• 22. Juni 2018 · 19:32 Uhr

Red Bull betont: "Honda ist überhaupt kein Risiko für uns"

Christian Horner, Red-Bull-Teamchef, erklärt ausführlich, welche Überlegungen beim Honda-Motorendeal eine Rolle gespielt haben & warum kein zweites Debakel droht

(Motorsport-Total.com) - Auch drei Tage nach der offiziellen Bekanntgabe ist der Motoren-Deal zwischen Red Bull und Honda eines der Gesprächsthemen im Fahrerlager. Ab 2019 wird der viermalige Weltmeister mit japanischen Antriebseinheiten ausgestattet werden. Christian Horner erklärt im Detail, warum man sich nun gegen Renault und für die riskante Alternative entschieden hat. Vor allem der Wunsch, wieder der einzige Kunde zu sein, schien in der Überlegung eine wesentliche Rolle gespielt zu haben.

Christian Horner

Red-Bull-Teamchef Christian Horner freut sich über den Honda-Deal Zoom Download

"Wir werden auf unsere Zeit mit Renault zurückblicken und sehen, dass es viele Höhen und manche Tiefen gab, aber insgesamt war das eine sehr erfolgreiche Partnerschaft", stimmt Red-Bull-Teamchef Horner versöhnliche Töne an. "Es hat gezeigt, dass man als Kunde gewinnen kann. Nun hat sich unsere Situation etwas geändert, da Cyril (Abiteboul, Renault-Teammanager; Anm. d. Red.) sein eigenes Team hat. Auch die Motoren sind komplexer geworden, daher konzentriert er sich bei der Integration auf sein Team", erklärt der Brite.

Red Bull spielt als Kundenteam hinter dem Renault-Werksteam nur noch die zweite Geige. Bei dem Bau der Antriebseinheit hat man kein Mitspracherecht, sondern bekommt das fertige Produkt aus Viry-Chatillon geliefert. Horner fährt fort: "Allerdings sind wir ja alle etwas egoistisch und möchten natürlich, dass auf die eigenen Bedürfnisse geschaut wird. Die Partnerschaft mit Honda erlaubt es uns, dass man sich voll und ganz auf Red Bull fokussiert."

"Aus Ingenieurssicht war es eine klare Sache"

Allerdings hält der Brite im gleichen Atemzug auch fest, dass Red Bull von Renault nie benachteiligt wurde. "Sie haben es immer sehr gut geschafft, Gleichstellung herzustellen, wenn es um das neue Equipment gegangen ist. Und wir haben keinen Grund zur Annahme, dass sich das bis Saisonende ändern wird." Demnach hofft Red Bull bis zum 21. Saisonrennen, dass man weiterhin in den Genuss von Renault-Updates kommt.

"Die Motoren sind identisch. Ich zweifle nicht daran, dass wir genau gleich betreut werden wie in den vergangenen zwölf Jahren", bekräftigte der Brite gegenüber 'Sky Sports F1'. "Sie werden mit uns natürlich nicht über 2019 sprechen. Aber das gilt auch für uns", schmunzelt er. Schon in Kanada kam Red Bull in den Genuss eines Updates, auch Honda präsentierte eine Weiterentwicklung. Red Bull nützte beide Antriebs-Updates als Entscheidungshilfe.

"Es hat eine Weile gedauert, um die Daten zu bewerten, die Toro Rosso mit den Honda-Updates in Montreal erhoben hat. Am Ende war es aus Ingenieurssicht eine klare Sache. Wir wussten: Das ist der richtige Weg für uns", stellt er klar. Honda sorge für den erhofften frischen Wind nach zwölf Jahren Ehe mit Renault und sei laut dem Red-Bull-Verantwortlichen "eindeutig die richtige Wahl". Sorge, dass ein Debakel wie bei McLaren (2015 bis 2017) drohen könnte, hat man bei den Österreichern nicht.

"Komplett andere Situation" als bei McLaren 2015

Honda sei gereift, die Partnerschaft mit McLaren sei eine "komplett andere Situation" gewesen. "Unser Mantra lautet: Baut den bestmöglichen Motor, wir schränken euch nirgends ein, was den Einbau angeht. Wir kriegen das schon hin. Sie haben talentierte Leute engagiert, arbeiten mit Spezialisten zusammen. Und die Fortschritte sind offensichtlich", begründet Horner seinen Glauben. Außerdem fügt er hinzu, dass man bei McLaren auch nach dem Umstieg auf Renault-Motoren keinen großen Fortschritt erkennen könne. Daher sei er überhaupt nicht beunruhigt. "Honda ist überhaupt kein Risiko für uns."


Fotos: Red Bull, Grand Prix von Frankreich


"Wir wollen natürlich keinen Schritt rückwärts machen. Wir wollen vorwärts kommen, das ist der Grund für den Wandel. Wir glauben, dass das der richtige Weg ist, um Ferrari und Mercedes konstant herausfordern zu können." Denn trotz der Exklusivität, die Red Bull bald wieder genießen wird, bleibt man Kundenteam - wie auch Schwesterteam Toro Rosso. 2014, 2015 und 2017 fuhren die beiden Teams mit derselben Antriebseinheit. Könnte Red Bull nun eine Art Ferrari-Haas-Modell anstreben? "Nicht ganz Haas-Ferrari, weil Toro Rosso ja eine eigene Infrastruktur hat, aber natürlich gibt es Synergien, die mit einem gemeinsamen Motorenlieferanten einhergehen - alles was in den Regeln erlaubt ist (Kraftübertragung, Antrieb und so weiter)."

Neben dem Exklusivitätsfaktor und der aufstrebenden Form von Honda gibt es einen weiteren zentralen Punkt, der in die Entscheidungsfindung hineingespielt hat. Schließlich hat Red Bull nicht nur eine rein technische, sportliche Entscheidung getroffen, sondern auch einen kommerziellen, finanziellen Entschluss gefasst. Horner verrät: "Wir werden nicht jene Summen zahlen, die Renault von uns bekommen hat, allerdings sind auch Kosten involviert, wie Prüfstände oder Getriebe."

Thema Geld: "Nettogewinn wird ins Chassis investiert"

Das Geld, das man durch den Honda-Deal einspart, wird aber wieder in das Team investiert. "Es gibt einen Nettogewinn. Wir können mehr Geld in das Chassis investieren." Auf der anderen Seite versucht Renault-Teammanager Cyril Abiteboul klarzustellen, dass auch Renault nicht negativ aussteigt. "Das Ende des Deals hat nur sehr geringe Auswirkungen auf unser Budget. Ja, eine wesentliche Einnahmequelle war durch die Belieferung garantiert, aber auch Kosten waren damit verbunden. Unterm Strich kommt also eine Null heraus." Viel eher fehle Renault nun eine starke Messlatte für die eigene Entwicklung.

Red Bull hat bei dem Deal allerdings nicht nur auf die kurzfristige Zukunft 2019 und 2020 geblickt, denn durch das neue Motorenreglement 2021 steht man vor einer ungewissen Zukunft. Dann werden die Karten erneut neu gemischt. Horner gibt sogar zu: "Bei der Entscheidung haben wir mit einem Auge auch darauf geschaut, was nach 2020 passieren könnte." Dann könnte womöglich auch die Marke Aston Martin eine tragende Rolle spielen. Vorstand Andy Palmer hat bereits bestätigt, dass man den Honda-Deal unterstütze und der Red-Bull-Teamchef merkt an: "Sie sind mehr als glücklich."

Bleibt die Frage, ob ein Kundenteam in naher Zukunft wieder einen WM-Titel gewinnen kann? "Christian zeigt, dass man Rennen gewinnen kann als Kunde. Für einen Titel braucht es aber noch mehr, ich glaube einen Werksteam-Status", ist McLaren-Rennleiter Eric Boullier überzeugt. Nach "vier verschiedenen Managements" bei Renault - angefangen bei dem schillernden Flavio Briatore - löst sich Red Bull nun vom Langzeitpartner und könnte damit auch eine Fahrerkarriere mitbestimmt haben. Denn Daniel Ricciardo überlegt immer noch, wo er in der kommenden Saison fahren soll.

Der Australier hat sich zunächst zurückhaltend zu dem Honda-Deal geäußert. Er könnte 2019 womöglich auch in einem Ferrari- oder Mercedes-betriebenen Auto Platz nehmen. Feststeht, dass die Motoren-Entscheidung auch Ricciardos persönliche Karriere beeinflussen wird. "Daniel weiß, dass der Hintergrund dieser Entscheidung ist, uns in die bestmögliche Lage zu bringen. Das ist auch in seinem Interesse. Er kennt die Hintergründe, hat selbst einige Enttäuschungen erlebt, die Höhen und Tiefen. Er weiß, wie ambitioniert dieses Team ist. Das war keine leichtfertige Entscheidung. Wir haben verdammt intensiv darüber nachgedacht. Er versteht den Gedanken und die Ratio dahinter." Dann müsste er bald zu einer finalen Entscheidung kommen können ...

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