• 05. August 2018 · 12:55 Uhr

Hoffnung in Hockenheim: 2018 zeigt Perspektive auf

Erstmals seit über zehn Jahren war das Motodrom beim Formel-1-Rennen in Hockenheim wieder ausverkauft, womit der Kurs Werbung in eigener Sache machte

(Motorsport-Total.com) - Unter die Vorfreude auf den Grand Prix von Deutschland mischte sich am 22. Juli 2018 in Hockenheim auch ein mulmiges Gefühl: Würde es das vorerst letzte Mal sein, dass die Formel 1 dort ein Rennen austrägt? Wohl auch deshalb strömten dieses Jahr viele Fans ins Motodrom, um die Königsklasse noch einmal live zu erleben. Denn ob es auch 2019 ein Deutschland-Rennen geben wird, ist weiter ungewiss.

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Hockenheim hat aber seinen Teil dazu beigetragen, dass die Formel-1-Eigentümer von Liberty Media ernsthaft über die Zukunft ihrer Rennserie in Deutschland nachdenken müssen. "The trend is your friend", heißt schließlich ein englisches Sprichwort. Und demnach kann es sich die Formel 1 nicht leisten, ab sofort einen Bogen um die Autonation schlechthin zu machen. Schon gar nicht, wo die Zuschauerzahlen in Hockenheim erstmals seit Jahren wieder deutlich gestiegen sind: Das legendäre Motodrom, es war erstmals wieder so voll wie zur Schumi-Zeit vor über einem Jahrzehnt!

Mit 71.000 Fans auf den Tribünen hat der Hockenheimring sogar ein besseres Zuschauerergebnis erzielt als im Abschiedsrennen von Michael Schumacher 2006 in Deutschland, als 70.000 auf den Rängen den letzten Heimsieg des siebenmaligen Weltmeisters bejubelten. Danach war die Formel 1 in Hockenheim zwischendurch sogar auf nur 52.000 Besucher abgerutscht - bis zum erfolgreichen "Gegenpendler" in diesem Jahr mit der höchsten Fananwesenheit seit 2005. Deutschland ist Formel-1-müde? Sieht auf einmal nicht mehr so aus!

Oberste Prämisse: keine Verluste mehr!

Wohl auch deshalb blickt Hockenheim-Streckenchef Georg Seiler positiv nach vorne: "Der Zuschaueransturm stimmt natürlich optimistisch für die Zukunft", sagt er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Noch ist aber weiter unklar, ob es zu einer Neuauflage kommen wird. Aber so viel steht schon jetzt fest: Einen "Knebelvertrag" wie zu Zeiten von Bernie Ecclestone unterschreibt Hockenheim nicht noch einmal. Denn Seiler und Co. haben sich auf die Fahnen geschrieben, künftig keine Verluste mehr zu schreiben. "Es funktioniert also nur, wenn Partner da sind, die an die Formel 1 bezahlen oder Risiken abdecken", erklärt er. Millionenschwere Antrittsgebühren ohne Aussicht auf Refinanzierung seien nicht mehr tragbar.


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Zwar schriebe der Hockenheimring, der zu 94 Prozent der Stadt Hockenheim und zu sechs Prozent dem Badischen Motorsport-Club (BMC) gehört, ohne ein Formel-1-Rennen keine Verluste, doch andererseits trägt die Königsklasse wesentlich zum Image der Rennstrecke bei, wie Seiler betont. "Und das ist, was letztendlich zählt. Ich bin schon auch stolz darauf, dass es hier zum 36. Mal ein Formel-1-Rennen gab. Denn wir sind eine Rennstrecke und nicht nur eine Allround-Arena, in der sehr viel stattfindet. Wir wollen hier Motorsport betreiben. Und da gehört die Formel 1 dazu."

Was bedeutet der Porsche-Deal?

Allerdings arbeitet man in Hockenheim bereits an alternativen Modellen, die Zukunft der Rennstrecke sicherzustellen. So wird zum Beispiel schon in Kürze ein Teil der altehrwürdigen Innentribüne im Motodrom abgerissen, um Platz zu schaffen für ein Erlebniszentrum von Porsche. Diese Maßnahme könnte Puristen vor den Kopf schlagen - und kostet in jedem Fall Sitzplätze.

Doch Seiler meint: "Ich sehe es nicht so, dass ein Stück Motodrom weg ist, sondern es belebt das Ganze mit einem schönen weiteren Bild. Das passt dann dazu. Außerdem gibt es keine Veränderungen in der Kapazität, denn unser Fassungsvermögen ist weitaus höher." Es könnten problemlos weitere mobile Tribünen aufgebaut werden, um einer hohen Nachfrage - zum Beispiel für die Formel 1 - Rechnung zu tragen, sagt Seiler.


Fotos: Grand Prix von Deutschland


Und vielleicht ist der Porsche-Neubau auch nur der Anfang einer neuen Strategie für Hockenheim. Seiler schließt nicht aus, dass auf dem Areal der Rennstrecke bald weitere Gebäude dieser Art entstehen könnten - "sicherlich nicht zulasten, sondern zugunsten der Strecke", wie er meint. Denn: "Man braucht auch weitere Wertschöpfung, schließlich hat man Instandhaltungskosten zu tragen und Investitionen zu tätigen."

Der Hockenheimring wird keine Baustelle

Das Zusatzgeschäft wie in diesem Fall mit Porsche sei "angebracht" und der Hockenheimring blicke in dieser Angelegenheit "zuversichtlich nach vorne". Auch, weil bereits weitere potenzielle Partner in Aussicht sehen. "Ich möchte da aber keine Namen nennen", sagt Seiler, verrät aber immerhin: "Es sind nicht unbedingt Automobilunternehmen. Es gibt ja auch noch Zulieferer und dergleichen mehr."

Der Kurs selbst werde - abgesehen vom Teilabriss der Innentribüne - auf absehbare Zeit keine Baustelle werden, sagt Seiler. "Wir sind erst einmal topp aufgestellt." Das Formel-1-Rennwochenende habe dies noch einmal unterstrichen. Außerdem habe der Hockenheimring einen eigenen Charme. "Ich möchte nicht sagen, dass wir eine Anlage haben, die in die Jahre gekommen ist. Es ist vielmehr eine Traditionsstrecke mit anderen Gegebenheiten. Das muss man einfach akzeptieren. Wir sind schließlich nicht Singapur oder Abu Dhabi mit einem Hotel über der Strecke. Wir sind eine schöne, traditionelle, gut funktionierende Rennstrecke."


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Dass es im Motodrom noch Kiesbetten gibt, hat unlängst Sebastian Vettel höchstpersönlich festgestellt, als er in Führung liegend von der Strecke rutschte und ausschied. Als Rennbahn der "alten Schule" steht Hockenheim hoch im Kurs, wenngleich viele Fans die alten Waldgeraden vermissen. Sie wurden im Zuge des Streckenumbaus 2001 teilweise renaturiert. Und im Hardtwald von Hockenheim erinnert inzwischen nicht mehr viel an den einstigen Grand-Prix-Schauplatz (hier auf Spurensuche gehen!), es gibt nicht mal einen Wanderweg rund um den ehemaligen Kursverlauf. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, meint Seiler, der seit gut 40 Jahren am Hockenheimring tätig ist: "Lassen sie vielleicht auch noch meinen Nachfolger noch etwas tun."

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