• 31. Juli 2022 · 19:11 Uhr

Leclerc kritisiert Ferrari-Strategie: Wechsel auf Hard hat Rennen ruiniert

Charles Leclerc hinterfragt die Ferrari-Strategie, auf Max Verstappen reagiert zu haben: Der Wechsel auf die harten Reifen war der Anfang vom Ende

(Motorsport-Total.com) - Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde Charles Leclerc den Sieg beim Formel-1-Rennen in Ungarn einfahren können und den Rückstand in der WM auf Max Verstappen verkürzen. Doch Ferrari glitt das Rennen in der zweiten Hälfte aus den Fingern. Nach einem vermeintlichen Strategiefehler wurde der Monegasse nur Sechster und verlor weitere 17 Punkte auf den Spitzenreiter.

Charles Leclerc (Ferrari F1-75) vor George Russell (Mercedes W13) beim Formel-1-Rennen in Ungarn 2022

Für Charles Leclerc ging das Rennen ab Runde 39 den Bach runter Zoom Download

Knackpunkt war aus seiner Sicht die 39. Runde. Leclerc war gerade auf seinem zweiten Mediumstint und lag in Führung, als ihn Ferrari zum Reifenwechsel an die Box beorderte. Das war eine klare Reaktion auf einen möglichen Undercut von Verstappen genau hinter ihm, der eine Runde davor zum Boxenstopp abgebogen war und sich neue Mediums geholt hatte.

Doch mit dem Wechsel auf die harten Reifen begann der Absturz Leclercs. Auf diesen hatte der Ferrari-Pilot überhaupt keine Pace, wurde zweimal von Verstappen überholt und entschied sich schon nach 15 Runden, einen zusätzlichen Stopp einzulegen, um in der Schlussphase mit Softs unterwegs zu sein. Doch auch damit blieb er auf dem sechsten Rang hängen.

Für Leclerc war der Wechsel auf Hards ein klarer Fehler: "Ich habe klargemacht, dass ich die Mediums so lange wie möglich behalten wollte, aber wir sind sehr früh auf Hards gegangen, was wir verstehen müssen", sagt er.

Binotto rechtfertigt Strategie

Ferrari reagierte auf Verstappen, doch weil man schon zweimal Medium gefahren war, musste man eine andere Mischung fahren. Für Soft-Reifen war es mit 31 verbleibenden Runden zu früh, von daher konnte es nur Hard werden. Doch Leclerc hinterfragt, ob der Stopp überhaupt notwendig war: "Ich denke nicht, dass wir auf Max hätten reagieren müssen", sagt er.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto versucht bei 'Sky', den Wechsel zu dem Zeitpunkt zu rechtfertigen: "Wir wussten, dass der harte Reifen ein paar Schwierigkeiten mit dem Aufwärmen hat und ein paar Runden lang nicht so schnell wie der Medium ist. Aber am Ende wäre es ein Stint von 30 Runden gewesen", sagt der Italiener.

"Wir haben geglaubt, dass sie schnell genug sein würden, um damit im Rennen zu sein und eine gute Position zu holen. Aber sie haben nicht so funktioniert, wie wir das erwartet hatten. Der Hauptgrund war, dass das Auto nicht wie erwartet funktioniert hat. Aber wir werden das analysieren und unsere Schlüsse ziehen."

"Auf Hard haben wir die ganze Pace verloren"

Leclerc bleibt jedoch dabei, dass es besser gewesen wäre, den Stint auf Mediums zu verlängern, um später auf Softs zu gehen - auch weil etwa die Alpines oder die Haas auf harten Reifen große Probleme mit der Pace hatten. Das hätte Ferrari erkennen müssen.

"Die Pace auf dem Medium war heute sehr gut", sagt Leclerc, "aber auf dem Hard haben wir die ganze Pace verloren. Wir haben einen Stopp mehr eingelegt als alle anderen und dadurch 20 Sekunden verloren, plus die fünf oder sechs Runden auf dem Hard, wo wir eine Sekunde pro Runde verloren haben", ärgert er sich.

Teamchef Binotto würde das schlechte Ergebnis aber nicht nur an der Strategie festmachen, sondern auch an der generellen Performance des F1-75: "Wir hatten heute definitiv nicht die Performance, die wir erwartet hatten", sagt er. "Egal welchen Reifen wir hatten, ob Soft, Medium oder Hard, die Performance unseres Autos war nicht wie erwartet." Auch das gelte es zu analysieren.

Binotto: Keine frisches Blut notwendig

Für Leclerc bleibt aber wieder einmal festzuhalten, dass es das nächste enttäuschende Ergebnis ist. Nur einmal stand der Monegasse in den vergangenen acht Rennen auf dem Podest - so holt man keinen WM-Titel.

"So ein Rennen ist frustrierend", hadert er. "Wir müssen als Team einfach besser werden. Es fühlt sich so an, als würde immer irgendetwas sein, ob Zuverlässigkeit, Fehler, was auch immer. Wir müssen einfach das Wochenende besser zusammenbringen. Und wir werden jetzt die freien Tage nutzen, um uns zu resetten und natürlich zu analysieren und zu verstehen, was wir besser machen müssen."


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Dazu dürfte auf jeden Fall die Strategieabteilung von Ferrari gehören, die in den vergangenen Monaten immer wieder in der Kritik steht. Doch danach gefragt, ob Ferrari vielleicht einmal frisches Blut dort braucht, winkt Binotto ab: "Ich schaue auf die Balance über die Saison", sagt er und sieht kein Problem.

"Wir hatten die richtige Strategie in Frankreich und auch in Österreich. Wir haben es oft richtig gemacht", betont er. "Manchmal machen wir Fehler, aber auch die anderen machen Fehler. Das Team ist toll, und ich unterstütze es vollkommen, weil ich ihm vertraue."

Leclerc fehlen schon 80 Punkte

Die WM rückt für die Scuderia trotzdem in weite Ferne. Selbst Mercedes ist bei den Konstrukteuren schon auf 30 Punkte herangekommen, und Leclerc fehlen jetzt schon 80 Punkte.

Vor dem Rennen in Ungarn hatte er gesagt, dass er die letzten zehn Rennen gewinnen muss. Das ist a) nicht mehr möglich und b) nach dieser Leistung heute auch für neun Rennen ziemlich unwahrscheinlich.

Das muss auch Leclerc zugeben: "Bevor ich an die Meisterschaft denke, muss ich verstehen, was wir als Team brauchen, um besser zu werden, sonst wird es ziemlich schwierig. Ich glaube, dass wir zu den Vorjahren einen unglaublichen Schritt nach vorne gemacht haben, aber wir brauchen noch einen weiteren. Und daran arbeiten wir."

"Ich bin aber zuversichtlich, dass wir es schaffen werden."

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