• 30. Oktober 2023 · 04:09 Uhr

Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat: Daniel Ricciardo

Warum AlphaTauri-Fahrer Daniel Ricciardo nach einem blitzsauberen Wochenende in Mexiko der vielleicht größte Gewinner der Formel 1 ist und wie sein Team profitiert

(Motorsport-Total.com) - Hand hoch, liebe Leser, wer Daniel Ricciardo schon abgeschrieben hatte. Man könnte es jedenfalls niemandem verdenken. Denn schon bei Renault war er nicht mehr in Topform unterwegs gewesen und bei McLaren noch viel weniger. Ob er es als Ersatzmann bei AlphaTauri überhaupt noch halbwegs "drauf" haben würde? Diese Frage hat Ricciardo in Mexiko eindrucksvoll beantwortet.

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Daniel Ricciardo mit seinem Markenzeichen: dem breiten Grinsen Zoom Download

Schauen wir uns sein Wochenende mal genau an: Achter im ersten Training, Sechster im zweiten Training, Neunter im dritten Training sowie Dritter, Vierter und Vierter in den drei Qualifying-Segmenten und schließlich noch Siebter im Rennen.

AlphaTauri macht einen Sprung in der WM-Tabelle

Das kann sich sehen lassen, vor allem für das Team, das bis zum Mexiko-Grand-Prix den zehnten und damit letzten Platz in der Formel-1-Konstrukteurswertung belegt hatte, mit wohl einem der schlechtesten Autos der Saison 2023.

Aber auf einmal ist AlphaTauri wieder da, hat durch die sechs Punkte von Ricciardo einen Sprung gemacht in der Tabelle und liegt jetzt an achter Stelle, punktgleich mit Alfa Romeo, aber dank der besseren Einzelergebnisse eben einen Platz davor.

Keine große Sache? Weit gefehlt: Das "Kellerduell" der Formel 1 ist hochdotiert. Zwei Plätze weiter vorne gewertet zu werden, das kann rund 20 Millionen Euro mehr Preisgeld bedeuten. Und das ist viel für ein Team im hinteren Mittelfeld, vielleicht sogar entscheidend für den Verlauf der nächstjährigen Rennsaison.

Wie ist ein solches Ergebnis möglich?

Da stellt man sich natürlich vor allem eine Frage: Wie um alles in der Welt hat Ricciardo das geschafft?

Denn in der modernen Formel 1 gondelt nicht einfach so eines der schwächsten Autos auf einmal ganz vorne mit. Aber genau das hat Ricciardo in Mexiko hingekriegt: Er kam 0,5 Sekunden hinter einem Mercedes ins Ziel und 1,5 Sekunden vor einem McLaren. Das ist schwer in Ordnung.

Das Autodromo Hermanos Rodriguez in Mexiko-Stadt zählt aber seit jeher zu den stärkeren Strecken von Ricciardo (mehr dazu in der Formel-1-Datenbank!). Dort hat er 2018 - gegen Max Verstappen im Schwesterauto - seine bis dato letzte Poleposition erzielt und immerhin in fünf von acht Grands Prix eine Punkteposition herausgefahren, stand 2016 auch als Dritter auf dem Treppchen.

Und AlphaTauri scheint die Höhenluft ebenfalls gutzutun: Vor allem die Honda-Antriebe dürften dem Team in Mexiko zum Vorteil gereicht haben. Außerdem verfügt der AT04 laut Chefingenieur Jonathan Eddolls über den für diesen Kurs idealen Anpressdruck in den Kurven. Er meint: Mexiko-Stadt sei eine der wenigen echten Paradestrecken für das Fahrzeug. Und all das hat Ricciardo ausgenutzt.

Ein Fingerzeig in Richtung Red Bull

Für den Formel-1-Rückkehrer ist es die heiß ersehnte Bestätigung, nichts verlernt zu haben. Er erfüllt damit genau die Erwartungshaltung, die Red Bull an sein Comeback gestellt hat: Dass Ricciardo als erfahrener Mann das AlphaTauri-Team tatkräftig unterstützt und sich gleichzeitig "warmfahren" kann für eine mögliche Zukunft für Red Bull, sollte dort einmal die Frage nach einem Nachfolger für Sergio Perez gestellt werden.

Aber das hat Teamchef Christian Horner schon vor Mexiko betont: Perez wird für 2024 nicht ausgemustert, ob er nun WM-Zweiter wird oder nicht. Das Team will am Perez-Vertrag festhalten und ihn auch nächstes Jahr fahren lassen. Das ist zumindest der Plan.


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Ricciardo wird also wohl nicht mit einem siebten Platz in Mexiko das Ticket zurück in die allererste Reihe gelöst haben. Schaden wird ihm diese Leistung allerdings auch nicht.

Vor allem nicht, wenn man bedenkt, was sich Perez im gleichen Rennen geleistet hat: einen ungestümen Angriff in der ersten Kurve, womit er ein mögliches Podestergebnis im Seitenkasten des Ferrari von Charles Leclerc versenkt hat. Da hat er einfach zu viel gewollt und gar nichts gekriegt. Umso krasser fällt der Kontrast zu Ricciardo aus, der in Mexiko alles richtig gemacht hat.

Da muss jetzt aber noch mehr kommen!

Aber wie heißt es so schön? Im Motorsport bist du immer nur so gut wie dein letztes Rennen. Deshalb darf Ricciardo zwar zufrieden sein, zumal mit dem zweiten Grand Prix nach seiner Verletzungspause und dem erst fünften Einsatz überhaupt für AlphaTauri in der Saison 2023.

Das Problem ist nur: Damit setzt er die Messlatte für sich selbst ganz schön hoch. Denn künftig muss sich Ricciardo an eben dieser Leistung messen lassen und sie im besten Fall andernorts reproduzieren. Nur so hat er überhaupt eine Chance, Perez bei Red Bull beerben. Denn dessen großes Manko ist (neben dem fehlenden Speed gegenüber Verstappen) die Konstanz. Auch hier könnte Ricciardo punkten.

Mit diesen Hausaufgaben im Gepäck reist Ricciardo also weiter nach Brasilien. Und mindestens bis zum ersten Freien Training dort dürfte er das breiteste Grinsen der Formel 1 im Gesicht tragen, in dem Wissen, ein ganz wichtiges Ergebnis eingefahren zu haben - für AlphaTauri, aber vor allem für sich selbst. Damit hat er nach dem Mexiko-Grand-Prix 2023 sicher sehr gut geschlafen.

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Und wer nach dem Rennen in Mexiko gar nicht gut geschlafen hat? Das erfahrt ihr wie immer in der Schwesterkolumne von Chefredakteur Christian Nimmervoll.

Euer Stefan Ehlen

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