• 24. November 2015 · 09:58 Uhr

2012: Ein Abu-Dhabi-Grand-Prix für die Ewigkeit

Die unerwartete Aufholjagd von Sebastian Vettel und ein energischer Kimi Räikkönen sorgen in Abu Dhabi 2012 für Spektakel: Iceman-Sprüche werden Kult

(Motorsport-Total.com) - Sebastian Vettel gegen Fernando Alonso: Die Schlussphase der Formel-1-Weltmeisterschaft 2012 steht ganz im Zeichen des Titelduells der zweimaligen Weltmeister, als der Zirkus zum insgesamt vierten Mal zum Glitzerevent nach Abu Dhabi reist. Anders als 2009 oder 2010 bildet der Event nicht das Saisonfinale, dennoch ist die Situation auf dem Yas Marina Circuit spannender als in allen Jahren danach.

Kimi Räikkönen, Sebastian Vettel

Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel gehören die Schlagzeilen Zoom Download

Nur 13 Punkte trennen Vettel und Alonso vor dem drittletzten Saisonlauf, doch das Momentum liegt eindeutig auf der Seite des Deutschen, der vier Rennen zuvor noch mit 39 Punkten Rückstand auf dem vierten Platz der Gesamtwertung lag. Vier Siege in Folge lassen den Red-Bull-Piloten als Favorit in den Nahen Osten reisen, doch schon nach dem Samstag ist die Situation eine komplett andere. Zwar landet Vettel in der Qualifikation mit Rang drei hinter Lewis Hamilton (McLaren) und Teamkollege Mark Webber einen Erfolg gegen den Spanier, der nur Siebter wird, doch die Freude währt nicht lange.

Auf seiner Auslaufrunde rollt der Heppenheimer aus, weil kein Benzin mehr in seinem Red Bull steckt. Weil das gegen die Regeln ist, wird Vettel von Rang drei ans Ende des Feldes versetzt. Statt einen guten Vorteil gegenüber Ferrari-Pilot Alonso zu haben, sieht er sich nun einem deutlichen Nachteil ausgesetzt. Red Bull entscheidet sich, das Setup des Autos umzubauen und Vettel dadurch aus der Boxengasse loszuschicken - ein guter Schachzug, wie sich später erweist.

Vettel zwischen Glück und Können

Der Deutsche mag zwar zu diesem Zeitpunkt zweimaliger Weltmeister sein, dennoch haftet ihm der Ruf an, dass er in seinem Red Bull nur von vorne gewinnen kann. Auch sein RB8 tut sein Übriges dazu, denn bekanntlich ist Topspeed nicht gerade die Stärke der Bullen - Kurven liegen den Boliden aus der Feder von Adrian Newey von Natur aus mehr. Doch an diesem 4. November zeigt sich das andere Gesicht von Sebastian Vettel und Red Bull.

Bruno Senna, Sebastian Vettel

Bruno Senna wird zum ersten Hindernis bei der Aufholjagd des Deutschen Zoom Download

Von ganz hinten fährt er sich noch bis auf Rang drei nach vorne und betreibt damit Schadensbegrenzung, weil er auf den zweitplatzierten Alonso nur drei Zähler verliert. Allerdings muss an diesem Tag die Bedeutung von "Glück im Unglück" ebenfalls neu in den Duden aufgenommen werden, denn im Grunde läuft vieles gegen Vettel - aber noch mehr für ihn. Zum einen nehmen sich viele Gegner mit Unfällen selbst aus dem Rennen, zum anderen spielt ihm der Rennverlauf deutlich in die Karten.

Schon in der Anfangsphase beschädigt sich der Deutsche seinen Frontflügel am Williams von Bruno Senna, nur kurze Zeit später ist dieser vollkommen im Eimer. "Schuld" ist ausgerechnet sein späterer Teamkollege Daniel Ricciardo (Toro Rosso), der in der ersten Safety-Car-Phase, die durch einen spektakulären Unfall von Nico Rosberg (Mercedes) und Narain Karthikeyan (HRT) ausgelöst wird, überraschend bremst.

Ärger um Daniel Ricciardo

"Was macht der Kerl? Der hält ja ständig an", brüllt Vettel durch den Funk, als er dem Australier ausweichen muss und gegen das DRS-Styroporschild knallt. Nach dem fälligen Reparaturstopp muss eine zweite Aufholjagd her. Das Mittelfeld ist für den Red-Bull-Piloten kaum ein Problem, und weil Spitzenreiter Lewis Hamilton ausrollt und die Kämpfe der Gegner einige Opfer fordern, findet sich Vettel auch nach seinem zweiten Boxenstopp in Runde 37 bereits auf Platz vier wieder.


Fotostrecke: FIA-Fast-Facts: Abu Dhabi

Und erneut spielt das Glück in die Hände des Deutschen. Sergio Perez (Sauber) und Romain Grosjean (Lotus) kollidieren nur eine Runde später und reißen dabei auch Vettels Teamkollege Webber ins Aus. Durch das folgende Safety-Car ist Vettel in Schlagdistanz zur Spitze um Kimi Räikkönen (Lotus), Alonso und Jenson Button (McLaren) - und im Gegensatz zur Konkurrenz hat er sich gerade weiche Reifen abgeholt, während die anderen auf der härteren Mischung durchhalten wollen.

Doch Jenson Button erweist sich als zäher Gegner. Trotz umgebautem Setup und DRS kann Vettel nicht am Briten vorbeigehen, weil dieser mit Alonso vor der Nase ebenfalls die Überholhilfe nutzen kann. Erst als sich der Spanier aus dem berühmten Sekundenbereich entfernen kann, schlägt die Stunde des Deutschen. In einem fairen, aber sehenswerten Manöver geht er drei Runden vor Schluss am McLaren vorbei und beweist damit seine Überholqualitäten. Zudem reduziert er mit den drei zusätzlichen Punkten den Schaden in der WM auf ein Minimum - am Ende hat er genau drei Zähler Vorsprung.

Kimi wird Kult

Der eigentliche Star ist an diesem Tag aber nicht Sebastian Vettel - es ist Kimi Räikkönen! Der "Iceman" zeigt in Abu Dhabi, dass er nach seinem Comeback für Lotus nichts von seinen Qualitäten eingebüßt hat. Mit 0,8 Sekunden Vorsprung holt sich der Finne seinen ersten Sieg seit 2009 - und den ersten der Marke Lotus seit Ayrton Senna 1987. Doch noch mehr als sein Sieg bleiben seine Sprüche in Erinnerung.

Fans von Kimi Räikkönen

Kimi Räikkönen schafft mit seinen Sprüchen einen neuen Kult Zoom Download

Berühmt und beliebt ist der Weltmeister auch bereits vor dem Abu-Dhabi-Grand-Prix, doch der Kult um den "Iceman" hat nach dem Rennen noch einmal neue Höhen erreicht. "Leave me alone. I know what I'm doing", raunzt der Finne auf seinem Weg zum Sieg in den Funk und deutet seinem Renningenieur damit an, dass er ihn mit seinen ständigen Anweisungen in Ruhe lassen soll - und kreiert damit einen neuen Leitsatz, der untrennbar mit ihm verbunden ist.

Ob T-Shirts, Tassen oder Poster: "Lasst mich in Ruhe" wird zum beliebten Merchandising-Schlager, auf den sicherlich auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone neidisch wäre. Doch Räikkönen ist an diesem Tag in seinem Element: "Ja, ja, ja. Mach ich doch die ganze Zeit. Du musst mich nicht aller zehn Sekunden erinnern", wird ebenfalls zum Kult, weil der Finne genervt von der Anweisung ist, die Reifen zu schonen. Und so wird Abu Dhabi 2012 aus vielen Gründen unvergesslich bleiben.

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