Eau Rouge andersrum? Für Surer "ein Wahnsinn"

Bruno Senna hat es schon mal probiert, aber Eau Rouge in einem Formel-1-Rennen rückwärts zu fahren, wäre laut Experte Marc Surer viel zu gefährlich

von Rebecca Friese · 22.08.2014 17:27

(Motorsport-Total.com) - Ist sie noch eine Herausforderung oder etwas für Sonntagsfahrer? Braucht es noch Mut oder nur die richtige Linie? Vollgas oder Gleitflug? Jahr für Jahr, wenn es auf den Grand Prix von Belgien zugeht, wird vor allem viel über die Eau Rouge geschrieben - eine der schönsten, berühmtesten und berüchtigtsten Kurven, die der Formel-1-Kalender zu bieten hat. Wie wäre es also mal mit einer anderen Perspektive? Was wäre, wenn man die Strecke von Spa-Francorchamps andersherum fahren würde?

Bergab in der Eau Rouge: Onboard mit Bruno Senna bei seinem Experiment

"Das wäre Wahnsinn", findet Formel-1-Experte und Ex-Grand-Prix-Pilot Marc Surer. "Du würdest diese lange Gerade vorher haben und ins Leere fahren." In der Tat könnte man auf der Kemmel-Geraden wohl gut Geschwindigkeit aufbauen, bevor man auf die aktuelle Kurve 5 trifft und es dann bergab gehen würde.

"Abheben würde man wohl nicht, wegen des Abtriebs", räumt Surer ein. "Also: Natürlich könnte man theoretisch in entgegengesetzter Richtung fahren, aber man würde blind in die Eau Rouge einlenken, und zwar nach rechts. Raidillon heißt diese Stelle. Das Auto wäre sehr instabil. Ich hätte da kein gutes Gefühl!" Denn wie jeder Autofahrer weiß, Bergab-Passagen sind doch eine ganz andere Herausforderung, als wenn es einsichtig bergauf geht.

Doch die Streckenbauer werden sich schon etwas dabei gedacht haben, auch bei der Richtung. Ganz abgesehen davon besaß die Strecke bis 1939 noch einen scharfen Linksknick nach der Eau Rouge, die zugunsten der Hochgeschwindigkeit dann durch die Raidillon ersetzt wurde. Wie jede Strecke, die um einen Verbleib im Grand-Prix-Kalender kämpft, befindet sich auch Spa in einem Spagat zwischen Sicherheit und Spektakel - und rückwärts wird auf dem Kurs allerhöchstens zu Demozwecken gefahren.

Bruno Senna On Board R30 during WSR at Spa Francorchamps

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Das hat es übrigens tatsächlich schon gegeben: 2011 nahm Bruno Senna seine Handykamera und filmte aus dem Cockpit, wie er die Eau Rouge in einem Renault R30 in Lotus-Farben zuerst vor- und dann rückwärts meisterte. "Innerhalb sicherer Grenzen und nicht Vollgas", wie er auf seinem YouTube-Channel versichert. Für Aufsehen sorgte die spektakuläre Aktion aber allemal.

Der Grand Prix von Belgien fand 1950 zum ersten Mal in Spa-Francorchamps statt. Ende der 1960er-Jahre wurde der Hochgeschwindigkeitskurs jedoch als zu gefährlich befunden und erst nach Umbauarbeiten 1983 wieder in den Formel-1-Kalender aufgenommen. Für eine erneute Modernisierung der Strecke setzte das Rennen in den Ardennen in der Saison 2006 noch einmal aus.