• 21. April 2022 · 13:56 Uhr

Was uns die Formel-1-Geschichte über Leclercs WM-Führung lehrt

Charles Leclerc hat nach drei Rennen bereits einen großen Vorsprung in der WM, und wir schauen uns einmal an, was die Geschichte zu ähnlichen Vorsprüngen sagt

(Motorsport-Total.com) - Die Rückkehr nach Imola an diesem Wochenende kommt für Ferraris treue Tifosi zur rechten Zeit. Denn sie können die Welle nach dem beeindruckenden Saisonstart von Charles Leclerc reiten. Und zum ersten Mal seit 2006 wird in Imola wieder ein Rennen vor Zuschauern stattfinden, nachdem es in den beiden Vorjahren aufgrund von Corona keine Fans vor Ort gegeben hatte.

Charles Leclerc jubelt über den Sieg beim Formel-1-Rennen in Australien 2022

Charles Leclerc holte fast die optimale Punkteausbeute Zoom Download

Für Ferrari sollte es eine elektrisierende Atmosphäre geben, in der man auf den bisherigen Ergebnissen in dieser Saison aufbauen möchte. Nach dem Ausfall von Max Verstappen in Australien beträgt Leclercs Vorsprung in der WM schon 34 Punkte auf George Russell, der etwas überraschend Zweiter ist.

Statistisch gesehen ist der Saisonstart des Monegassen einer der stärksten in der Geschichte der Formel 1. Gerade einmal sieben Punkte hat der Ferrari-Pilot liegen gelassen - alle durch den zweiten Platz in Saudi-Arabien. Dafür hat er bei jedem der drei ersten Rennen auch den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde geholt.

Die 71 Punkte nach drei Rennen werden nur von Nico Rosbergs perfekter Ausbeute 2016 übertroffen. Allerdings muss man für einen weiteren Blick zurück Anpassungen am Punkteformat vornehmen.

Aber was kann uns die Geschichte über den frühen WM-Vorsprung von 34 Punkten lehren? Natürlich ist es bei noch 20 ausstehenden Rennen zu früh, um Leclerc schon zum Weltmeister zu erklären, aber wie entscheidend wird sein perfekter Start am Saisonende sein? Wir schauen zurück, was uns die Geschichte aus früheren guten Saisonstarts zeigen kann.

Nico Rosberg: 2016

Vorsprung nach drei Rennen: 36 Punkte
Ergebnis: Weltmeister

Rosberg ist mit seinem dominanten Start 2016 einer von nur fünf Fahrern, die die ersten drei Saisonrennen gewinnen konnten. Damit legte er den Grundstein für seinen ersten und einzigen WM-Titel in der Formel 1.

Die Saison 2015 hatte Rosberg stark abgeschlossen und die letzten drei Saisonrennen gewonnen, nachdem die WM-Niederlage gegen Mercedes-Teamkollege Lewis Hamilton feststand. Dieses Momentum nahm der Deutsche mit in das neue Jahr und siegte in Australien vor Hamilton, nachdem er diesen am Start etwas abgedrängt hatte.

Nico Rosberg

Nico Rosberg gewann 2016 die ersten vier Saisonrennen Zoom Download

Danach profitierte er von der Kollision Hamiltons mit seinem zukünftigen Teamkollegen Valtteri Bottas in Bahrain und siegte auch da, bevor er den Hattrick mit einem Erfolg in China perfekt machte. Hamilton kam nur auf Platz sieben, nachdem er aufgrund eines Motorenproblems als Letzter gestartet war.

Dadurch hatte Rosberg nach drei Rennen 36 Punkte Vorsprung, der nach einem weiteren Sieg in Russland auf 43 Punkte anstieg. Die Siegsträhne endete jedoch in Spanien, als sich die Mercedes-Piloten in der ersten Runde gegenseitig aus dem Rennen nahmen.

Am Ende gewann Rosberg den Titel um gerade einmal drei Punkte, allerdings hatte er sich auch nicht lange an seinen Vorsprung klammern können. Schon beim siebten Rennen in Kanada hatte Hamilton den Abstand auf neun Punkte verringert, bevor er in Ungarn die Führung übernahm.

Doch Rosbergs Konstanz am Ende des Jahres und der Ausfall von Hamilton in Malaysia ließen das Pendel am Ende zugunsten des Deutschen schwingen.

Fernando Alonso: 2006

Vorsprung nach drei Rennen: 14 Punkte (33 Punkte unter aktuellem System)
Ergebnis: Weltmeister

Fernando Alonso legte einen der überzeugendsten Starts in eine erste Titelverteidigung in der Geschichte der Formel 1 hin, als er die Saison 2006 mit Bravour begann. Kurioserweise gewann er, genau wie Leclerc in diesem Jahr, das Auftaktrennen in Bahrain, wurde in Runde zwei (in Malaysia) Zweiter und gewann dann das dritte Rennen des Jahres in Australien.

Alonso konnte die erneute Bedrohung durch Ferrari im ersten Rennen abwehren, indem er Michael Schumacher mit nur 1,2 Sekunden Vorsprung besiegte, bevor Giancarlo Fisichella in Malaysia einen Doppelsieg anführte. Der Erfolg in Australien brachte Alonso 14 Punkte Vorsprung auf Fisichella ein, nachdem Schumacher in Australien ausgeschieden war.

Fernando Alonso

Fernando Alonso dominierte die erste Saisonhälfte 2006 Zoom Download

Das entspricht einem Vorsprung von 1,4 Rennsiegen, was im aktuellen System 33 Punkte wären.

Alonsos Dominanz zog sich durch die komplette erste Saisonhälfte. Von den ersten 90 Punkten ließ der Spanier gerade einmal sechs liegen. Trotzdem konnte Schumacher in der zweiten Saisonhälfte zurückschlagen - auch durch Alonsos Ausfälle in Budapest und Monza. Zwei Saisonrennen vor Schluss lagen beide punktgleich an der Spitze, doch ein Motorschaden in Suzuka beendete Schumachers Hoffnungen auf einen achten Titel.

Michael Schumacher: 2000

Vorsprung nach drei Rennen: 21 Punkte (47 Punkte unter aktuellem System)
Ergebnis: Weltmeister

Obwohl Schumacher in der Saison 2004 die ersten drei Rennen alle gewonnen hatte, betrug sein Vorsprung auf Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello lediglich neun Punkte (22,5 nach aktuellem System). Gegenüber den Zahlen aus der Saison 2000 ist das nichts.

Zwar hatte der amtierende Weltmeister Mika Häkkinen bei allen drei Rennen die Poleposition geholt, dank der Unzuverlässigkeit der McLaren konnte Schumacher aber die Saison mit einem Hattrick starten. Häkkinen schied in Australien und Brasilien in Führung liegend aus und unterlag Schumacher in Imola nur knapp. Daher hatte er gerade einmal sechs von 30 möglichen Punkten.

Rubens Barrichello, Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen

Michael Schumacher konnte Ferraris langgehegten Traum vom Titel erfüllen Zoom Download

Abgesehen von Schumacher schlug sich aber kaum jemand besser. Häkkinens Teamkollege David Coulthard schied in Australien aus und wurde in Brasilien disqualifiziert, während Schumachers Teamkollege Barrichello bei seinem Heimrennen ausschied und in Imola nur Vierter wurde - das war damals gerade einmal drei Punkte wert.

Passt man die Ergebnisse auf das aktuelle Punktesystem an, hätte Schumachers Führung 47 Punkte betragen - einer mehr als der aktuelle Abstand zwischen Leclerc und Verstappen.

Doch das Blatt wendete sich: In Ungarn lag Schumacher in der WM hinter Häkkinen. Mit dem aktuellen System wäre der WM-Kampf bis ins letzte Rennen nach Malaysia gegangen, Schumacher hätte den Titel aber trotzdem geholt. Doch mit der fragileren Zuverlässigkeit damals waren größere Schwünge wahrscheinlicher, da es meist entweder zehn Punkte für den Sieg oder gar keine gab.

Damon Hill: 1996

Vorsprung nach drei Rennen: 18 Punkte (39 Punkte unter aktuellem System)
Ergebnis: Weltmeister

Nach dem Wechsel von Doppelweltmeister und dem härtesten Rivalen Michael Schumacher zu Ferrari, sah es danach aus, als würde Damon Hill endlich den ersehnten WM-Titel einfahren können. Doch dabei musste er sich mit seinem neuen Williams-Teamkollegen Jacques Villeneuve auseinandersetzen.

Villeneuve holte bei seinem Debüt in Australien die Poleposition, zog im Rennen aber gegen Hill knapp den Kürzeren. Anschließend dominierte Hill im nassen Interlagos und profitierte von einem Dreher Villeneuves und baute seine Führung aus. In Argentinien hielt Hill dem Druck von Schumacher stand, der später mit einem Heckflügel-Schaden ausfiel, was Villeneuve auf Platz zwei brachte.

Jacques Villeneuve, Damon Hill

Ein Technikproblem kostete Jacques Villeneuve den Auftaktsieg Zoom Download

Dadurch reiste Hill mit 30 Punkten im Gepäck aus Südamerika ab, 18 mehr als Villeneuve. Wirklich geringer wurde der Vorsprung nie. Nach Hills Sieg in Hockenheim lag er sogar bei 21 Punkten. Villeneuve konnte die Entscheidung zwar bis zum Saisonfinale in Suzuka tragen, doch die neun Punkte Rückstand dort waren schwierig zu korrigieren.

Ein schlechter Start und ein Ausfall sorgten für klare Verhältnisse. Hill holte sich seinen achten Saisonsieg und am Ende 19 Punkte Vorsprung.

Michael Schumacher: 1994

Vorsprung nach drei Rennen: 23 Punkte (50 Punkte unter aktuellem System)
Ergebnis: Weltmeister

Das erste große Duell zwischen Schumacher und Hill um den Titel fand 1994 statt, allerdings nach einem fulminanten Jahresauftakt des Deutschen, der in den ersten drei Rennen eine perfekte Punktzahl von 30 erzielt hatte.

Ayrton Senna stand in jedem der ersten drei Rennen auf Pole, schied aber in Interlagos und Aida aus, bevor ihm der Unfall in Imola sein Leben nahm. Schumacher siegte bei allen drei Rennen und lag 23 Punkte vor Hill, der Williams nun durch eine überschattete Saison führen musste.

Michael Schumacher und Rubens Barrichello

Michael Schumacher schnappte sich die ersten drei Saisonsiege Zoom Download

Sechs Siege in den ersten sieben Rennen brachten Schumacher kurz vor Saisonhalbzeit einen Vorsprung von 37 Punkten ein. Doch Hill konnte sich durch dessen Disqualifikationen in Silverstone und Spa und einer Sperre von zwei Rennen wieder heranfahren.

Nur ein Punkt trennte beide vor dem letzten Rennen in Adelaide, wo Schumacher nach einer umstrittenen Kollision den Titel gewann. Nach aktuellem System hätte er die Meisterschaft übrigens um 14 Punkte gegen den Briten verloren.

Ayrton Senna: 1991

Vorsprung nach drei Rennen: 20 Punkte (41 Punkte unter aktuellem System)
Ergebnis: Weltmeister

Ayrton Senna war der erste Fahrer, der die drei Auftaktrennen einer Formel-1-Weltmeisterschaft gewinnen konnte - zumindest wenn man einbezieht, dass Alberto Ascari 1953 das Indy 500 ausgelassen hatte. Damit legte er den Grundstein für seinen dritten und letzten Titelgewinn.

Ayrton Senna

Ayrton Senna jubelte 1991 über seinen dritten WM-Titel Zoom Download

Senna münzte die Polepositions in Phoenix, Interlagos und Imola alle in Rennsiege um und hatte dadurch 20 Punkte Vorsprung vor McLaren-Teamkollege Gerhard Berger. Der spätere Vizemeister Nigel Mansell hatte nach drei Ausfällen noch keine Punkte auf dem Konto, konnte sich im Laufe des Jahres aber bis auf acht Punkte heranarbeiten. Überholen konnte er Senna aber nie, der am Ende 24 Punkte Vorsprung hatte.

Was bedeutet das für Leclerc?

Die Quoten scheinen bereits auf Leclercs Seite zu sein, wenn man sich die Fahrer ansieht, die zu Beginn der Saison große Vorsprünge herausgefahren haben. Doch mit Ausnahme von Rosberg und Alonso kamen sie alle in Zeiten, in denen die Zuverlässigkeit für größere Schwankungen in den Punkten sorgte - und sowohl Rosberg als auch Alonso gewannen die Meisterschaft erst im letzten Rennen.


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Doch solange Ferrari sein aktuelles Leistungsniveau im Vergleich zu Red Bull und Mercedes halten kann, wird Leclercs früher Vorsprung ein großer Vorteil sein. Der Kampf zwischen Verstappen und Hamilton im vergangenen Jahr hat bewiesen, dass es bei Schwankungen von sieben Punkten am Stück schwierig sein kann, auf einen Schlag große Abstände zu erzielen, es sei denn, es gibt Überraschungen auf der Strecke oder Zwischenfälle.

Doch da in diesem Jahr noch eine Menge Rennen auf dem Programm stehen, ist es unwahrscheinlich, dass Ferrari und Leclerc an die Geschichte auf ihrer Seite denken. Sie wollen 2022 ihre eigene schreiben.

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