend aus den Freien Trainings McLaren-intern verfestigte.
Für Andrea Kimi Antonelli (Mercedes) war in Q2 überraschend Endstation. Er blieb 0,021 Sekunden hinter Sainz und schied als Elfter aus. Verdrängt wurde er am Ende noch von Alonso, der seine Runde zwar in Sektor 1 eher überschaubar begonnen hatte, dann hinten raus aber zulegen konnte und sich noch auf Rang 7 verbesserte.
Zwölfter wurde Yuki Tsunoda (Red Bull), vor Gabriel Bortoleto (Sauber). Letzterer fühlte sich von Tsunoda aufgehalten: "Ist der blind, oder was?" Aber Wurz relativierte im Live-Kommentar: "So dramatisch habe ich das nicht gesehen."
14. wurde Pierre Gasly (Alpine), 15. und Letzter Alexander Albon (Williams). Der hatte sich nach starken Runden im Freien Training berechtigte Hoffnung auf einen Q3-Einzug gemacht - und war hörbar nicht happy über sein Ausscheiden: "Ihr wollt mich wohl verarschen? Oh mein Gott! Null Reifen! Warum tun wir uns das an?"
Wo kann man den Grand Prix der Niederlande live sehen?
Ganz klar: Am spannendsten ist die Formel 1 immer noch live. Aber seit Ende 2020 gibt es in Deutschland kein Free-TV-Angebot mehr, das alle Qualifyings und Rennen live zeigt. Als Versuch eines Ersatzangebots gibt's auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de (Kanal kostenlos abonnieren!) seither täglich Livestreams - immer von Donnerstag bis Sonntag, jeweils am Abend, mit einer Zusammenfassung und Analyse der Ereignisse an der Rennstrecke.
Am Samstagabend steht dabei, live ab 21 Uhr, die Analyse des Qualifyings im Vordergrund. Kevin Scheuren und Christian Nimmervoll sprechen über die spannendsten Themen auf der Strecke und erzählen, was die Motorsport-Network-Kollegen vor Ort noch recherchiert haben, als die TV-Broadcaster aus ihren Übertragungen bereits ausgestiegen waren. (Kanalmitglieder können am Livestream auch interaktiv teilnehmen und im Livechat Fragen stellen. Jetzt Kanalmitglied werden!)
Zandvoort gehört übrigens zu den sieben Grands Prix, die von RTL im Free-TV gezeigt werden (Qualifying und Rennen). Darüber hinaus zeigt der Pay-TV-Anbieter Sky das komplette Rennwochenende live. Das Qualifying am Samstag und das Rennen am Sonntag beginnen um 15 Uhr. Sky steigt jeweils schon früher in die Vorberichterstattung ein.
In Österreich zeigt diesmal der ORF den Grand Prix der Niederlande live. Und in der Schweiz wie immer das SRF. (Hier geht's zur kompletten TV-Übersicht für die Formel 1 in Silverstone!)