• 18. April 2024 · 10:01 Uhr

Carlos Sainz: Lieber ein Jahr Mercedes oder drei Jahre Audi?

Die Variante Aston Martin fällt weg, sodass sich Carlos Sainz entscheiden muss: "Lückenfüller" bei Mercedes oder Red Bull oder langfristig Topstatus bei Audi?

(Motorsport-Total.com) - Carlos Sainz ist wieder fit. Sechs Wochen nach seiner Blinddarmoperation konnte er vor dem Grand Prix von China sein Trainingsprogramm endlich wieder aufnehmen. "Ich versuche, mich körperlich wieder so in Form zu bringen, wie ich vor Dschidda in Form war. Da muss ich aufholen", sagt er. Unter anderem mit Radfahren zu Hause in Monaco ("Ein wunderschöner Ort dafür!") und Tennis. Letzteres aktiv, auf dem Court, aber auch passiv, als Zuschauer beim Monte Carlo Open: "Die Jungs mal live zu sehen, war eine schöne Erfahrung."

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Carlos Sainz ist eine der Königsfiguren der "Silly Season" für die Formel 1 2025 Zoom Download

Zwischendurch, lacht er, klingelte ständig das Telefon. Sainz war bei drei Starts zweimal Dritter und hat ein Rennen gewonnen - und ist derzeit eine der heißesten Aktien auf dem Transfermarkt. "In den rennfreien Wochen tut sich im Hintergrund immer einiges. Da gibt es viele Telefonate", verrät er. Aber am Rennwochenende "berührt mich das nicht so. Dann setze ich den Helm auf und blende das aus."

Zwei Optionen für seine Zukunft kann er schon streichen: Ferrari hat Lewis Hamilton bereits als seinen Nachfolger fixiert, und bei Aston Martin bleibt Fernando Alonso gesetzt. Aber abgesehen davon scheint alles offen zu sein: "Wenn ich sage, dass wir mit jedem Team reden, meine ich jedes Team!"

Praktisch kann man die Möglichkeiten allerdings eingrenzen. Mercedes sucht einen Nachfolger für Hamilton. Wahrscheinlich eher kurzfristig. Frühestens 2026, vielleicht auch erst 2027 könnte Junior Andrea Kimi Antonelli kommen. Das heißt, bei Toto Wolff kann man aktuell im besten Fall einen sogenannten "1+1-Vertrag" bekommen: ein Jahr mit teamseitiger Option auf ein weiteres.

Audi würde Sainz mit Kusshand nehmen und erhöht langsam den Druck. Teamchef Andreas Seidl würde den Vertrag lieber heute als morgen unterschreiben. Doch Sainz will sich noch nicht festlegen. Er sagt: "Teilweise bin ich darauf angewiesen, dass andere ihre Entscheidungen treffen. Das bedeutet, ich muss abwarten." Und: "Wenn es eine gute Entscheidung ist für mich, dann warte ich gern."

Warten auf Red Bull vor Unterschrift bei Audi

Denn da gibt's noch ein drittes Team in der Verlosung: Red Bull. Der Weltmeister-Rennstall hat mit Max Verstappen eigentlich einen Vertrag bis Ende 2028. Doch Gerüchte, dass Mercedes dem Champion ein finanziell lukratives Angebot gemacht hat, reißen nicht ab. Sainz wäre, sollte dieser Fall wirklich eintreten, ein logischer Nachfolgekandidat.

Und es ist davon auszugehen, dass er Red Bull meint, wenn er sagt: "Ich weiß, dass nicht alle Optionen nur von mir abhängen." Oder: "Das meine ich mit guten Optionen. Es gibt noch Autos, mit denen man gewinnen kann. Es hängt immer vom Angebot ab, aber es gibt sehr gute Optionen, weshalb ich meine Zukunft sehr positiv sehe und mit einem Lächeln an die Sache rangehe."

Dass ihm mit Aston Martin seit Suzuka eine Variante weggebrochen ist, macht Sainz nichts aus, denn: "Meine besten Optionen sind noch offen. Das ist positiv. Angesichts der Situation auf dem Fahrermarkt dauert das alles ein bisschen. Jeder muss sich überlegen, was er will. Aber die guten Optionen sind noch da. Da hat es in den vergangenen Wochen kaum Bewegung gegeben."

Die Frage, die er sich selbst stellen muss, ist: Setzt er kurzfristig auf die besten Chancen, bei Mercedes oder vielleicht Red Bull, oder setzt er lieber auf die langfristige Sicherheit, die ihm Audi bietet, mit einem angeblichen Dreijahresvertrag? Sainz winkt ab: "Es hängt vom Angebot ab, und davon, welches Projekt es ist."

"Als Fahrer ist mir immer die schnellstmögliche Option am nächsten. Vor allem in der Form, in der ich bin. Ich habe bewiesen: Wenn ich im richtigen Jahr das richtige Auto habe, kann ich Rennen gewinnen und aufs Podium fahren. Natürlich wünschst du dir als Fahrer das beste Material." Aber: "Es gibt auch sehr interessante mittel- und sogar langfristige Möglichkeiten, die ich in Betracht ziehe."

Ist die Powerunit von Audi schnell genug gut genug?

Die Botschaft, die er damit zwischen den Zeilen an Audi sendet, ist: Ja, ich kann mir vorstellen, zu euch zu kommen - aber ich möchte erst abwarten, ob nicht woanders noch eine Tür aufgeht, bevor ich unterschreiben kann. "Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile. Ich werde darüber noch ein bisschen nachdenken müssen", unterstreicht Sainz.

Bei der Entscheidung spielt insbesondere das Jahr 2026 mit einem neuen Reglement eine Rolle. 2026 werden neue Powerunits in der Formel 1 eingeführt, mit 50 Prozent elektrischer Systemleistung. Mercedes gilt mit all der Erfahrung der vergangenen Jahre als Bank, was das betrifft. Bei Red Bull Powertrains und Audi sind die Fragezeichen mutmaßlich etwas größer.

Aber Sainz relativiert: "Das ist wie ein Münzwurf: Du kannst heute nicht wissen, wer es am besten hinbekommt. Selbst wenn ich meine Entscheidung nur darauf basieren sollte, was 2026 und 2027 passiert, weiß ich nicht, ob es dann nicht doch anders kommt. Ganz egal, wie sehr die Teams dir verkaufen wollen, dass sie mit dem Motor super unterwegs sind: Die Realität ist, keiner weiß es genau."

"Ich glaube, 2026 geht's nicht drum, die smarteste Entscheidung zu treffen, sondern es hat mit Glück zu tun, zur richtigen Zeit im richtigen Auto zu sitzen. Mit dem Niveau, auf dem ich aktuell fahre, wäre ein konkurrenzfähiges Auto natürlich sehr reizvoll für mich. Aber es hängt nicht nur von mir ab. Ich muss warten. [...] Alle Optionen sind denkbar. Ich habe keinen Vertrag für nächstes Jahr und muss mir alle Optionen anschauen."


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"Dass ich in meinem neunten oder zehnten Jahr in der Formel 1 bin, hilft mir dabei, mich von sowas nicht mehr ablenken zu lassen. Dass der Transfermarkt dieses Jahr früher in Bewegung ist, macht keinen Unterschied. Ich bin lang genug in der Formel 1, um zu wissen, dass es in manchen Jahren halt früher losgeht und in manchen etwas später", sagt er.

"Es hängt im Endeffekt eh alles von mir ab. Wenn du gute Leistungen bringst, nehmen die Dinge den richtigen Weg. Manchmal kann es frustrierend sein, und manchmal ist es aufregend, wenn jeden Tag etwas Neues passiert. Ich schaffe es gut, die beiden Ebenen voneinander zu trennen. Um vieles kümmert sich mein Management-Team."

"Aber das zeigt, wie hart die Formel 1 ist. Jemand von außen wird sich fragen: Wie kann es sein, dass jemand, der so gut fährt, noch kein Cockpit für 2025 hat? Das gibt's nicht so oft in anderen Sportarten. Aber das zeigt, wie speziell die Formel 1 ist, wie politisch. Aber auch aufregend. Das gehört zur Formel 1 dazu. Ich akzeptiere das - und mache weiterhin mein Ding."

Am liebsten wäre Sainz bei Ferrari geblieben ...

Auch wenn der 29-Jährige kein Geheimnis draus macht, dass er am liebsten bei Ferrari geblieben wäre: Die drei Podestplätze aus der Saison 2023 hat er 2024 schon nach drei Starts egalisiert. Dass Ferrari-CEO John Elkann im Winter Lewis Hamilton verpflichtet hat, hat Sainz einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Er räumt in diesem Zusammenhang "gemischte Gefühle" ein, weil er eigenen Angaben nach am liebsten geblieben wäre: "Es ist mein viertes Jahr bei Ferrari. Wir haben drei Jahre gut zusammengearbeitet. Die Tatsache, dass die ganze Arbeit, all die Zeit, die ich in Maranello war, dass sich das jetzt zu lohnen beginnt, stimmt mich einerseits zufrieden."

"Andererseits macht es mich aber traurig, weil ich sehe, wie das ganze Feedback, das wir in den vergangenen Jahren gegeben haben, jetzt langsam die richtigen Formen annimmt. Aber so ist das Leben. Es war nicht meine Entscheidung. Ich wäre gern geblieben. Aber vielleicht kommt etwas noch Besseres, wer weiß?"

"Wenn die Dinge einmal geschehen sind, bringt es nichts, in die Vergangenheit zu schauen. Als ich Toro Rosso und Renault verlassen habe, war das auch nicht einfach. Aber jetzt im Rückblick ergibt es Sinn, wie sich das Leben für mich entwickelt hat. Das ist jetzt wieder so eine Situation. Irgendwann in der Zukunft werde ich zurückschauen und wissen, ob es gut oder schlecht war."

Sainz weiß, dass er sein Schicksal letztendlich selbst in der Hand hat. Eine Theorie geht so: Es stimmt zwar, dass man in manchen Jahren nur mit dem besten Auto im Feld gewinnen kann. Aber langfristig, ist er überzeugt, landen die besten Fahrer immer in den besten Autos. Zu jammern, weil man nicht das richtige Material hat, sei so gesehen nicht zulässig.

Warum Sainz 2024 plötzlich besser performt

Der 2024er-Ferrari ist ein Auto, mit dem man gewinnen kann, wie Sainz in Australien bewiesen hat. Trotzdem verneint er die Frage, ob ihm das Auto jetzt besser liegt als 2023: "Dieses Auto hat nichts an sich, was mir besonders entgegenkommt oder nicht entgegenkommt. Es ist einfach insgesamt eine stabilere Plattform. Dadurch hast du auf einer Qualifyingrunde weniger das Gefühl, dass es ständig ausbrechen könnte. Das gibt dir als Fahrer mehr Vertrauen."


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"Wir konnten schon beim Wintertest in Bahrain sehen, dass diese Momente der Unsicherheit weniger geworden sind, und das hat sich seither in allen Qualifyings und Rennen bestätigt. Die stabilere Plattform ermöglicht es dir, öfter ans Limit zu gehen. Und mehr Vertrauen bedeutet eine bessere Performance. Rein vom Fahrstil her ist das Auto ähnlich wie im Vorjahr. Ich habe vom Fahren her nichts umgestellt."

"Es war sicher mein bester Saisonbeginn, seit ich für Ferrari fahre. Das sieht man ja. Bin ich so gut wie noch nie? Schwer zu sagen. Es sieht so aus, weil die Podestplätze und die Ergebnisse da sind. Aber ich habe auch schon bei McLaren und Toro Rosso meine besten Leistungen abgerufen. Was sich verändert hat, ist das Auto", sagt Sainz.

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