• 14. September 2020 · 12:58 Uhr

FIA-Rennleiter über Re-Start: Formel-3-Junioren geschickter als Formel-1-Stars

FIA-Rennleiter Michael Masi erklärt, warum die Safety-Car-Neustart-Regeln nach dem Grand Prix der Toskana nicht geändert werden

(Motorsport-Total.com) - Wer war schuld am großen Chaos beim fliegenden Re-Start des Grand Prix der Toskana? Zwölf Piloten wurden von der FIA für den kuriosen Unfall in der Anfangsphase des Rennens verwarnt. Rennleiter Michael Masi schildert seine Sicht der Dinge und stellt den Formel-1-Piloten kein gutes Zeugnis aus.

Kevin Magnussen, Antonio Giovinazzi, Carlos Sainz, Nicholas Latifi

Der fliegende Re-Start zu Rennbeginn endet mit einem Massencrash Zoom Download

Ein Kritikpunkt der Piloten nach dem Rennen betraf die Lichter am Safety-Car von Bernd Mayländer. Lewis Hamilton und Co. beanstandeten, dass die Warnlichter erst viel zu spät ausgeschaltet wurden. Doch in den Sportlichen Regularien steht nicht festgeschrieben, zu welchem Zeitpunkt das Signal erlöschen muss.

"Sie können so viel kritisieren, wie sie wollen", antwortet Masi auf die Aussagen der Spitzenreiter. "Wenn man sich die Distanz ansieht, vom Zeitpunkt, an dem die Lichter ausgeschaltet wurden, bis zur Start-Ziel-Linie, dann ist das nicht kürzer oder länger als auf anderen Strecken", lässt der Australier das Argument nicht gelten.

"Wir haben die 20 besten Piloten der Welt"

Von den Piloten verlangt der Regelhüter im Gegensatz mehr Übersicht. "Wir haben die 20 besten Piloten der Welt", betont der Rennleiter und vergleicht die Szene mit einem Vorfall im Formel-3-Rennen am Sonntag. "Die Fahrer der Nachwuchskategorie haben einen sehr ähnlichen Neustart erlebt - und sie haben das sehr gut absolviert, ohne Zwischenfall."


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Bereits am Freitagabend vor dem Rennen haben die Piloten gemeinsam mit dem FIA-Rennleiter ein potenzielles Re-Start-Szenario diskutiert, dabei hat Masi auf zwei Schlüsselfaktoren hingewiesen. "Eines war sicherzugehen, dass sie das Safety-Car nicht vor der SC-Linie bei der Boxengassen-Einfahrt überholen", erklärt er.

Und zweitens: "Das ist unüblich auf dieser Strecke, dass die Kontroll-Linie [auch Start-Ziel-Linie], ab der sie überholen dürfen, nahe an der Boxengassen-Ausfahrt liegt." Ausgerechnet zwischen Safety-Car-Linie 1 und Kontroll-Linie - in diesem Abschnitt darf noch nicht überholt werden - kam es schließlich zum Massencrash im hinteren Mittelfeld.

"Das ist keine Überraschung. Wir haben etwas Ähnliches in Baku erlebt, wo der Weg zur Kontroll-Linie ebenfalls recht lang ist. Dort hat sich der Führende ebenso das Recht herausgenommen, die Pace bis dorthin zu diktieren und ist sehr langsam gefahren, um einen Windschatten [hin zu Kurve 1] für die Autos hinter ihm zu vermeiden."

Genau diese Absicht verfolgte auch Valtteri Bottas, der an der Spitze bis zur Start-Ziel-Linie sehr langsam gefahren ist und das Feld hinter sich zusammengeschoben hat. Die Fahrer im hinteren Feld beschleunigten allerdings früher und wurden von der Bummelfahrt vorne überrascht.


Fotostrecke: In Bildern: Der Re-Start-Crash beim Formel-1-Rennen in Mugello

Die Kommissare kamen zur Schlussfolgerung, dass kein Pilot explizit Schuld an dem Unfall trägt, sondern dass ein Kollektiv von zwölf Piloten mit ihrem Verhalten dazu beigetragen hat. Eine "nicht konstante Anwendung von Gas und Bremse" habe zum berühmt-berüchtigten Ziehharmonika-Effekt geführt.

Masi erklärt: So funktioniert der SC-Neustart

Für Masi hat "eine Kombination an Faktoren" zu dem Crash geführt. "Es gibt aber keinen Zweifel, dass die lange Gerade dazu beigetragen hat." Er ist dennoch kein Freund davon, nun den Regeln die Schuld zu geben. Daher sieht er auch keine Notwendigkeit, am aktuellen Reglement zu feilen.

"Allen Fahrern ist sehr wohl bewusst, dass es vor der Kontroll-Linie kein Überholen gibt. Das ist keine neue Regel." Daher merkt er auch an: "Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, die Safety-Car-Neustart-Regeln zu überprüfen."

Wie genau funktioniert ein fliegender Re-Start hinter einem Safety-Car? Im Sportlichen Reglement steht das Prozedere unter Artikel 39 festgeschrieben. Wenn der Rennleiter entscheidet, dass die Bedingungen sicher genug sind, wird die Nachricht "Safety-Car in this lap" allen Teams angezeigt, dann werden auch die orangefarbenen Lichter am Mercedes von Bernd Mayländer ausgeschaltet (Artikel 39.13).

"Das ist das Signal für Teams und Fahrer, dass das Safety-Car am Ende der Runde in die Boxengasse fahren wird", heißt es im Reglement. Und: "Zu diesem Zeitpunkt wird das erste Auto hinter dem Safety-Car die Pace diktieren und, wenn notwendig, mehr als zehn Autolängen zurückfallen."

Event Notes der FIA

In den Event Notes hat Masi die SC-Linie 1 und 2 samt Kontroll-Linie eingezeichnet Zoom Download

Entscheidend ist der folgende Absatz im Regelwerk: "Um das Risiko eines Unfalls zu minimieren, bevor das Safety-Car in die Boxengasse einbiegt, müssen sich die Fahrer ab dem Zeitpunkt, ab dem die Lichter am Safety-Car ausgeschaltet sind, mit einer Pace fortbewegen, die kein erratisches Beschleunigen oder Bremsen oder jegliches Manöver beinhaltet, das andere Fahrer potenziell gefährdet oder den Re-Start behindert."

Masi spricht beim fliegenden Neustart nach einer Safety-Car-Phase von drei "kritischen Phasen". Die erste Phase beinhaltet die Nachricht an die Teams über das Nachrichten-System und die Grafik im Weltbild. "Das veranlasst alle Teams dazu, ihre Fahrer dementsprechend zu informieren."

Phase zwei: "An einer vordefinierten Stelle auf jeder Strecke werden die Safety-Car-Anzeigen zurückgezogen, die gelben Flaggen werden aber weiterhin geschwenkt." In Phase drei fährt Mayländer schließlich über die SC-Linie 1 in die Boxengasse. "Dann werden auch die gelben Flaggen eingezogen." Schließlich wird das Rennen mit der grünen Flagge auf Start-Ziel wieder freigegeben.

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