• 27. November 2020 · 14:48 Uhr

Hamilton über Bottas: Nicht einfach, mein Teamkollege zu sein

Lewis Hamilton schildert, warum Valtteri Bottas sich Respekt verdient hat und warum er den Finnen auch im vierten gemeinsamen Jahr schlagen konnte

(Motorsport-Total.com) - "Ehrlich gesagt will ich gar nicht mehr über das Rennen sprechen", reagiert Valtteri Bottas auf Fragen zum Türkei-Grand-Prix. Der Mercedes-Pilot hat mit dem desaströsen Rennen - sechs Dreher samt Überrundung durch Lewis Hamilton - abgeschlossen. Sein Teamkollege bewundert diese mentale Stärke.

Lewis Hamilton, Valtteri Bottas

Hamilton hat Bottas in vier Jahren deutlich geschlagen Zoom Download

"Ich habe alles analysiert und natürlich habe ich Fehler gemacht, ich habe mich mehrmals gedreht und das ist dann natürlich auch mein Fehler. Das habe ich akzeptiert und daraus gelernt." Bottas bestätigt außerdem im Nachhinein, dass seine Aerodynamik leicht beschädigt war.

Ob das allerdings einen Unterschied gemacht hat, sei bei solch wechselhaften Bedingungen schwierig zu sagen. "Dennoch, es war ein Rennen zum Vergessen. Die Lehren, die ich daraus gezogen habe, nehme ich mit." Genau diese Eigenschaft beeindruckt Hamilton besonders.

Bottas "mental einer der Stärksten"

"Ich sage immer, dass die Leute Valtteri mehr Respekt zollen müssen. Man muss immerhin wissen, gegen wen er fährt. Es ist nicht einfach, mein Teamkollege zu sein. Aber jedes Wochenende kommt er mit derselben Einstellung an. Er beklagt sich nie, dass am Auto etwas nicht stimmt", betont Hamilton.

Der Brite ist beeindruckt von Bottas' mentaler Stärker und Arbeitsmoral. "Er sagt sich immer nur: 'Ich muss einen besseren Job machen'. Ich kenne keinen anderen Fahrer, der das so macht. Und das verbindet uns auch. Mental ist er einer der stärksten Fahrer."

Der siebenfache Weltmeister, der auch im vierten gemeinsamen Jahr an Bottas' Seite die Fahrer-WM klar zu seinen Gunsten entscheiden konnte, sieht sich einem immer stärkeren Gegner gegenüber. "Es stimmt schon, wenn alle von 'Bottas 2.0' sprechen. Jedes Jahr kann man sehen, wie er versucht, noch besser zu werden in vielen Bereichen."


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Zwar sei der WM-Rückstand in dieser Saison erneut sehr groß - Bottas liegt nach 14 Rennen bereits 110 WM-Punkte zurück, größer war sein Rückstand auf Hamilton nur 2018 (161) - dennoch kann Hamilton ein engeres internes Duell erkennen.

"Wenn man sich viele der Qualifyings ansieht, dann waren es meist nur sehr geringe Abstände. Er hat den Abstand im Zeittraining also schon reduziert, das wurde zu einer größeren Herausforderung. Das hat er auch schon im Vorjahr geschafft, aber umso mehr noch in diesem Jahr."

Im Qualifying-Duell konnte sich Hamilton zwar 10:4 durchsetzen, doch meist fehlten dem Finnen nur wenige Zehntelsekunden. Im Durchschnitt beläuft sich sein Rückstand auf Hamilton auf einer schnellen Runde laut der Datenbank Forix auf 0,255 Sekunden.

Hamilton: "Meine Konstanz hat den Unterschied ausgemacht"

Im Renntrimm konnte der 94-fache Rennsieger hingegen all seine Klasse ausspielen. "Die Konstanz, die ich in diesem Jahr hatte, hat den Unterschied ausgemacht", analysiert er. "Aber an allen Wochenenden war es so eng. Valtteri hatte auch viel Pech in diesem Jahr mit der Zuverlässigkeit, das lässt seinen Rückstand auch größer erscheinen, als er eigentlich ist."

Wie schätzt der 31-Jährige seine Saisonleistung bislang selbst ein? "Das Jahr ist noch nicht vorbei, noch sind drei Rennen zu fahren. Aber Fakt ist, dass ich die Weltmeisterschaft verloren habe. Dennoch werde ich weiterhin pushen. Aus diesem Jahr kann ich auch viel Positives mitnehmen."

Er habe sich zum Beispiel in vielen Bereichen verbessern können, gibt Bottas an. "Natürlich noch nicht genug, um den Titel zu gewinnen, aber ich werde es weiterhin versuchen. Ich hatte auch ein wenig Pech in manchen Rennen und habe dadurch Punkte verloren."


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Schließlich muss er in seiner kühlen, analytischen Art aber auch einsehen: "Es gab Rennen, in denen Lewis einfach besser war als ich - und das hat am Ende den Unterschied ausgemacht." Manchmal würden schon feine Abweichungen über Sieg und Niederlage im Qualifying und Rennen entscheiden.

"Zum Beispiel welche Strategie ich im Rennen gewählt habe, welche er gewählt hat. Aber der Punkterückstand sieht jetzt schon ziemlich groß aus." Die einfache Erklärung dafür lautet auch für ihn: "Ich war nicht in der Lage, konstant auf Topniveau abzuliefern verglichen mit Lewis in diesem Jahr."

Bottas stimmt Hamilton in der Analyse demnach zu. Zwar seien die Unterschiede zwischen den beiden oftmals sehr gering gewesen, aber genug für den Briten, um zu gewinnen. Und in noch einem Punkt pflichtet er seinem Rivalen bei: "Ich werde weiterhin pushen, weil ich jedes Jahr besser werde."

Bottas geht zuversichtlich in den Triple Header

Das gebe Bottas Hoffnung und Motivation, weiterhin an seinen großen Traum zu glauben und daran hart zu arbeiten. Zunächst geht es für ihn aber um die Frage, ob er WM-Platz zwei gegenüber Max Verstappen verteidigen kann in den letzten drei Rennen.

27 Punkte liegt er vor dem Bahrain-Wochenende vor dem Red-Bull-Piloten. "Ich bin zuversichtlich. Das muss auch die Herangehensweise sein für jedes Rennen - dass man Vertrauen in sich selbst hat. Wenn das nicht der Fall ist, muss man es finden, ob mit extra Vorbereitung oder was auch immer. Aber ich bin recht zuversichtlich und darauf eingestellt, in Bahrain gewinnen zu können."

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