• 10. September 2020 · 15:55 Uhr

Perez fühlt sich hintergangen: "Mir hatte niemand etwas gesagt!"

Wie Sergio Perez von seinem Aus bei Racing Point erfahren hat, wie er mit der Situation umgeht und wie er sich nun seine Formel-1-Zukunft vorstellt

(Motorsport-Total.com) - Sergio Perez wirkt geknickt. Und das ist auch kein Wunder: Der mexikanische Rennfahrer hat praktisch über Nacht sein Cockpit bei Racing Point verloren - zwar nicht mit sofortiger Wirkung, aber zum Jahresende. Denn dann übernimmt Sebastian Vettel Perez' Platz im Team und wird neuer Führungsfahrer in dem Formel-1-Team, das dann zu Aston Martin wird.

Sergio Perez

Sergio Perez wirkt sehr enttäuscht über sein plötzliches Aus bei Racing Point Zoom Download

Perez selbst gibt an, nichts von all dem gewusst zu haben. "Mir hatte niemand etwas gesagt", meint er in der Formel-1-Pressekonferenz vor dem Toskana-Grand-Prix in Mugello (hier im Liveticker verfolgen!).

Er habe aber schon vor dem Telefonanruf von Teambesitzer Lawrence Stroll geahnt, was vor sich gehen könnte. O-Ton: "Ich wusste es schon und bin selbst auf ein paar Dinge gekommen. Die finale Bestätigung erfolgte gestern."

Perez reagiert etwas trotzig auf sein Aus

Racing Point hatte Perez wenige Stunden vor der Vettel-Bekanntgabe über das Ende seiner Laufbahn im Team informiert. Und das Aus nimmt Perez sichtlich enttäuscht zu Kenntnis. In der Pressekonferenz macht er einen gequälten Eindruck, auch wenn er von einer drastischen Wortwahl Abstand nimmt.

Dennoch sprechen seine Aussagen Bände: Es sei "okay", dass er 2021 nicht mehr für Racing Point fahre, sagte Perez, etwas trotzig. "Sieben Jahre mit dem Team. Ich weiß, alles hat einen Anfang und ein Ende. Wir haben noch immer neun Rennen, um etwas zu erreichen."


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Ihm missfalle allerdings, dass er offenbar hingehalten worden sei, dass sein Team schon längst ernsthaft mit Vettel verhandelt hatte, ohne ihn mit den Realitäten zu konfrontieren. Er sei deshalb davon ausgegangen: Mehr als Gerüchte seien es nicht, was Vettel mit Racing Point verbinde. Und: Er, Perez, sei weiterhin gesetzt.

Perez: Hingehalten worden von Racing Point?

"Das war die Rückmeldung, die man mir gegeben hatte. Das Team wollte mich behalten und so weiter", erklärte er in Mugello.

"Im Hintergrund liefen ein paar Gespräche über Verträge und dergleichen. Es gab ein paar Sachen im Vertrag, die wir durchgegangen sind. Ich will aber nichts darüber preisgeben. Das sollte zwischen mir und dem Team bleiben."

"Unterm Strich hat man mir erst gestern gesagt, dass ich nicht weitermachen kann. Das hatte ich nicht erwartet", sagt Perez und fügt etwas fatalistisch hinzu: "Es ist, wie es ist."

Ohne Plan B im Herbst der Saison 2020

Er könne die Haltung des Teams sogar nachvollziehen: "Da sind laufende Verhandlungen. Die haben vermutlich länger gedauert, als ich es gedacht hatte. Ein bisschen mehr Klarheit hätte aber wahrscheinlich für meine Zukunft geholfen. Dann hätte ich mich um einen Plan B gekümmert. Das hätte aber wohl auch nichts geändert."


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Einen eben solchen Alternativplan habe er nicht und sehe daher grundsätzlich "alles" als Option, um seine Formel-1-Karriere über 2020 hinaus fortzusetzen. Denn weiter Grands Prix zu bestreiten, das sei "mein Hauptziel", so Perez.

"Ich habe den Eindruck, ich bin noch immer sehr jung und ehrgeizig. Ich will weitermachen in der Formel 1. Es muss aber das richtige Paket sein. Ein Paket, das mir die maximale Motivation verschafft, um in jeder Runde einhundert Prozent zu geben."

Perez will ein langfristiges Projekt über 2022 hinaus

"Es muss außerdem langfristig angelegt sein, mit Blick auf 2022. Ich glaube nämlich, die Regeländerungen werden einen großen Effekt haben. Das ist der Hauptgrund, weshalb ich über 2022 hinaus weitermachen will, denn ich glaube, dann gibt es viele Möglichkeiten."

Theoretisch könnte er für 2021 bei den Ferrari-Kundenteams Haas oder Alfa Romeo andocken, wo man womöglich auch seine mexikanischen Sponsorenmillionen gut gebrauchen könnte.

Eine baldige Entscheidung schließt Perez aber aus: "Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche. Und wenn ich nichts Attraktives in der Formel 1 finde, dann würde ich auch über andere Serien oder Dinge nachdenken. Das werden wir sehen."

Sabbatical kommt nicht in Frage

Ein Sabbatical, also ein Jahr Auszeit, komme für ihn wohl eher nicht in Frage, sagte Perez weiter. "Priorität hat für mich, mindestens einen Zweijahresvertrag zu unterschreiben. Ich will 2022 dabei sein, davor 2021 Erfahrung mit dem [neuen] Team sammeln und einen Übergang für 2022 schaffen."

Sergio Perez

Sergio Perez stand für Force India mehrfach auf dem Podium der Formel 1 Zoom Download

Von einer Formel-1-Auszeit halte er generell nicht viel. "Wenn du einmal raus bist, dann kommst du vielleicht nie mehr zurück", meint Perez. "Dann trete ich lieber gleich ganz zurück statt ein Sabbatical einzulegen."

So oder so: Er blicke mit Stolz auf das gemeinsam Erreichte in der Formel 1 zurück, auch wenn er Racing Point bald verlassen müsse, sagt Perez.

Der Höhepunkt aus seiner Zeit im Team?

"Wir haben einige Podestplätze erzielt, und zwar mit Autos, die eigentlich nicht dazu in der Lage waren. Auch die Konstanz war gut, mit zwei vierten Plätzen in der Konstrukteurswertung, und das mit unserem Budget", erklärt Perez.

Sein Höhepunkt in sieben Jahren aber sei etwas nicht Sportliches, betont er, sondern etwas, "das ich immer in mir tragen werde, nämlich: das Team und so viele Arbeitsplätze gerettet zu haben. Das ist etwas Besonderes für mich", sagt Perez, der maßgeblich an der Abwicklung von Force India und damit am Entstehen von Racing Point mitgewirkt hatte.

Er meint: "Ich werde immer sehr stolz sein auf dieses Team. Es hat eine großartige Zukunft vor sich. Ich wünsche allen nur das Beste."

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