Albon erklärt: Darum hat Williams auf Outlaps immer einen Nachteil
Alexander Albon war nach seinem Q2-Aus mächtig sauer und hadert mit Williams' Outlap-Taktik: Die ist für den Rennstall nämlich ein großes Problem
(Motorsport-Total.com) - "Ihr wollt mich doch verarschen! Oh mein Gott! Überhaupt keine Reifen", schimpfte Alexander Albon nach seinem ernüchternden 15. Platz beim Qualifying zum Formel-1-Rennen in Zandvoort (hier live im Ticker verfolgen) am Funk, nur um hinterherzuschießen: "Warum tun wir uns das selbst an?"
Der Thailänder war wieder einmal überhaupt nicht zufrieden damit, wie Williams das Qualifying gemanagt hat. Denn seine Reifentemperaturen waren beim entscheidenden Q2-Run viel zu kalt, was ihn nach eigener Ansicht den Einzug in Q3 gekostet hat. "Ich glaube, in jeder Runde, die wir dieses Wochenende auf der Strecke waren, waren wir die meiste Zeit in den Top 10", sagt er.
Auch in Q1 und im ersten Q2-Run sei man Top-10-fähig gewesen, nur um im entscheidenden Moment die Reifen nicht auf Temperatur zu haben. Das Problem: Albon musste an der Boxenausfahrt vor der Runde sehr lange warten.
"Und bis wir draußen waren, waren alle, die vor uns die Box verlassen hatten, bereits auf ihren Push-Runden. Also musst du eine langsame Outlap fahren, weil du allen Autos Platz machen musst, die auf Push-Runden sind", erklärt er. Dadurch kann er aber nicht mehr das Tempo fahren, das er für seine eigene Runde braucht.
"Wenn das passiert, kommst du in Kurve 1, und die Reifen sind absolut nirgends. Du kannst ehrlich gesagt nichts machen", hadert er.
Williams sei diesbezüglich besonders im Nachteil, weil das Fenster, in dem die Reifen funktionieren, kleiner als bei anderen Teams sei. "Ich glaube, das sieht man", so Albon. "Wir haben es auf so vielen Strecken in diesem Jahr gesehen. Wenn wir keine saubere Outlap haben, dann sind wir nirgends."
In diesem Fall sei seine Outlap rund 20 bis 25 Sekunden langsamer gewesen als sonst. "Du kannst dir vorstellen, dass das in Kurve 1 normalerweise nicht gut geht", ärgert er sich und ist überzeugt, dass er auch in Q3 gekommen wäre, wenn die Reifen die richtige Temperatur gehabt hätten.
Warum früher rausfahren nicht unbedingt hilft
Doch was ist die Lösung? Früher rausfahren? Auch das ist nicht unbedingt optimal, findet sein Teamkollege Carlos Sainz. "Das Problem ist: Wenn man zu früh rausgeht, kommt man auf die Outlap anderer Fahrer, weil alle noch die Box verlassen", meint der Spanier. Diese würden dann bewusst dirty Air erzeugen und so die Runde ebenfalls beeinträchtigen. "Aber die Reifen sind bereit", so Sainz.
"Wenn man am Ende der Schlange geht, bekommt man die Streckenentwicklung, weil man zuletzt fährt, dafür aber kalte Reifen und nur eine halb saubere Runde", meint er weiter.
"Wir wägen also immer ab, was der Kompromiss ist. Es setzt einen auch unter Druck, weil man als Fahrer weiß: 'Jetzt bin ich am Anfang oder am Ende, alles ändert sich.' Es ist definitiv schwierig, im Qualifying mit diesem Druck umzugehen."
Das richtige Fenster zu treffen, ist daher schwer, vor allem wenn auch neun andere Teams es treffen wollen. "Als Stratege, wenn dein Fenster kleiner ist als bei allen anderen, ist es sehr schwer, freie Fahrt zu bekommen und den richtigen Raum auf der Strecke zu haben", sagt Albon.
Andere Autos mit anderen Voraussetzungen
Hinzu kommt: Jedes Auto benötigt eine unterschiedliche Pace auf der Outlap, um im richtigen Fenster zu sein. "Interessant ist, dass man tatsächlich sieht, dass einige Teams bewusst Autos vor sich lassen, weil es für sie besser ist, die Reifen vor Beginn der Outlaps abzukühlen. Aber dann entsteht Chaos", sagt er.
"Ein Team wie Red Bull oder Aston zum Beispiel, deren Outlaps sind etwa 15 Sekunden pro Runde langsamer als unsere", erklärt Albon. Das heißt auch, dass es für sie nicht so schlimm ist, wenn sie andere Autos passieren lassen müssen.
"Sie können eine langsame Outlap haben, weil das das ist, was sie auch bei einem freien Run tun. Das ist bei uns nicht so. Deshalb siehst du uns oft sehr früh rausgehen, genau aus diesem Grund", sagt er.
Doch auch wenn Williams bei diesem System mit einem kleinen Nachteil zu kämpfen hat, will sich Albon nicht darüber beschweren. "Ich glaube, es war besser, das so zu machen, als in den vergangenen Jahren, aber es ist nun mal so und man muss sich anpassen und besser werden."
"Ich glaube, wir müssen zuerst die Reifen verstehen. Das ist das Hauptproblem, und dann kommt alles andere leichter. Da liegt die Frustration."