• 27. Februar 2017 · 12:29 Uhr

Formel-1-Technik 2017: Warum Red Bull in der Nase bohrte

Adrian Neweys Red Bull RB13 in der Technikanalyse: Welchem Zweck das Nasenloch dient, was an den Seitenkästen auffällt und wo demnächst Updates zu erwarten sind

(Motorsport-Total.com) - Auch dieses Jahr erweist sich Red Bull als Weltmeister der Geheimniskrämerei. Während andere Rennställe ihre Boliden vor Journalisten enthüllten oder zumindest einige Fotos veröffentlichten, konnte man den neuen RB13 zunächst nur auf einem Video begutachten. Die Perspektive und das mangelnde Licht der Scheinwerfer sorgten dafür, dass die Geheimnisse im Verborgenen blieben.

Red Bull, RB13

Der neue RB13 besticht durch sein Nasenloch und schlanke Seitenkästen Zoom Download

Und auch beim Testauftakt in Barcelona ging es in ähnlicher Tonart weiter: Als Daniel Ricciardos Bolide nach einem Defekt an die Box zurückgebracht wurde, verdeckte die Abdeckplane sogar den Unterboden. Wir haben uns den neuen RB13 trotzdem genauer angeschaut.

Das auffälligste Detail der neuen Kreation von Stardesigner Adrian Newey ist das Loch in der Nase, das sofort für Diskussion sorgte. Ist es der Einlass für den S-Schacht, auf den auch dieses Jahr die meisten Teams setzen und der die vom Frontflügel verwirbelte Luft beruhigen soll? Unwahrscheinlich, denn die Nasenspitze mit dem Loch befindet sich vor dem Frontflügel. Der S-Schacht-Einlass muss also wie bei den anderen Teams unter der Nase und nach dem Flügel angebracht sein. Die Luft tritt auf der Nase hinter den Sponsorenlogos wieder aus.

Nasenloch kein S-Schacht

Das lüftet aber noch immer nicht das Geheimnis um das Nasenloch. Alles deutet darauf hin, dass Newey mit der Öffnung die Luft nach hinten beschleunigen will. Auch dieses Jahr setzt der Brite wieder auf sein bewährtes Konzept, das Heck anzustellen und so viel Luft wie möglich unter das Auto zu bringen, damit der Unterboden einen Saugeffekt produziert und der dieses Jahr durch die Reglementänderungen vergrößerte Diffusor besser arbeitet.

Daniel Ricciardo

Auf die Idee mit dem Nasenloch kam bislang nur Adrian Newey Zoom Download

Da der Mercedes-Bolide aller Voraussicht nach auch dieses Jahr den deutlich stärkeren Motor hat, muss Red Bull so viel Abtrieb wie möglich über den Unterboden aufbauen. Das erlaubt es der einstigen Weltmeistertruppe, die Flügel etwas flacher zu stellen und so auf der Geraden bei der Höchstgeschwindigkeit trotzdem halbwegs mithalten zu können.

Interessant ist, dass das Reglement vorgibt, dass Lufteinlässe in der Nase des Autos nur erlaubt sind, wenn sie der Kühlung des Fahrers dienen. Es ist durchaus möglich, dass Newey auch dieser Bedingung entspricht, obwohl wenig darauf hindeutet, dass Kühlung die Hauptabsicht hinter der technischen Innovation ist.

Newey setzt auf extrem schlanke Seitenkästen

Daniel Ricciardo

Unterboden-Einbuchtung und schlankes Heck: Der RB13 trägt Neweys Handschrift Zoom Download

Was sonst noch auffällt: Der RB13 ist bei den Seitenkästen und im Heck unglaublich schlank gebaut. Der Einbau der Komponenten zugunsten einer optimalen Aerodynamik war seit jeher eine der Spezialitäten Neweys - bei seinem neuesten Werk scheint er wieder einmal neue Maßstäbe gesetzt zu haben.

Die Tests werden zeigen, ob die kleinen Kühllufteinlässe bei den Seitenkästen ausreichen. Sollte dies aber nicht der Fall sein, wäre Red Bull dank seiner enormen Ressourcen in der Lage, rechtzeitig zu reagieren, man würde aber wertvolle Zeit verlieren. Dank der schlanken und tief eingezogenen Seitenkästen bleiben große Flächen des Unterbodens, dessen Einbuchtung aus der Vogelperspektive sichtbar wird, ungenutzt. Damit versucht Newey vermutlich, den Unterboden seitlich abzudichten, um den Saugeffekt trotz der Anstellung des Autos zu vergrößern.

Kein Flügelsalat auf Cockpithöhe

Während Teams wie Ferrari oder McLaren vor den Seitenkästen und im Bereich der Bargeboards enorme Liebe zum Detail zeigen und einen wahren Flügelsalat präsentieren, wirkt das Red-Bull-Konzept überraschend simpel. Und zwar nicht nur auf dem Präsentationsvideo, sondern auch bei der Version des Boliden, mit der man den Testauftakt bestreitet.

Das muss aber keine große Bedeutung haben, denn Newey hat sicher noch einige Tricks im Köcher: Möglicherweise schaut der RB13 in diesem Bereich in der zweiten Testwoche schon ganz anders aus.

Nicht anders als die Konkurrenz sieht der Bolide hinter der Airbox aus: Auch der neue Hoffnungsträger von Daniel Ricciardo und Max Verstappen kommt nicht ohne der überdimensionalen Finne aus, die zum prägenden Merkmal der neuen Bolidengeneration geworden ist. Das ästhetisch umstrittene Teil wurde übrigens 2008 erstmals in dieser Form in der Formel 1 gesichtet - bei Neweys Red Bull RB4.

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