Andrea Kimi Antonelli: Europatief jetzt hinter sich gelassen?
Andrea Kimi Antonelli spricht offen über seine schwierigen ersten Monate bei Mercedes und warum die Sommerpause für ihn so wichtig war
(Motorsport-Total.com) - Für Andrea Kimi Antonelli kam die Sommerpause nach dem Formel-1-Rennen in Ungarn wie gerufen: "Es war wirklich hilfreich, ein paar Wochen frei zu haben", sagt der Rookie nach dem anstrengenden Saisonauftakt mit 14 Rennen in knapp fünf Monaten. "Ich will nicht lügen: Ich war ziemlich müde, besonders in den letzten Wochen vor der Pause."
"Es war gut, zwei Wochen komplett zu resetten und auch meine Gedanken zu ordnen. Das hat mir geholfen, mit einer klareren Sicht auf meine Ziele und die Dinge, an denen ich arbeiten muss, in dieses Wochenende zu kommen", sagt er. "Es war wichtig, abzuschalten, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen und einfach das Leben zu genießen."
Denn die Wochen vor der Pause waren für den am Montag 19 Jahre alt gewordenen Italiener ziemlich hart. Nach einem ordentlichen Saisonstart ging für ihn ab Imola fast nichts mehr. Der zehnte Platz in Ungarn war erst das zweite Top-10-Ergebnis in den vergangenen acht Grands Prix.
Mercedes hatte ab Imola auf eine neue Aufhängung gesetzt, die sich im Grunde aber als Rückschritt erwiesen hat - vor allem da die Fahrer nicht mehr das notwendige Vertrauen ins Auto hatten. Besonders Antonelli hatte damit stark zu kämpfen.
"In den ersten sechs Rennen der Saison hatte ich im Grunde immer das gleiche Auto. Wir haben nur sehr kleine Upgrades gebracht, das Auto war also sehr konstant. Mit demselben Auto zu fahren hilft dir, Vertrauen aufzubauen und sein Verhalten besser zu verstehen", erklärt er.
Mit der neuen Aufhängung ging es bergab
Der Höhepunkt kam für ihn in Miami, als er im Sprint-Qualifying die Pole holen konnte und im richtigen Qualifying Platz drei folgen ließ. "Das war großartig", meint Antonelli. Doch mit der neuen Aufhängung kamen die Probleme.
"Direkt nach Miami bin ich mit großen Hoffnungen nach Imola gereist, weil ich von einem guten Wochenende kam. Aber mit der neuen Aufhängung hatte ich massive Schwierigkeiten. Ich musste einen Fahrstil erzwingen, der nicht zu mir passte", schildert er. "Ich konnte mich nicht gut anpassen - und genau deshalb habe ich so sehr gelitten."
"Das Team war sich meiner Probleme bewusst", meint er. Aber auch Mercedes konnte das Auto nicht so verändern, dass es Antonelli geholfen hätte.
Die Lösung war daher, wieder zurück zur alten Aufhängung zu gehen - und siehe da: Das Vertrauen kam zurück. "Ich war in Ungarn sehr glücklich darüber. Auch wenn das Ergebnis das Potenzial nicht gezeigt hat, war es vom Gefühl her viel besser, weil ich endlich wieder Vertrauen ins Auto gefunden habe", meint Antonelli.
"Hoffentlich ist die zweite Saisonhälfte ein kontinuierliches Wachstum und wir können großartige Ergebnisse erzielen."
Wäre er besser in einem Juniorteam aufgehoben?
Natürlich wurde die Situation für Antonelli noch einmal verschärft, weil er bei Mercedes gleich in einem Topteam startet und dort auch Nachfolger des erfolgreichsten Formel-1-Fahrers aller Zeiten - Lewis Hamilton - ist. Andere Rookies wie Oliver Bearman bei Haas oder Gabriel Bortoleto bei Sauber haben es da vermeintlich leichter.
Und auch Isack Hadjar kann bei Red Bulls B-Team Racing Bulls lernen, ohne allzu sehr im Rampenlicht zu stehen. "Natürlich ist es nicht immer leicht, direkt bei einem Topteam zu starten", weiß er. "Denn für Mercedes zu fahren ist ein riesiges Privileg, aber gleichzeitig muss man liefern, man muss Leistung bringen. Manchmal kann man da schon sehr unter Druck geraten."
Doch der Italiener sagt, dass er sehr glücklich ist, bei Mercedes seine ersten Schritte tun zu können. "Klar, ich hatte auch schwierige Phasen, aber das Team war immer sehr unterstützend", gibt er zu. "Mir ist bewusst, dass ich nicht immer den besten Job gemacht habe, vor allem zu bestimmten Zeitpunkten in der Saison. Aber dieses Jahr ist hauptsächlich zum Lernen da."
"Natürlich ist das Ziel immer, auf die Strecke zu gehen und zu gewinnen, aber gleichzeitig ist es wichtig, sich auf das nächste Jahr vorzubereiten. Sicherlich wäre es in einem Juniorteam mit weniger Druck verbunden gewesen, aber wie gesagt: Ich bin froh, bei Mercedes begonnen zu haben, weil ich hier enorm viel lernen kann."
Warum Antonelli Druck positiv sieht
Ohnehin hat der Youngster eine besondere Ansicht von Druck: Er versucht, diesen nicht als etwas Negatives zu sehen. "Ich versuche immer, den Druck anzunehmen. Es gibt ein berühmtes Zitat: 'Druck ist ein Privileg.' Dem stimme ich vollkommen zu", so Antonelli. "Man muss versuchen, den Druck als Antrieb zu nutzen, um Leistung zu zeigen."
Er gibt aber auch zu, dass er mit dem Druck nicht so gut umgehen konnte, als er so starke Probleme hatte - und das sei für ihn persönlich ein Rückschlag gewesen.
"Wenn du dich gut fühlst und Vertrauen hast, kannst du auch besser mit Druck umgehen", sagt er und verweist auf Kanada, wo er sein erstes Podium einfahren konnte. Da habe er auch Druck gehabt, konnte aber dank des Teams ruhig bleiben und sich auf seine Aufgabe konzentrieren - und am Ende Rang drei holen.
Apropos Team: Das ist für ihn beim Umgang mit Druck enorm wichtig. "Sie haben mich immer unterstützt, gerade in schwierigen Momenten", lobt er. "Das hilft, den Druck zu reduzieren, weil du weißt, dass das Team hinter dir steht."