• 23. Mai 2019 · 17:26 Uhr

Toto Wolff: Formel 1 verliert mit Niki Lauda "Herz" und "Seele"

Mercedes-Teamchef Toto Wolff spricht in Monaco erstmals über seine Trauer und den Tod von Niki Lauda - Was er an seinem Freund geschätzt und bewundert hat

(Motorsport-Total.com) - "Es ist schwierig für mich über Niki, diese Ikone der Formel 1, zu sprechen", beginnt Mercedes-Teamchef Toto Wolff sichtlich gezeichnet seine Pressekonferenz am Donnerstag in Monaco. Der Österreicher erzählt mit teilweise zittriger Stimme und Kloß im Hals von seiner Beziehung zu Niki Lauda.

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"Ich denke, er war die größte Ikone, die wir je hatten." Die Emotionen seien für den 47-Jährigen überwältigend. "Die letzten 48 Stunden waren schrecklich, ich fühle mich wie ein Zombie. Ich sehe mir immer wieder die Fotos an und habe jede halbe Stunde Tränen in den Augen, weil er nicht mehr ist."

Eine tiefschwarze Wolke hängt derzeit über ihm. Nicht nur die Formel-1-Gemeinde und der Sport generell vermissen Lauda, sondern vor allem seine engsten Wegbegleiter. "Ich spüre, dass wir das Herz und die Seele der Formel 1 verloren haben."

Laudas letzte Botschaft an Wolff: "Macht weiter so!"

Das letzte Mal habe Wolff nach dem Grand Prix von Aserbaidschan direkt Kontakt zu Lauda gehabt. "Wir haben am Telefon gesprochen und er meinte: 'Macht einfach so weiter. Besser wird es nicht'. Ich habe ihm erklärt, wie das Rennen, das er gesehen hat, abgelaufen ist und auch was als nächstes passieren wird bei der Entwicklung."


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Wolffs Motiv war eindeutig: So viel Normalität wie möglich in das Leben des dreimaligen Weltmeisters bringen. In den vergangenen Tagen habe sich die Situation allerdings zunehmend verschlechtert. Am Montag wurde es dann Gewissheit. Niki Lauda ist nicht mehr.

"Ich habe Montagabend eine Textnachricht von seiner Frau bekommen. Ich war in Paris. Seither bin ich nicht ich selbst. Es fühlt sich surreal an, im Formel-1-Paddock zu sein und Niki nicht mehr am Leben zu wissen." Trotz des Wissens um den schlechten Zustand hat Wolff die Nachricht hart getroffen. Gleiches hat zuvor schon Helmut Marko erzählt.

Lauda als Sparringpartner zu verlieren "das Schlimmste"

"Wie man sich vorstellen kann, ist das sehr schwierig für das Team und uns alle, aber vor allem sehr schwierig als Freund. Es ist kein Einfaches, jetzt zum Racing zurückzukehren, speziell nicht in Monaco, wo es eine so große Medienaufmerksamkeit gibt." Wolff hat sich am Mittwoch noch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, wie auch Lewis Hamilton.

Am Donnerstag wurde den Medien dann die Möglichkeit gegeben, in einer zusätzlichen Pressekonferenz mit Wolff zu sprechen. Für den Wiener ist es vor allem schwierig, das Team nun ohne seinen Mentor weiterzuführen, hält er fest.

"Jetzt damit konfrontiert zu sein, dass er nicht mehr unter uns ist, dass ich ihm nicht mehr schreiben oder nach einem Wochenende nicht mehr mit ihm sprechen kann und kein Feedback mehr erhalte - ihn als Sparringpartner zu verlieren ist das Schlimmste."


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Seine Erinnerung an die gemeinsame Zusammenarbeit? "Es war wundervoll, denn sobald sich Vertrauen eingestellt hat, war er dem Team gegenüber immens loyal. Es war ein riesiger Vorteil, dass wir jemanden hatten, der nicht politisch korrekt sein musste. Niki Lauda konnte sagen, was er wollte."

Das habe zwar manchmal zu grauen Haaren bei Pressechef Bradley Lord und dem Kommunikationsteam des Mercedes-Rennstalls geführt, doch Lauda habe sich nur gedacht: "Na und?" Dem trauert Wolff nun nach: "In unserer Welt heute ist alles so gleichgeschaltet und jeder denkt zweimal nach, bevor er etwas sagt, weil das alles zurückkommen kann und daraus Schlagzeilen gemacht werden."

Laudas Offenheit und Ehrlichkeit bezeichnet er als "erfrischend" und "wichtig für die Formel 1", jemanden zu haben, "den das alles nicht juckt. Das fehlt." Eine weitere Eigenschaft, die Wolff bewundert hat, war der Kampfgeist des Österreichers.

Lauda war "Inbegriff" des Mercedes-Teams

"Eine der größten Charakterzüge von Niki war, dass er niemals aufgehört hat zu kämpfen, daher ist [1976 auf dem Nürburgring] definitiv ein Datum, das in seinem Leben sehr wichtig war. Niki hätte des anders gesehen." Denn Lauda war jemand, der in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit gelebt hat. "Er wollte in Zukunft noch mehr erreichen. Daher glaube ich nicht, dass er es so gesehen hätte."

Während der Pressekonferenz muss Wolff immer wieder kurz innehalten. Er wiederholt mehrfach, wie schwierig diese aktuelle Situation für ihn sei. "Wie schon vorhin gesagt, fällt es mir sehr schwer, über die Person Niki zu sprechen, weil er in allererster Linie mein Freund war und unser Chairman und zu diesem Team gehört, Inbegriff dieses Teams war."


Paddock Monaco: Lauda war "ein anderer Mensch"

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Ihm werde fehlen, wie Lauda in der Früh mit seiner roten Tasche in das Motorhome marschiert und alle zu sich holt. "Was mir persönlich bewusst geworden ist, dass Niki der Mensch war, mit dem ich die meiste Zeit in den letzten fünf, sechs Jahren verbracht habe auf unserer gemeinsamen Reise mit Mercedes in der Formel 1."

Das Mercedes-Team hat nun seinen Mentor, den "Außenminister", die lebende Legende verloren. Auf dem W10 steht am Monaco-Wochenende dessen Unterschrift und "Danke Niki". Ein kleiner Stern auf der Motorabdeckung wird nun für immer in Rot, der Farbe seines Kapperls, erstrahlen. "Niki wird jetzt von oben auf uns schauen, da wird es interessant sein zu sehen, wie dieses Wochenende auf der Strecke läuft." Am Donnerstag dominierte das Team die ersten Trainings.

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