• 17. November 2023 · 02:17 Uhr

350 km/h mit Jetlag: Ist der Rennkalender ein Sicherheitsproblem?

Außer Lewis Hamilton klagen die meisten Fahrer über Ermüdungserscheinungen, die am Ende einer kräftezehrenden Saison zum Sicherheitsthema werden könnten

(Motorsport-Total.com) - Am Ende einer kräftezehrenden Formel-1-Saison 2023 steht den Fahrern mit dem abschließenden "Back-to-Back" in Las Vegas und Abu Dhabi nochmal eine große Herausforderung bevor. Zwar gelten die beiden Strecken nicht als die schwierigsten des Rennkalenders. Aber der Wechsel zwischen den Zeitzonen und der damit einhergehende Jetlag bringen den einen oder anderen physisch an seine Grenzen.

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Max Verstappen übt beim Thema Rennkalender Kritik an Liberty Media Zoom Download

Las Vegas sei per se "nicht das Problem", erklärt etwa Max Verstappen. Aber: "Danach fliegen wir direkt nach Abu Dhabi weiter, in eine komplett andere Zeitzone mit zwölf Stunden Zeitverschiebung. Ganz ehrlich: Das kapiere ich nicht. Es ist sehr ermüdend, gerade am Ende einer solchen Saison. Ergibt für mich keinen Sinn."

Verstappen steht mit seiner Kritik an Rechteinhaber Liberty Media, der den Rennkalender federführend gestaltet, nicht allein da. "Ich habe nicht das Gefühl, dass der Kalender besonders gut durchdacht ist", findet etwa McLaren-Pilot Oscar Piastri, und Fernando Alonso sagt: "Es ist nicht okay. Aber so ist es halt. Die Formel 1 ist ein harter Sport. Wir sind nicht Fußball."

In Las Vegas findet das Qualifying um Mitternacht und das Rennen um 22 Uhr Ortszeit statt. Mitternacht in Las Vegas ist mittags in Abu Dhabi, wo in nur einer Woche aber zeitverschoben unter Flutlicht gefahren wird. Den Jetlag zu managen und dazwischen auch noch einen Langstreckenflug unterzubringen, steckt kein normaler Mensch ohne Spuren weg.

Hamilton: Wo ist das Problem?

Nur einer offenbar schon: "Für mich war das noch nie ein Problem", winkt Lewis Hamilton ab. "Ich kann sogar mein Training normal aufrechterhalten und fühle mich auch an diesem Punkt in der Saison toll." Der Jetlag sei anspruchsvoll, ja, "aber das wusste ich, als ich mich für diesen Sport entschieden habe. Wenn es leicht wäre, würde es jeder machen."

Das sehen andere Fahrer anders. Alexander Albon etwa staunt: "Wir sind mit dem Schlafen nicht so begabt wie Lewis. Mir fällt das schon schwer." Und Sergio Perez kontert schlagfertig: "Ich muss Lewis mal fragen, welche Pillen er nimmt! Er scheint der Einzige von uns zu sein, dem das alles gar nicht zusetzt."

"Es ist schon ein intensiver Abschnitt der Saison", erklärt der Mexikaner. "Wir versuchen natürlich, uns im Training bestmöglich auf solche Phasen vorzubereiten, weil du während solcher Phasen nicht gescheit trainieren kannst. Das fällt einem dann schon schwer. Also ja, es ist eine sehr anspruchsvolle Phase der Saison, finde ich."

Am Medientag in Las Vegas, an dem viele Interviewrunden erst gegen Mitternacht angesetzt waren, konnte man einigen Fahrern die Müdigkeit ansehen. Kevin Magnussen etwa gibt zu: "Ich habe das Gefühl, seit eineinhalb Monaten im Jetlag festzustecken. Ich habe letzte Nacht versucht, so lang wie möglich zu schlafen. Bin aber um 3:50 Uhr aufgewacht und bin seither durchgehend wach."


Verstappen meckert: Ist das alles gar nicht so geil? | Medientag Las Vegas 2023

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Ohne Streckenabnahme kein Grand Prix: Steht Las Vegas 2023 auf der Kippe? Kevin Scheuren und Christian Nimmervoll berichten vor Ort. Weitere Formel-1-Videos

Das bedeutet in der Konsequenz, dass Magnussen 24 Stunden nonstop wach war, ehe er am Donnerstagmorgen (Trainingsbeginn erst um 20:30 Uhr Ortszeit) ordentlich ausschlafen konnte. Der Däne gehört zu denen, die sich darüber aber nicht groß beschweren: "Bis ich fahren muss, komme ich ja noch zum Schlafen."

Piastri: Beim Testen fast im Auto eingeschlafen

Piastri erzählt aus seinem Alltag: "Ich bin am Medientag um 17 Uhr an der Strecke angekommen. Da ist es schon dunkel. Das bringt dich im Kopf durcheinander, wenn du den ganzen Tag schläfst, weil du gegen deine innere Uhr arbeiten musst." Und: "Am Rennwochenende regelt das Adrenalin das. Aber bei einem Test bin ich mal in der Box fast eingeschlafen."

Schilderungen, die bei den Verantwortlichen der FIA eigentlich die Alarmsirenen aufheulen lassen sollten. Wenn Sportler, die 350-km/h-Raketen durch die Straßen von Las Vegas bewegen, nicht hundertprozentig fit sind, kann das im schlimmsten Fall auch ein Sicherheitsthema sein. Ein Gedanke, den viele haben, aber nur wenige aussprechen.

Carlos Sainz hält sich etwa mit "Koffeinshots, Espresso und Adrenalin" über Wasser: "Was man halt so braucht, um im Jetlag ein Formel-1-Auto fahren zu können." Nico Hülkenberg nickt: "Einige leiden drunter mehr als andere. Es ist schon eine Challenge, und am Freitag und Samstag werden wir nicht alle voll auf der Höhe sein."

2024 wird noch brutaler als 2023

2024 wird das nicht besser. In einem Jahr endet die Saison sogar mit einem "Tripleheader": Las Vegas am 23. November, Katar am 1. Dezember und Abu Dhabi am 8. Dezember. "Wir haben ja dieses Jahr schon gesehen, wie hart Katar physisch sein kann. Jetzt kommt noch der Jetlag dazu. Das wird schon eine harte Nummer", befürchtet Albon.

Was dazu führt, dass die Fahrer die Zeit, die sie im Paddock verbringen, minimieren, um ihre Körper zu schützen und zu regenerieren. George Russell etwa entschied sich am Mittwoch in Las Vegas spontan dazu, seine auf Mitternacht angesetzte Interviewrunde nicht vor Ort abzuhalten, sondern sich via Zoom aus dem Hotel zuschalten zu lassen.


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"Hierher zu kommen", sagt er, "war schon brutal." Aber der Mercedes-Fahrer versucht, "das als Chance zu sehen. Die meisten Fahrer sehen müde aus und kämpfen und reden auch drüber. Aber wenn du dich darauf besser einstellst als andere, ist das ein Wettbewerbsvorteil." Einer, auf den er in Zukunft noch mehr Fokus legen möchte.

Russell: So arbeitet er gegen den Jetlag

"Ich habe angefangen, über einen langen Zeitraum täglich eine Stunde umzustellen", erzählt der Mercedes-Fahrer. "Für Vegas habe ich damit gleich nach Brasilien angefangen. Dieses Jahr war das manchmal schon eine Challenge, etwa beim Doppelpack Singapur-Japan. Die Zeitzone ist ja fast die gleiche, aber in Singapur fahren wir mitten in der Nacht und in Japan am Tag."

"Miami nach Europa, dann Kanada nach Europa, von Australien wieder nach Hause: Da ist der Körper am Limit", sagt Russell - und liefert dafür handfeste Evidenz: "Wenn ich Zeitzonen wechsle, ist mein Puls durchschnittlich um 25 Prozent höher als wenn ich am gleichen Ort bleibe. Du schläfst weniger, erholst dich schlechter. Das ist nicht nur ein Gefühl. Das belegen die biometrischen Daten."

"Diesen Sommer", erinnert er sich, "war ich mal zwei Wochen am Stück am gleichen Ort. Das war das erste Mal in drei Jahren. Mein Puls war so niedrig wie noch nie. Der Winter hilft immer, das ein bisschen zu stabilisieren. Aber sobald die Reiserei wieder losgeht, steigt auch der Puls wieder an. Das ist etwas, woran ich nächstes Jahr noch härter arbeiten werde."

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