McLaren

GBR

Porträt

(Stand: 11. Januar 2021) Nach sechs Jahren ohne jeden Grand-Prix-Sieg und mit nur zwei Podestplätzen hat sich McLaren umstrukturiert: 2019 stieß ein neu formiertes Management um Firmenboss Zak Brown, Sportdirektor Gil de Ferran und Geschäftsführer Andreas Seidl die Trendwende an. Nach dem Abschied Fernando Alonsos sind auch die Cockpits umbesetzt worden: Carlos Sainz kam von Renault, Eigengewächs Lando Norris schaffte den Aufstieg in die Formel 1. Diese Konstellation erzielte prompt den ersten McLaren-Podestplatz seit 2014. 2020 bestätigte sich dieser Aufwärtstrend: Mit zwei Top-3-Platzierungen und etlichen Top-10-Fahrten etablierte sich McLaren erstmals seit 2012 wieder auf P3 in der Konstrukteurswertung.

McLaren, gegründet durch den Neuseeländer Bruce McLaren, ist eines der erfolgreichsten und traditionsreichsten Teams der Formel-1-Geschichte - mit acht WM-Titeln bei den Konstrukteuren und zwölf bei den Fahrern. McLaren hätte als Grand-Prix-Fahrer selbst Weltmeister werden können, sein Lebenswerk vollendete aber erst Emerson Fittipaldi 1974 als erster Champion der Teamgeschichte. Anschließend knüpften James Hunt und Niki Lauda an diesen Erfolg an, ehe McLaren dank der Erfolge der Legenden Alain Prost und Ayrton Senna sowie kompletter Dominanz zur Ikone avancierte.

1995 kaufte sich Mercedes mit 40 Prozent in das Team ein und verpasste dem Auto wenig später die silberne, später chromfarbene Lackierung. Der deutsche Automobilhersteller hielt damit lange Zeit den größten Anteil, entschied sich aber Ende 2009 für ein Werksteam. In der Ära der "neuen Silberpfeile" aus Woking gelangen 1998, 1999 und 2008 insgesamt vier WM-Titel, drei davon bei den Fahrern: zweimal mit Mika Häkkinen und einmal mit Lewis Hamilton.

Seit der Erfolgsära ging es für McLaren rapide bergab. 2015 war ein Tiefpunkt, als offene Kritik seitens der Fahrer an Antriebspartner Honda (Alonso setzte sich nach einem Defekt demonstrativ in einen Campingstuhl und bezeichnete den Antrieb im Funk als "GP2-Motor") Überhand nahm. Folge: kein Podestplatz und die schlechteste Saison seit 1967. Auch 2016 und 2017 ging es kaum bergauf. Die Trennung von Honda, das zwischen 1988 und 1992 für die erfolgreichste Ära der Teamgeschichte verantwortlich gezeichnet hatte und Mercedes 2015 nach 15 Jahren der Zusammenarbeit als Antriebspartner abgelöst hatte, war überfällig. Ein neuer Deal mit Renault wurde verkündet, hatte 2018 aber kaum positive Wirkung. Besserung brachte erst 2019. In diesem Jahr wurde auch die nächste McLaren-Mercedes-Ära ab 2021 besiegelt.

McLaren galt lange als "unterkühltestes" Team in der Formel 1. Der langjährige Teamchef Ron Dennis, der ab Anfang der 1980er-Jahre das Sagen hatte und erst 2016 aus seinem Amt ausschied, war bekannt dafür, viel Wert auf Disziplin zu legen, was sich wie ein roter Faden durch die gesamte Philosophie des Teams zog. Dazu passte das extravagante Styling der modernen Fabrik in Woking. Dennis allerdings wusste nicht zu verhindern, dass McLaren infolge eines Spionageskandals 2007 von der FIA zu einer Rekordstrafe von 100 Millionen US-Dollar verdonnert wurde. Kronzeuge war der damalige McLaren-Fahrer Alonso, der für sein Schweigen den Nummer-eins-Status im Team verlangt hatte.

Unter der neuen Teamführung um Brown und Seidl präsentiert sich McLaren wesentlich offener als in der Vergangenheit. Der neue "Spirit" macht sich nun auch wieder durch bessere Ergebnisse bemerkbar. Allerdings: Finanziell ist der Rennstall auch aufgrund der Coronakrise nicht auf Rosen gebettet. Fahrerisch jedenfalls stellt man sich für 2021 teilweise neu auf: Daniel Ricciardo kommt von Renault, um den zu Ferrari wechselnden Sainz zu ersetzen. Norris bleibt bei McLaren.

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