• 18. Mai 2021 · 22:10 Uhr

Red Bull entscheidet sich gegen vollen Fokus auf die Saison 2022

So bewerten Mercedes und Red Bull vor dem Grand Prix von Monaco ihre Chancen in der Formel-1-WM 2022 - Weiterhin gilt: Keiner der beiden will Favorit sein

(Motorsport-Total.com) - Vor dem fünften Rennen der Formel-1-Saison 2021 in Monaco schieben sich die beiden Topteams Mercedes und Red Bull weiterhin gegenseitig die Favoritenrolle zu. Während für Helmut Marko ganz klar ist, dass Mercedes "im Rennspeed schneller" ist als Red Bull, ist Toto Wolff genau anderer Meinung: "In dieser Saison genießen wir es, uns in der Jäger-Rolle zu befinden."

Max Verstappen, Lewis Hamilton

Max Verstappen vor Lewis Hamilton beim Grand Prix von Spanien in Barcelona 2021 Zoom Download

Der Mercedes-Teamchef erklärt: "Monaco ist eine High-Downforce-Strecke, und wir wissen, dass dies eine der Stärken von Red Bull ist. Sie waren im dritten Sektor in Spanien sehr schnell, und das ist oft ein guter Indikator für eine starke Performance in Monaco. Deshalb gehen wir in dem Wissen in das Wochenende, dass sie das Team sein werden, das es zu schlagen gilt."

Marko hält dagegen, dass Lewis Hamilton im ersten Stint beim Grand Prix von Spanien hinter Max Verstappen fahren konnte, obwohl das in der "dirty Air" normalerweise unmöglich sein sollte: "Wenn du innerhalb einer Sekunde locker hinterherfährst, ohne dass die Reifen kaputtgehen", sei das ein klares Indiz dafür, wer das bessere Auto hat, analysiert der Red-Bull-Motorsportkonsulent.

"Dass Hamilton mit seinem Reifensatz so viel schneller ist, dass wir chancenlos dastehen", das sei eine Erkenntnis aus Barcelona, sagt Marko. "Max hat versucht, die Reifen über die Runden zu bringen. Aber nochmal: Das Renntempo der Mercedes war einfach deutlich besser als unseres. Wir standen mehr oder weniger mit dem Rücken zur Wand."

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In der Fahrer-WM steht es nach vier von geplanten 23 Rennen 80:94 aus Red-Bull-Sicht, bei den Konstrukteuren 112:141. Das sei "Gott sei Dank ein Rückstand, der bei der Anzahl der noch ausstehenden Rennen nicht beängstigend ist", hält Marko im Interview mit 'Sky' fest. Aber: "Wir müssen im Rennen Speed finden. Das ist ganz klar." (ANZEIGE: Hol dir die Königsklasse nach Hause und erlebe mit Sky Q alle Rennen live ohne Werbeunterbrechung, in ultrascharfem UHD. Jetzt informieren!)

Daher hat Red Bull, anders als etwa Ferrari, wo zu 95 Prozent am 2022er-Auto gearbeitet wird und die 2021er-Entwicklung praktisch bereits stillsteht, jetzt eine Entscheidung getroffen, wie Marko verrät: "Wir sind bis zur Sommerpause voll in der Entwicklung, sowohl vom 2022er-Modell als auch vom jetzigen."


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Dann werde man sehen, "wie die WM-Situation aussieht. Ich gehe davon aus, dass wir da noch immer eine reelle Chance haben werden. Und dann müssen wir halt den Spagat finden, beide Sachen optimal zu lösen. Aber wir werden nicht die WM gewinnen, wenn wir sagen, wir konzentrieren uns auf 2022", erklärt der Österreicher.

Sein Landsmann Wolff stimmt im Wesentlichen zu, richtet den Blick aber schon etwas weiter nach vorne: "Jede einzelne Woche, die du nicht für 2022 investierst, kostet dich immens Performance, weil die Entwicklungskurve bei einem neuen Reglement viel steiler ist als bei den ausgereiften Regeln, die wir derzeit haben", vermutet er.

"Es geht um marginale Nuancen; es geht darum, Ausfälle zu vermeiden und keine Fehler zu machen und jedes kleine bisschen Performance rauszuholen, das im Auto und in der Powerunit steckt. Ich habe das Gefühl, dass wir am Samstag noch nicht so schnell sind, wie wir gern wären. Aber am Sonntag scheint es besser zu gehen."

"Ich schätze, dass die WM-Entscheidung erst am Saisonende fallen wird, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass einer von uns im Abwägen von 2021 gegen 2022 einen extremen Weg einschlagen wird", sagt Wolff. "Wir können 2021 einfach nicht komplett gehen lassen. Und ich liebe diesen Zweikampf in der Intensität, wie er ist."

Ralf Schumacher: Mercedes ist das komplettere Team

Formel-1-Experte Ralf Schumacher glaubt, dass sich letztendlich wieder Mercedes durchsetzen wird. Er sagt in einem Pressegespräch, das 'Sky' organisiert hat und in der neuesten Ausgabe des 'Zoom-F1-Vodcasts' auf dem YouTube-Kanal von Motorsport-Total.com in Auszügen zu sehen ist: "Ich glaube, das ganze Team ist nicht so weit wie Mercedes."


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Mercedes sei "eine Einheit, wie ein funktionierendes Getriebe. Und auch dieser geniale Stratege, der mit Lewis Hamilton meistens die Kohlen aus dem Feuer holt - das ist etwas, was Red Bull fehlt. Da Max noch sehr jung ist und noch nicht viel mit Erfahrenen zusammengearbeitet hat, kann er dem Team das auch nicht unbedingt geben. Das verlangsamt den Prozess etwas."

"Man muss einfach sagen: Autotechnisch ist Mercedes trotz dieser Rake-Geschichte zumindest auf den schnelleren Kursen echt eine Bank im Moment", findet Schumacher und erörtert: "In Barcelona ist Hamilton teilweise eine Sekunde schneller gefahren, weil er nochmal Gas gegeben hat. Das war schon faszinierend, fast beängstigend zu sehen."

"Beim Test in Bahrain hat Mercedes nicht das wahre Potenzial gezeigt", wirft Red-Bull-Teamchef Christian Horner ein. "Ab dem ersten Rennen in Bahrain waren sie aber voll da, besonders im Renntempo." Seine große Hoffnung: "Wir müssen sicherstellen, dass wir in der zweiten Saisonhälfte voll da sind. Da waren wir in der Vergangenheit meistens stärker."

Das sollte am besten schon in Monaco beginnen. Marko sieht gute Chancen für Verstappen, "wenn wir unsere Qualifying-Stärke behalten. Wenn du in Monaco vorne stehst, bleibst du vorne - da gibt's kein Überholen. Das ist die Hoffnung. Wir haben aber einiges in der Entwicklung. Wie schnell und wie effektiv das kommt, das werden wir nach Monaco sehen", hofft er.

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