• 12. Januar 2019 · 16:39 Uhr

Renault: Wie Stillstand heute den Erfolg von morgen sicherstellt

Eine Kostendeckelung ab der Formel-1-Saison 2021 könnte es Renault erlauben, "schmerzfrei" zu den Topteams Ferrari, Mercedes und Red Bull aufzuschließen

(Motorsport-Total.com) - Der Weg an die Spitze der Formel 1 ist ein steiniger. Geschenkt gibt es im Grand-Prix-Sport bekanntlich nichts. Doch Renault hofft zumindest auf Schützenhilfe durch das für 2021 geplante neue Reglement. Dann soll in der Formel 1 erstmals eine Kostendeckelung verbindlich werden. Und eben diese könnte bedeuten, dass die Topteams Ferrari, Mercedes und Red Bull erhebliche Einsparungen treffen müssen. Davon will Renault profitieren.

Nico Hülkenberg

Weniger Personal heute könnte sich für Renault bald als großer Segen erweisen Zoom Download

Sportchef Cyril Abiteboul glaubt sogar: Dass Renault der Konkurrenz bei Budget und Manpower derzeit unterlegen ist, wird sich im Zuge des neuen Reglements als Segen erweisen. "Irgendwann kommt die Kostendeckelung. Deshalb wäre es Unsinn, jetzt mehr Ressourcen zu schaffen, wenn wir doch wissen, dass wir sie irgendwann wieder zurückrüsten müssen", erklärt er. "Außerdem wäre es auch ziemlich unprofessionell, jetzt Mitarbeiter einzustellen, die man schon in zwei Jahren wieder entlassen müsste."

Aus diesem Grund meint Abiteboul: Stillstand ist die beste Option für Renault. Weil sich das Team im Vergleich zu Ferrari, Mercedes und Red Bull in der Zukunft eben nicht "gesundschrumpfen" müsste, sondern wie gewohnt weiterarbeiten könnte. "Wir befinden uns nämlich genau an dem Punkt, den die Formel 1 für Werksteams erreichen will", sagt Abiteboul. "Das bedeutet: Wir müssen es hinnehmen, uns nicht mehr weiterzuentwickeln." Was kurzfristig natürlich gewisse Nachteile mit sich bringt, wie der Renault-Sportchef einräumt. Bis einschließlich 2020 befinde man sich wohl im Hintertreffen.

Früher an später denken

"Unser Vorteil aber ist, dass wir [in dieser Zeit] nicht von der Zukunftsplanung abgelenkt werden", sagt Abiteboul. "Wir können uns einfach auf das Racing konzentrieren - und müssen uns nicht Gedanken über einen Entlassungsplan machen. Das wird [die Konkurrenz] erheblich beschäftigen, ganz sicher. Denn diese Teams sind deutlich größer als wir es sind."


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In Zahlen ausgedrückt stellte sich das personelle Kräfteverhältnis in der Saison 2018 so dar: Ferrari und Mercedes kamen inklusive der jeweiligen Motorenabteilung auf je rund 1.350 Angestellte. Bei Red Bull, wo auf einen externen Motorenlieferanten zurückgegriffen wird, sind etwa 750 Mitarbeiter beschäftigt. Und Renault, das wie Ferrari und Mercedes sowohl Auto als auch Motor baut, bringt es auf insgesamt 1.150 Angestellte. Der Unterschied zu den Branchengrößen betrug zuletzt also rund 200 Personen.

Ob das ausreicht, um die von Abiteboul skizzierte Trendwende einzuleiten? Er selbst gibt sich zuversichtlich: "Natürlich gibt es hier Vor- und Nachteile. Aber wir haben einen Plan - und den werden wir auch umsetzen", so der Renault-Sportchef weiter.

Renault erwartet schon 2019 eine Steigerung

Er erhoffe sich ausgehend vom vierten WM-Platz 2018 schon 2019 eine neuerliche Steigerung seines Rennstalls, wenngleich er keine Sensation erwarte. Allerdings gebe ihm die Stimmung im Team "eher Anlass zu Optimismus als zu Sorge", wie er sagt. "Wenn wir [anhand der Daten] keine Verbesserung sehen würden, dann würden wir allmählich nervös werden. Aber du musst natürlich immer vorsichtig sein. Denn du weißt nicht, wie sehr sich die anderen steigern."


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Positiv bemerkbar bei Renault mache sich in jedem Fall die nun abgeschlossene Erweiterung des Teams, meint Abiteboul weiter. "Unsere Leute finden zusammen, sie ziehen an einem Strang", erklärt er. "[Der frühere FIA-Mann] Marcin [Budkowski] leitet wichtige Änderungen ein. Und dank zahlreicher Neuzugänge in [unserem Motorenwerk in] Viry ist dort ebenfalls Stabilität und eine Beschleunigung eingetreten. All das stimmt mich zuversichtlich für 2019."

Renault startet dann mit einem neuen Fahrerduo: Zum bisherigen Stammpiloten Nico Hülkenberg stößt der bisherige Red-Bull-Fahrer Daniel Ricciardo - und damit ein mehrmaliger Grand-Prix-Sieger.

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