• 07. Februar 2024 · 07:47 Uhr

Teamchef James Vowles: Wenn Williams scheitert, ist es meine Schuld

Teamchef James Vowles erklärt, welche Kultur er bei Williams etablieren möchte und warum kleine Fortschritte für ihn im Gesamtkontext keine große Rolle spielen

(Motorsport-Total.com) - "Ich will James keinen Druck machen, aber es ist sein erstes Jahr, in dem er wirklich die Kontrolle hat", grinste Alexander Albon beim "Season Launch" von Williams vor der Formel-1-Saison 2024 im Hinblick auf Teamchef James Vowles, der in diesem Jahr in seine zweiten Saison in Grove geht.

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Williams-Teamchef James Vowles ermutigt seine Mitarbeiter dazu, Risiken einzugehen Zoom Download

Denn obwohl Vowles bereits Anfang 2023 zum Team stieß, ist der neue FW46 das erste Auto, das komplett unter seiner Führung entstanden ist. Auch er selbst verrät: "Es bedeutet mir viel mehr, denn in diesem Auto steckt viel mehr von meinem Denkprozess, meiner DNA, meiner Struktur."

Während Vowles vor einem Jahr den quasi fertigen FW45 lediglich von seinem Vorgänger Jost Capito an die Hand bekam, hatte er beim neuen Williams für 2024 einen direkten Einfluss auf die Entwicklung - und keine Angst davor, mit bestehenden Konventionen zu brechen.

Vowles verrät: "Ich habe [den Mitarbeitern] klar gemacht, dass die Last des Scheiterns auf meinen Schultern ruhen wird. Ich möchte nicht, dass jemand durch die Angst vor dem Scheitern eingeschränkt wird, ich möchte nicht, dass jemand durch die Angst eingeschränkt wird, die Grenzen dessen zu überschreiten, was wir gewohnt sind."

Williams soll "aus der Form ausbrechen"

Er erklärt: "Allzu oft ist es zu einfach, etwas zu tun, womit man sich wohlfühlt. Und deshalb bringt man das Auto nur ein kleines Stück vorwärts. Es ist sehr schwierig, die Grenzen dessen, was man tut, zu erweitern und aus der Form auszubrechen, die man seit fünf bis zehn Jahren kennt."

"Ich wünsche mir Großes für diese Organisation, und Großes entsteht nur, wenn wir bereit sind, mit allem zu brechen, was wir bis jetzt getan haben", so Vowles. Oder anders gesagt: Er hat von seinem Team gefordert, bei der Entwicklung des FW46 komplett neue Wege zu gehen.

"Dieses Auto wird ganz anders als im vergangenen Jahr sein", hat Pilot Logan Sargeant bereits zuvor verraten, und wenn man Vowles zuhört, versteht man schnell, warum der neue FW46 einige andere Merkmale als seine Vorgänger haben wird.

Der Teamchef erklärt, es habe "signifikante Änderungen" dabei gegeben, "wie wir das Auto entwickeln". Das betreffe nicht nur die Aerodynamik, sondern insgesamt "drei oder vier" Bereiche, so Vowles, der natürlich auch weiß, dass solche radikalen Änderungen mit Risiko verbunden sind.

Vowles will mit Williams wieder WM-Titel gewinnen

Doch dieses müsse man eingehen, weil es im Vergleich zu anderen Teams nicht genug sei, lediglich kleine Fortschritte zu machen. Zudem wolle er sich in der Weltmeisterschaft nicht mit siebten oder achten Plätzen begnügen, betont der langjährige Mercedes-Mann.

"Ich werde erst zufrieden sein, wenn wir um Weltmeisterschaften kämpfen und Weltmeisterschaften gewinnen", stellt Vowles unmissverständlich klar und stellt klar: "Ich bin auch nicht sonderlich daran interessiert, wo wir in diesem Jahr landen, genauso wie im vergangenen Jahr."


Williams-Launch: So sieht das neue Auto aus!

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Die Lackierung des FW46 von Williams wurde der Weltöffentlichkeit präsentiert. Das neue Auto selbst wird vorerst noch nicht gezeigt. Weitere Formel-1-Videos

Denn obwohl der siebte WM-Platz im vergangenen Jahr für viele Experten überraschend kam, sei die Saison insgesamt nur "okay" gewesen, betont Vowles, der langfristig ganz andere Ansprüche verfolgt. Auch deshalb ist er bereit, aktuell gewisse Risiken einzugehen.

Bei Williams gehe es aktuell auch darum, zu "akzeptieren, dass es nicht gut genug ist, wo wir stehen", stellt er klar und erklärt, die benötigten Fortschritte, um wieder an die Spitze des Feldes zurückzukehren, würden "nicht in einem Jahr passieren."

Vowles: Erfolg immer von der ganzen Gruppe abhängig

Daher sei es wichtig, dass niemand im Team Angst davor habe, auch einmal zu scheitern. Deswegen habe er allen Mitarbeitern klargemacht, dass die Performance nie von einem einzigen Individuum abgängig sei. Es liege immer an der gesamten Gruppe.

"Es liegt nicht an der Aerodynamik. Es ist nicht das Design der Aufhängung. Es liegt nicht daran, wie wir an der Strecke operieren. Es liegt an uns allen", so Vowles, der betont, dass er mit der im Winter in Grove geleisteten Arbeit "sehr glücklich" sei.

Er weiß allerdings auch: "Wenn man zu diesem Zeitpunkt des Jahres [alle] zehn Teams fragt, hoffe ich, dass alle sagen, dass sie wirklich gute Arbeit geleistet haben." Das mache eine Einschätzung, wo Williams mit dem neuen Auto 2024 im Feld stehe, schwierig.

Zudem erinnert der Teamchef daran, "dass wir so viel verändert haben, dass wir es erst einmal verstehen müssen, um dann die Schwachstellen, die sich daraus ergeben, zu ermitteln." Im Moment sehe aber "alles ziemlich vernünftig aus", betont er und erklärt, man hoffe, besser als 2023 dazustehen.

Neuer Williams soll "überall" schnell sein

"In erster Linie möchte ich ein Auto, das auf allen Strecken leistungsfähig ist, nicht nur auf einigen Strecken", sagt er und erklärt: "Ja, vergangenes Jahr war es schwer, uns zu überholen. Aber das lag nicht an einer Stärke des Autos, sondern nutzte nur eine Schwäche als eine Art Stärke aus."

"Wir waren in Monza und auf einigen anderen Strecken großartig, aber ich möchte, dass wir überall stark sind", betont er und erinnert: "Zandvoort hat gezeigt, wozu dieses Auto in der Lage ist, wenn ein Großteil des [...] schwierigen Verhaltens verschwindet."


Fotostrecke: Formel 1 2024: Der Williams FW46 von Albon und Sargeant

In den Niederlanden brachte Williams im Vorjahr beide Autos in Q3, Albon qualifizierte sich als Vierter sogar in der zweiten Startreihe. Vowles betont daher: "Das Basispaket ist also nicht schlecht. Es ist nicht so, dass wir zu wenig Abtrieb hätten, es ist nur durch eine Reihe von anderen Dingen beeinträchtigt."

"Und wir haben uns vor allem darauf konzentriert, dass wir verstehen, worum es dabei geht", erklärt er im Hinblick auf das neue Auto, das Williams bislang noch nicht gezeigt hat. Beim "Season Launch" in New York wurde lediglich die neue Lackierung vorgestellt.

Williams will keine anderen Autos "kopieren"

"Einige der Merkmale [des FW46] wird man von anderen erfolgreichen Autos kennen", verrät er, betont aber auch, dass man nicht bewusst andere Teams "kopieren" wollte. "Wenn wir uns dabei iterativ auf etwas zubewegen, das anderen Autos ähnlich ist, ist das in Ordnung", so Vowles.

"Aber was wir nicht tun werden, ist, die anderen Autos zu kopieren und dann zu versuchen, die Strömungsdynamik zu verstehen", erklärt er und verrät außerdem: "Das Auto wird anders aussehen, aber man wird sehen, dass es eine Weiterentwicklung ist, denn das ist es immer."

Trotz aller Umstellungen sei es nämlich "sehr schwer", sich "zu weit" vom Vorgängerauto zu entfernen, erklärt Vowles. Ein Beispiel ist das Getriebe, das man weiterhin von Mercedes bezieht. Dieses sei "sehr zuverlässig" und eine "bekannte Größe" im Paket, so Vowles.

Zudem habe das Getriebe heutzutage kaum noch Auswirkungen auf die Performance, weshalb es keine Änderung gab. "Was die Hinterradaufhängung betrifft, so können wir gerne über einige Dinge sprechen, aber ich werde mir das für Bahrain aufheben", sagt Vowles weiter.

Vowles gesteht: Habe teilweise "tagelang nicht geschlafen"

Denn in diesem Bereich des Autos gebe es durchaus "einige interessante Dinge", kündigt er an, betont aber, dass er darüber erst sprechen wolle, sobald man das echte Auto vorgestellt habe. Doch kann Williams mit dem FW46 den siebten WM-Platz verteidigen oder sogar noch einen weiteren Sprung nach vorne machen?

Für Vowles spielt das im Gesamtkontext nur eine untergeordnete Rolle. "Noch einmal: Was mich mehr interessiert, ist, wann man in Williams einen ernsthaften Anwärter sieht, um wieder nach vorne zu kommen", betont der Teamchef.

Er gesteht übrigens, dass er persönlich manche Aspekte des Jobs als Teamchef, den er bei Williams zum ersten Mal ausführt, unterschätzt habe. Es mache ihm nichts aus, "zuzugeben, dass ich tagelang nicht geschlafen habe [...], weil die Last von 1.000 Menschen auf meinen Schultern lastete."

"Aber ich bin zuversichtlich, dass das, was wir tun, das Richtige für die Zukunft ist", so Vowles.

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