• 24. Februar 2023 · 17:28 Uhr

F1-Tests Bahrain: Max Verstappen fährt Konkurrenz auf und davon

Mercedes steht, Ferrari kämpft, Red Bull dominiert - und Alfa Romeo fährt Bestzeit: Das ist die Analyse nach dem zweiten Tag der Formel-1-Tests 2023 in Bahrain!

(Motorsport-Total.com) - Helmut Marko schwärmte bereits nach dem ersten Testtag: "Wir haben selten so eine gute erste Testphase gehabt." Und nach dem zweiten Tag der Wintertests in Bahrain erhärtet sich der Verdacht, dass Red Bull und Max Verstappen auch in der Saison 2023 die ersten Favoriten auf den Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft sind.

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Max Verstappen lag am Donnerstag nicht auf P1, war aber der Schnellste Zoom Download

Nachdem Sergio Perez (14./+2,141) im direkten Longrun-Vergleich gegen Carlos Sainz im Ferrari (6./+0,876) am Vormittag stets um ein paar Zehntelsekunden pro Runde schneller war, pulverisierte Verstappen nach dem Fahrerwechsel zu Mittag zunächst die absolute Wochenbestzeit.

Ganz vorn steht am Ende des Tages aber nicht der Weltmeister, sondern der Chinese Guanyu Zhou (Alfa Romeo). Zhou schnallte eine halbe Stunde vor Ablauf der Zeit, als die Bedingungen am besten waren, weiche C5-Gummis an sein Auto und erzielte, mutmaßlich mit wenig Benzin an Bord, eine Bestzeit von 1:31.610 Minuten.

Verstappen verfolgte ein anderes Programm. Während Perez auf einer Rennsimulation war, spulte der Weltmeister gleich mal ein paar Performanceruns ab. An deren Ende stand eine Bestzeit von 1:31.650 Sekunden, mehr als eine halbe Sekunde vor dem Rest der Welt und mehr als zwei Sekunden vor Perez. Aufgestellt wurde diese Zeit noch bei Tageslicht und hohen Temperaturen.

Für den Abend war eigentlich eine Rennsimulation geplant. Diese musste Verstappen aber wegen eines Öllecks überspringen. Übrigens bei seinem letzten Testeinsatz vor dem ersten Rennwochenende. Am Samstag ist bei Red Bull nur noch Perez eingeteilt.

Mercedes: Laut Daten bestenfalls Nummer 3

Hinter der designierten Nummer 2 Ferrari scheint Mercedes im Kräfteverhältnis der Formel 1 aktuell bestenfalls Nummer 3 zu sein. Lewis Hamilton (15./+2,344) absolvierte am Vormittag 72 Runden, rutschte aber viel. George Russell (13./+2,044) musste am Abend bereits nach 26 Runden mit Hydraulikdefekt abstellen.

Laut Mercedes-Teamchef Toto Wolff war der W14 am Freitag "aus der Balance". Für die Wüstenhitze in Sachir habe man nicht die richtige Abstimmung gefunden. Das sei besorgniserregend, denn "es sind nicht die Fahrer, die das Auto überfahren, sondern wir haben an der Hinterachse einfach nicht genug Grip. Ich hoffe, wir können das noch aussortieren."

Die ersten Verfolger von Zhou und Verstappen waren - zumindest, wenn es nach der Zeitentabelle geht - andere. Zweiter wurde Fernando Alonso (+0,779), der die starke Form von Aston Martin unterstrich. Alonso und Aston gelten nach den ersten beiden Tagen als Geheimfavoriten und werden laut Longrun-Analyse aktuell als "Best of the Rest" hinter den Topteams gesehen - möglicherweise sogar auf Augenhöhe mit Mercedes.

Vierter wurde Nyck de Vries (AlphaTauri/+0,612). Der Rookie aus den Niederlanden fuhr in der letzten Stunde kurzzeitig sogar auf Platz 2, war dabei allerdings genau wie Zhou auf den relativ weichen C4-Reifen unterwegs. Zum Vergleich: Verstappen und Alonso hatten ihre Bestzeiten auf dem härteren C3 von Pirelli erzielt.

Hülkenberg klar schneller als Magnussen

Erfreulich aus deutscher Sicht: Nico Hülkenberg (5.) war auch am Freitag schneller als Teamkollege Kevin Magnussen. Am Ende lag zwischen den beiden eine Sekunde. Teamchef Günther Steiner ist "sehr beeindruckt" vom Schumacher-Nachfolger: "Nico hat sich auf Anhieb wohlgefühlt und war sehr schnell. Er ist sofort wieder da - als wäre er nicht weg gewesen! Und da übertreibe ich nicht."

Hülkenberg selbst gibt sich bedeckt, was das Potenzial seines Autos betrifft, und sieht in der Entwicklung noch viel Luft nach oben. Aber was sein eigenes Comeback angeht, wirkt er zufrieden, wenn er sagt: "Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht. Es geht nur darum, möglichst rasch ein Gefühl für das Auto zu bekommen."

Was waren die wichtigsten Zwischenfälle an Tag 2?

Session-Abbruch wegen Mercedes-Defekt Gut eineinhalb Stunden vor Ende der Abendsession blieb George Russell (Mercedes) ungeplant stehen. Beim Runterschalten zeigte das Display am Lenkrad "Hydraulic Failure" an. Von da an rollte Russell noch ein paar Kurven weiter, ehe er dann ganz abstellen musste. Für ihn war die Session damit beendet; für alle anderen 20 Minuten lang unterbrochen.


Alonso fährt über Hamilton-Teil Bei Geradeausfahrt und ohne von außen sichtbaren Grund löste sich vom Hamilton-Mercedes bereits nach etwa einer Stunde ein Teil von einem Kühlpanel. Das blieb auf der Strecke liegen, und wenig später fuhr Alonso drüber. Alonsos Aston Martin wurde dabei aber nicht beschädigt, und auch Hamilton konnte sein Programm nach einer kurzen Reparatur fortsetzen.


Getriebewechsel bei Alfa Romeo? Zhou drehte am Vormittag nur 44 Runden - weniger als jeder andere Fahrer. Der Grund dafür war ein technisches Problem. Bei der Reparatur mussten die Mechaniker das Getriebe ausbauen. Ob das Getriebe selbst der Verursacher war, ist nicht bekannt. Am Ende des Vormittags konnte er wieder auf die Strecke gehen. Seitens des Teams gibt's auch auf Anfrage keine Auskunft, weshalb das Getriebe abmontiert werden musste.


Und nochmal Zhou ... Knapp eine Viertelstunde vor Schluss war die Session bereits auf Gelb geschaltet, für Systemchecks der Rennleitung. Zhou wollte diese Phase nutzen, um einen Rennstart zu üben, blieb aber am Ende der Boxenausfahrt stehen. Acht Sauber-Mechaniker eilten daraufhin herbei, um sein Auto zurück an die Box zu schieben.

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Guanyu Zhou erzielte am Freitag in Bahrain überraschend Tagesbestzeit Zoom Download

Rennsimulation von AlphaTauri Yuki Tsunoda (17./+4,098) widmete sich am Freitagmorgen dem Absolvieren einer Rennsimulation. Zeitgleich mit Perez, der ebenfalls mit randvollen Tanks unterwegs war. Das ermöglichte einen direkten Vergleich der Daten. Tsunoda war dabei im Durchschnitt ungefähr eine Sekunde pro Runde langsamer als der Mexikaner im Red Bull.

Wie steht es um die anderen Mittelfeldteams?

Für Alpine sind die ersten beiden Testtage "problemlos" verlaufen, berichtet Esteban Ocon (12./+1,880): "Wir konnten fast alle unsere Pläne durchführen. Das Auto ist am Kurveneingang jetzt viel stabiler. Das hilft, weil du dort mehr attackieren kannst und mehr Vertrauen hast. Die Balance ist insgesamt einfach besser."

Bei McLaren erhärtet sich nach zwei von drei Testtagen der Eindruck, dass der MCL60 nicht das erhoffte Werkzeug ist, um zu den drei Topteams aufzuschließen. Die Körpersprache des sonst immer fröhlichen Lando Norris (16./+3,912) wirkt gedämpft, und CEO Zak Brown räumt ein, dass man die selbstgesteckten Entwicklungsziele nicht erreicht hat.

"Wir liegen hinter unseren Erwartungen. Ich gehe davon aus, dass wir im ersten Rennen nicht da sein werden, wo wir sein wollen", gibt Brown zu. Aber er verweist auf die Bremsprobleme 2022, die seiner Aussage nach viel schlimmer waren: "Es ist ein viel besserer Test als vor einem Jahr. Da war ich zu dem Zeitpunkt besorgt, ob wir beim ersten Rennen überhaupt fahren können."


Fotostrecke: Formel-1-Technik: Die Neuerungen am ersten Testtag in Bahrain

Besser lief's am Freitag für das zweite Traditionsteam aus Großbritannien, Williams. Rookie Logan Sargeant beendete die Vormittagssession an zweiter Stelle. Am Ende wurde er mit 0,939 Sekunden Rückstand Siebter. Dabei mag weniger Benzin im Tank gewesen sein als bei anderen Teams; aber, um eine alte Floskel zu strapazieren: Man muss die Zeit auch erstmal fahren.

Neo-Teamchef James Vowles legt zwar den Finger in die Wunde, wenn es um die Infrastruktur bei Williams geht, die seiner Ansicht nach nicht auf dem erforderlichen Niveau ist. Aber: "Die Fahrer äußern sich positiv über das Auto, besonders im Vergleich zum Vorjahr. Nach zwei Testtagen ist es noch sehr früh für eine Einschätzung. Ich hoffe, dass wir um Platz 8 unter den Teams kämpfen können."

Wo gibt's weiterführende Infos zum Test?

Um 19:30 Uhr gibt's auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de die tägliche Live-Analyse mit Kevin Scheuren und Christian Nimmervoll. Der dritte und letzte Testtag beginnt am Samstag um 8:00 Uhr deutscher Zeit. Im Liveticker auf Formel1.de & Motorsport-Total.com kommentiert Ruben Zimmermann das Geschehen auf der Strecke.

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