Alpine

FRA

Porträt

(Stand: 11. Januar 2021) Der Renault-Konzern stellt sein Formel-1-Projekt neu auf und benennt sein Werksteam in Alpine um. Dabei handelt es sich um eine Sportwagen-Marke, die bereits seit 1973 mehrheitlich zur Renault-Gruppe gehört. Mehr noch: Alpine hat einst den ersten Formel-1-Prototypen gebaut, mit dem Renault in den 1970er-Jahren erstmals in der Königsklasse angetreten ist. Und nun steht Alpine im Rampenlicht, gemeinsam mit Fernando Alonso, der nach zweijähriger Abstinenz in die Formel 1 zurückkehrt und zum dritten Mal in seiner Karriere für Renault bzw. nun Alpine fährt.

Der Renault-Konzern hatte sich von 1977 bis 1985 erstmals werksseitig in der Formel 1 engagiert. In der ersten Turbo-Ära der Königsklasse stieg die fast ausschließlich mit französischen Piloten besetzte Truppe dank des jungen Alain Prost zum Spitzenteam auf und schaffte es 1983 auf den zweiten Platz in der WM. Der "Professor" schrammte knapp an seinem ersten Titel vorbei und trennte sich im Unfrieden von Renault. Das Projekt ging vor die Hunde, zwei Saisons später war Schluss - vorerst.

2002 kehrte Renault zurück auf die Grand-Prix-Bühne, indem es den Benetton-Rennstall übernahm und zum Werksteam umbaute, alles unter der Regie von Flavio Briatore. Er holte mit Alonso ein Nachwuchstalent zu Renault und formte die Mannschaft erneut zu einem Spitzenteam. Der Erfolg gibt ihm Recht: 2003 gewann Alonso erstmals, 2005 und 2006 gewann Renault je beide WM-Titel. Es sind die bis dato größten Erfolge der Marke in der Formel 1, abgesehen von diversen Gesamtsiegen, an denen Renault als Motorenlieferant beteiligt war.

Doch nach 2006 zeigte die Formkurve erst einmal nach unten, auch nach Alonsos Rückkehr. Negativer Höhepunkt: der "Crashgate"-Skandal beim Singapur-Grand-Prix 2008 um Briatore, Pat Symonds und Nelson Piquet jun.

Das einstige Weltmeister-Team wurde vor der Saison 2010 von der Investmentgruppe Genii Capital aus Luxemburg übernommen und Lotus getauft, ohne dass eine historische Verbindung zum originalen Lotus-Team bestanden hätte. Unter der Führung des Finanzinvestors Gerard Lopez gelang es, den Skandal hinter sich zu lassen und ein neues Kapitel aufzuschlagen. Trotz finanzieller Schreckensmeldungen und schmalem Budget und wurden wieder Erfolge auf der Rennstrecke gefeiert.

Kimi Räikkönen glückte 2012 und 2013 je einen Grand-Prix-Sieg. Er führte Lotus zu vierten Rängen in der Konstrukteurs-WM. Allerdings war es auch der Finne, der 2013 die eklatanten finanziellen Nöte des Teams offenbarte, indem er öffentlich mitteilte, dass seine Gehälter nicht bezahlt wurden. Räikkönen verabschiedete sich in Richtung Ferrari, im Zuge der Krise verließ auch Teamchef Eric Boullier Lotus und schloss sich McLaren an. Mit den beiden gingen viele wichtige Techniker, darunter Technikchef James Allison.

Nach einem verspäteten Start in die Testsaison und mit wankelmütigen Renault-Antrieben im Heck hatten die Fahrer Romain Grosjean und Pastor Maldonado 2014 nicht zu lösende Probleme mit der Zuverlässigkeit und der Performance, was die schlechteste Saison seit dem Neustart bedeutete. Mercedes-Power sollte für Lotus 2015 der Schlüssel sein, um nach der Seuchensaison zurück zu alter Stärke zu finden, doch der Aufschwung blieb auf moderatem Niveau und die Finanzprobleme nahmen Überhand.

Nach einer Hängepartie übernahm Renault im Dezember 2015 90 Prozent am Team, vollbrachte als Werksteam jedoch keine Wunder und hinkte praktisch von Anfang an den eigenen Plänen hinterher. Erst 2020 gab es die ersten Podestplätze seit dem Wiedereinstieg, aber immerhin: Es ging etwas voran, wenngleich der erstrebte Anschluss an die Topteams bisher ausgeblieben ist. Die Lücke soll nun Rückkehrer Alonso schließen helfen.

Alpine operiert aus den bisherigen Renault-Standorten in Viry in Frankreich (Antrieb) und Enstone in Großbritannien (Chassis) heraus.

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