• 29. Juli 2019 · 13:55 Uhr

Trotz Hockenheim-Pleite: Gasly fährt Saison 2019 zu Ende

Pierre Gasly steht bei Helmut Marko und Christian Horner stark in der Kritik, dennoch steht jetzt fest, dass er die Saison 2019 bei Red Bull beenden wird

(Motorsport-Total.com) - Mit 120 Punkten aus elf Rennen ist Charles Leclerc in der WM 2019 aktuell der zweitschlechteste Fahrer aus einem der drei Topteams. Schlechter klassiert ist nur Pierre Gasly, der gerade mal auf 55 Zähler kommt - also auf 34 Prozent des Pensums seines Teamkollegen Max Verstappen und auf weniger als die Hälfte von Leclerc.

Helmut Marko und Pierre Gasly

Helmut Marko ist mit den Leistungen von Pierre Gasly bei Red Bull nicht zufrieden Zoom Download

Auch beim Grand Prix von Deutschland in Hockenheim bekleckerte sich Gasly nicht mit Ruhm. Zuerst crashte er im zweiten Freien Training, dann kassierte er im Qualifying erneut eine Packung von drei Zehntelsekunden vom Teamkollegen, und im Rennen schied er im Kampf um Platz sechs gegen Alexander Albon im vermeintlich unterlegenen Toro Rosso aus, während Verstappen im gleichen Auto wie er an der Spitze Kreise um die Konkurrenz zog.

Trotzdem darf der 23-Jährige die Saison zu Ende bestreiten. Das bestätigt Helmut Marko im Interview mit 'Motorsport-Total.com': "Dieses Jahr ändern wir nichts mehr. Das wollen wir so zu Ende fahren", sagt Red Bulls Motorsportkonsulent. Das bedeutet jedoch nicht, dass Gasly teamintern nicht unter mehr Druck steht. Das sei sogar ganz "sicher" der Fall, unterstreicht er.

Marko bezeichnet Gaslys Kollision mit Albon in der Schlussphase als "unnötig", lässt sich davon aber "so einen tollen Tag nicht verderben". Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost hingegen spricht von einem "Rennunfall. Normalerweise sollten sie wie Teamkollegen zusammenarbeiten. Ich glaube nicht, dass das so gedacht war, aber sie haben sich berührt. Kann schon mal passieren. Es geht schließlich um Sekundenbruchteile."

Horner: Vernichtende Kritik an Gaslys Rennen

Viel vernichtender fällt Christian Horners Urteil über Gaslys Performance in Hockenheim aus: "Beim letzten Re-Start", sagt der Red-Bull-Teamchef, "überholte er zuerst Vettel. Aber dann fuhr er in der ersten Kurve drei Runden hintereinander daneben, und so wurde er von den anderen Autos überholt."

Die anschließende Kollision mit Albon sei "frustrierend" gewesen, sagt Horner, "denn heute wäre eine gute Gelegenheit gewesen, Ferrari Punkte abzunehmen. Statt 20 Punkten haben wir ihnen wieder nur acht abgeknöpft." Horner kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: Platz zwei in der Konstrukteurs-WM (aktuell fehlen 44 Punkte auf Ferrari) sei nur erreichbar, "wenn wir mit zwei Autos Punkten".

Gleichzeitig unterstreicht Tost im Interview mit 'Motorsport-Total.com', dass Kwjat seiner Meinung nach bereit dafür wäre, wieder ins A-Team zu wechseln: "Es ist viel Zeit vergangen. Er hat mehr Erfahrung, weiß jetzt, was er zu tun hat - er hat einen Schritt gemacht."

Er sagt aber auch: "Ich hoffe, dass die Fahrerpaarung bei Red Bull so bleibt, wie sie jetzt ist. Ich würde gern mit unseren Fahrern weitermachen, denn wir haben eine unserer stärksten Paarungen in der Geschichte des Teams. Damit bin ich sehr zufrieden." Sollte Red Bull Kwjat aber abberufen, könnte sich Tost dagegen nicht wehren.

Muss er auch nicht, denn bei Red Bull in Österreich sieht man derzeit keine Alternativen zu Gasly. Die einzige theoretisch denkbare Variante wäre ein Sensationscoup mit Fernando Alonso gewesen, aber der Spanier ist für Honda ein rotes Tuch. Kwjat traut man offenbar nicht zu, bei einem Umstieg mitten in der Saison deutlich bessere Leistungen als Gasly zu bringen.

Tost erklärt: "Pierre ist ein talentierter Fahrer. Er hatte einfach kein Glück, und man darf nicht vergessen, dass Max in seiner fünften Saison im Team etabliert und unglaublich schnell ist. Vielleicht passt das Auto auch nicht so zu Pierres Fahrstil. Aber wenn ihm Red Bull Zeit gibt, wird er da früher oder später hinkommen. Davon bin ich überzeugt."

Kwjat: Fokus liegt auf der Saison 2020

Dass Kwjat selbst davon träumt, bald wieder im Red Bull zu sitzen, ist verständlich. Aber der Russe setzt sich mit diesem Gedanken nicht konkret auseinander: "Wir werden sehen. Die Saison ist noch lang. Ich will einfach nur sicherstellen, dass ich nächstes Jahr wieder mehr solche Chancen bekommen."

Kwjat beschreibt sich als "reifer", mit einem "kühleren Kopf" ausgestattet als früher - insgesamt einfach besser darauf vorbereitet, "an der Spitze mitzufahren. Das habe ich mir heute bewiesen. Ich hoffe, das wird alsbald zur Gewohnheit", sagt er nach seinem dritten Platz in Hockenheim.

Besonders erfreulich aus Red-Bull-Sicht: Kwjat scheint inzwischen auch mit Drucksituationen besser zurechtzukommen. Marko lobt: "Kwjat war schon immer ein super Regenfahrer. Ich habe am Start zu ihm gesagt: 'Das sind heute deine Bedingungen.' Und das hat er optimal umgesetzt."

Vom Titel in der GP3 2013 ins Toro-Rosso-Cockpit 2014, zu Red Bull 2015, wieder zurück zu Toro Rosso und dann ganz raus aus der Formel 1: Der Weg zurück auf das Podium war für den immer noch erst 25-jährigen Familienvater steinig. "Die vergangenen paar Jahres meines Lebens waren schon unglaublich", sagt er.

"Ich dachte, dass die Formel 1 für mich vorbei sei, und vor allem dachte ich, dass ich nie wieder auf dem Podium stehen würde. Aber das beweist, dass alles möglich ist, wenn man hart arbeitet und nicht aufgibt. Es fühlt sich so an, als würde all die Last dieser Jahre von meinen Schultern fallen. Da hat heute jemand die Ketten durchgeschnitten!"

Und es ist wohl auch eine Facette des "neuen Kwjat", dass er mit einem Podium noch lange nicht genug hat: "Es war harte Arbeit, diesen Moment zu erreichen. Hoffentlich sende ich damit auch die Botschaft nach außen, dass ich konstant solche Ergebnisse abliefern kann. Und diese Botschaft kann ich nicht lauter schreien als mit einem Podium wie diesem!"

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