Red Bull

AUT

Porträt

(Stand: 11. Januar 2021) Für Red Bull waren die Jahre 2014 bis 2018 mit Hybridmotoren die unsanfte Landung nach einem vier Saisons währenden Höhenflug. Nicht zufällig setzten die in Großbritannien angesiedelten Österreicher auf Antriebe, die den Namen des Uhrensponsors Tag-Heuer trugen, aber eigentlich von Renault kamen. Mit dem Wechsel zu Honda sollte es 2019 wieder aufwärts gehen - und tatsächlich stellten sich gleich im ersten Jahr der Zusammenarbeit erste Siege ein. 2020 präsentierte sich Red-Bull-Honda noch stärker. Folgt 2021 also die Fortsetzung dieses Trends?

Altbewährt jedenfalls ist das Erfolgskonzept des Teams: Die Austro-Briten um Energydrink-Gigant Dietrich Mateschitz setzten vor einigen Jahren voll auf die Ideen des Stardesigners Adrian Newey (mittlerweile nicht mehr exklusiv für das Formel-1-Projekt tätig), erweiterten die Fabrik in Milton Keynes und ergänzten das Personal mit handverlesenen Ingenieuren anderer Topteams. Das machte sich von 2009 bis 2013 bezahlt, denn der Rennstall schaffte den Durchbruch und nicht nur die ersten Grand-Prix-Siege, sondern erzielte auch vier WM-Titel in Folge in der Fahrer- und der Konstrukteurswertung.

Rückblende: Nach dem formidablen Einstiegsjahr 2005, in dem man mit einem noch unter Jaguar-Regie gebauten Chassis 34 Punkte einfuhr und viel Glaubwürdigkeit gewann, setzte es für Red Bull 2006 eine eher enttäuschende Saison. 2007 behauptete man sich immerhin im vorderen Mittelfeld, 2008 bedeutete wieder einen Rückschritt. Doch ab 2009 sollte das Formel-1-Engagement Früchte tragen.

Mit dem RB6 gelang schließlich 2010 der erste große Wurf: Red Bull gewann beide WM-Titel. Mark Webber hatte lange Zeit die besten Chancen, erster Red-Bull-Weltmeister zu werden, schlussendlich setzte sich beim letzten Rennen in Abu Dhabi aber Sebastian Vettel durch. Der zu diesem Zeitpunkt erst 23-jährige Deutsche krönte Mateschitz' Formel-1-Projekt schon im sechsten Jahr des Bestehens. Ab diesem Zeitpunkt schien die Kombination aus Red Bull und Vettel unschlagbar, Experten sprachen von einer "Red-Bull-Ära" in der Formel 1. Schattenseite: Oft krachte es intern mit Webber.

Unter Teamchef Christian Horner und Motorsport-Berater Helmut Marko gewann das Team von 2010 bis 2013 trotzdem alle WM-Titel: Vettel bei den Fahrern, die extrem eng mit Motorenpartner Renault zusammenarbeitenden Bullen bei den Konstrukteuren. Immer wieder wurde von technischen Wunderlösungen aus der Newey-Feder gemunkelt. Unvergessen bleibt die neun Grands Prix währende Siegesserie Vettels zum Ende des Jahres 2013. Der Schlusspunkt der Dominanz.

2014 stellte nach vier Jahren an der Spitze eine Zäsur dar. Red-Bull-Junior Daniel Ricciardo machte anstelle Webbers einen formidablen Job, doch insbesondere wegen technischer Probleme mit dem Hybridantrieb war das Team höchstens zweite Kraft, Vettel sieglos, frustriert und schließlich auf dem Weg zu Ferrari. Red Bull setzte auf Risiko: Vettels Platz nahm 2015 mit dem jungen Russen Daniil Kwjat wieder ein unbeschriebener Frischling ein, der nach schlechten Leistungen und selbstverschuldeten Unfällen zu Toro Rosso degradiert, später komplett rausgeworfen und nochmals später wieder ins Formel-1-Projekt zurückgeholt wurde.

Zeitgleich ging es weiter bergab, weil Renault mit seinen Triebwerken auf keinen grünen Zweig kam und es im Verhältnis der beiden Ex-Lieblingspartner immer mehr krachte. Oft war von Trennung und sogar von einem Red-Bull-Ausstieg aus der Formel 1 die Rede. Folge: 2015 gab es die erste Saison ohne Sieg seit sieben Jahren. Doch Red Bull arbeitete sich zurück und brachte Kwjat-Ersatzmann Max Verstappen - Grand-Prix-Sieger bei seinem Debüt für das Team - und Ricciardo zurück auf die oberste Stufe des Podests, allerdings ohne dabei Mercedes in Sachen Tempo wirklich gefährlich zu werden.

2019 folgte der Wechsel auf Honda-Motoren, die Schwesterteam Toro Rosso bereits 2018 verwendet hatte. Von den von Marko angekündigten fünf Saisonsiegen erreichte Verstappen immerhin drei. Und wieder kam die Red-Bull-Fahrerpaarung nicht über die komplette Saison: Pierre Gasly wurde nach wenigen Rennen als Teamkollege von Verstappen zurück zu Toro Rosso geschickt, statt ihm rückte Formel-1-Neuling Alexander Albon zu Red Bull auf - und erhielt wenig später auch den Zuschlag für 2020.

Auch Albon gelang es nicht, auch nur ansatzweise auf dem Niveau von Verstappen zu fahren, trotzdem hielt Red Bull über die komplette Saison 2020 am Briten mit thailändischen Wurzeln fest. Ihn hatte Verstappen in der Fahrer-WM mit 214:105 Punkten klar gebügelt. Praktisch im Alleingang etablierte Verstappen sein Team auf P2 in der Konstrukteurswertung hinter Mercedes.

Für 2021 springt Red Bull über seinen eigenen Schatten und holt erstmals seit Jahren einen Fahrer ins Team, der nicht aus dem eigenen Nachwuchsprogramm stammt: Sergio Perez, der zuletzt für Racing Point fuhr, dort zugunsten von Vettel rausgeworfen wurde und wenig später seinen ersten Grand-Prix-Sieg erzielte. Albon bleibt bei Red Bull, aber in der Rolle des Testfahrers, mit der Option auf ein Comeback in naher Zukunft.

Unter den Fans und Journalisten zählt Red Bull unverändert zu den beliebtesten Teams, weil es das dynamische Red-Bull-Image vorexerziert und immer wieder mit aufregenden PR-Aktionen für Unterhaltung sorgt. Nicht zu vergessen die frei zugängliche Verköstigung in der geselligen Energy-Station im Paddock. Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter den Kulissen hart gearbeitet wird und niemand "die Eier in den Pool hängt", wie es Vettel einst ausdrückte.

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