• 27. Oktober 2023 · 22:55 Uhr

Wie voll darf das Formel-1-Fahrerlager eigentlich sein?

Fahrer und Verantwortliche der Formel 1 fragen sich nach den Vorfällen beim Mexiko-Grand-Prix 2022, wie zugänglich das Fahrerlager sein sollte, was "zu viel" ist

(Motorsport-Total.com) - Die Veranstalter des Mexiko-Grand-Prix 2023 drücken an diesem Wochenende auf die Euphorie-Bremse: Nach teilweise chaotischen Szenen im Formel-1-Fahrerlager beim letztjährigen Rennen werden in diesem Jahr weniger Karten für das Fahrerlager ausgegeben, außerdem fahren die Promoter eine Kampagne für mehr Respekt und für ein friedvolles Miteinander.

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Sergio Perez mit Fans beim Formel-1-Rennen 2023 in Mexiko Zoom Download

Dabei dürfe man aber nicht vergessen, "dass die mexikanischen Fans sehr enthusiastisch sind", meint Red-Bull-Fahrer Sergio Perez, der als Mexikaner in Mexiko natürlich im Mittelpunkt steht. "Es braucht einfach eine gute Balance, denn natürlich sollen sich die Fahrer wohlfühlen im Fahrerlager und jeder soll in meinem Land eine schöne Zeit haben."

Doch die Meinungen darüber, was das richtige Maß ist, gehen unter den Beteiligten teilweise weit auseinander. AlphaTauri-Fahrer Yuki Tsunoda etwa begrüßt ausdrücklich, dass es 2023 weniger wild zugeht in Mexiko-Stadt: "Für mich ist es einfacher und mir gefällt es."

Russell: Solange sich alle zu benehmen wissen ...

Auch Mercedes-Mann George Russell scheint sich mit etwas weniger Rummel anfreunden zu können, wenn er sagt: "Natürlich ist es klasse, wenn viele Leute Zugang haben, aber unterm Strich gehen wir hier unserer Arbeit nach."

"2022 hatten wir Schwierigkeiten, vom Büro der Ingenieure zur Box zu gelangen, ohne dass uns Leute angesprungen und Kameras ins Gesicht gehalten hätten. Das war schon seltsam. Solange aber jeder ordentlich mit der Situation umgeht, soll es mir recht sein."

Sein Teamkollege Lewis Hamilton wiederum "weiß eigentlich gar nicht, was ich dazu sagen soll". Dann aber äußert er sich doch: "Ich kann nicht sagen, dass ich ein Problem damit habe."

Personenschutz für Hamilton und Verstappen

Warum aber wird Hamilton - genau wie zum Beispiel Max Verstappen - in Mexiko dann ständig von Leibwächtern begleitet? Er erklärt: "Ich habe Bodyguards nur deshalb, damit ich durch die Menschenmenge komme. Ohne sie würde ich nicht so schnell und gut durchkommen. Und so kannst du auch besser mit den Leuten interagieren, weil sonst wirst du einfach nur überrannt."

Das empfindet aber nicht jeder Fahrer gleich. Laut Haas-Fahrer Nico Hülkenberg kommt es vor allem darauf an, "wo in der Boxengasse du dich befindest". Sprich: Wer etwas prominenter ist und vorne mitfährt in der Formel 1, der wird mehr umschwärmt von den Fans als weniger erfolgreiche Fahrer. "Wo Alex [Albon] und ich sind, da ist es ruhiger", sagt Hülkenberg. "Wir haben nicht die gleichen Probleme."

Gedränge außerhalb des Fahrerlagers noch schlimmer?

Der angesprochene Albon von Williams gibt an, er habe generell "kein großes Problem" mit Fans im Fahrerlager. "Ich finde nämlich, wir müssen die Formel 1 so zugänglich wie möglich machen. Aber das hat natürlich seine Grenzen."

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Der Ex-Rennfahrer Adrian Fernandez mit Fans in Mexiko Zoom Download

"Und das Fahrerlager an sich ist nicht so schlimm, es geht mehr ums Rauskommen aus dem Fahrerlager. Manchmal verlässt man das Fahrerlager und fährt den Leuten fast über die Füße, weil sie sich so nahe herandrängen. Das ist ernster", meint Albon.

War es früher denn so viel anders?

Für Alpine-Fahrer Esteban Ocon aber gehört ein gewisses Gedränge "einfach dazu" und er findet es "großartig". Außerdem merkt er an: "Ich erinnere mich an Bilder von Michael [Schumacher] und wir er sich nicht bewegen konnte im Fahrerlager. Keine Ahnung, wie viele Leute damals da waren. Aber so war es doch schon immer."

"Zum Problem wird es dann, wenn wir uns gar nicht mehr bewegen können und nicht mehr zur Box kommen, aber dergleichen habe ich bisher nicht erlebt. Also: kein Problem."

Das ist ungefähr die Haltung, die auch Haas-Teamchef Günther Steiner vertritt. Er plädiert für Offenheit unter den Formel-1-Beteiligten, denn "unterm Strich müssen wir den Fans geben, was wir ihnen schulden. Und wir schulden ihnen etwas, denn ohne Fans wären wir nicht hier."

"Aber wenn dich aus dem Nichts heraus 20 Leute anspringen, dann ist das ein bisschen viel für die Fahrer. Es ist einschüchternd bei so vielen Menschen in nächster Nähe", sagt Steiner. Er hoffe daher, die Kampagne der Veranstalter in Mexiko sei erfolgreich, "dass man eben nicht zu weit gehen soll".

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