• 01. September 2019 · 16:41 Uhr

Formel 1 Spa 2019: Erster Grand-Prix-Sieg für Leclerc!

Dramatisches Duell gegen Hamilton: Charles Leclerc holt in Belgien den ersten Sieg seiner Karriere - Red Bull trauert nach Verstappen-Crash möglichem Sieg nach

(Motorsport-Total.com) - Ein paar Mal war er schon knapp dran, jetzt hat's endlich geklappt: Charles Leclerc (Ferrari) hat einen Tag nach dem Tod seines Freundes Anthoine Hubert im Formel-2-Rennen in Spa-Francorchamps den Grand Prix von Belgien gewonnen und sich damit als 108. Fahrer der Geschichte in die Siegerliste der Formel 1 eingetragen.

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Charles Leclerc: Mit Trauerflor holt er den ersten Sieg seiner Formel-1-Karriere Zoom Download

Leclerc setzte sich in einem besonders in den letzten Runden spannenden Duell gegen Lewis Hamilton (Mercedes) letztendlich um 0,981 Sekunden durch. Valtteri Bottas (Mercedes) wurde Dritter, Sebastian Vettel (Ferrari) nach einem für ihn durchwachsenen Rennen Vierter. Und "Lokamatador" Max Verstappen (Red Bull) schied gleich in der ersten Runde aus.

"Einerseits habe ich von diesem Tag geträumt, seit ich ein Kind war. Andererseits war es ein sehr schwieriges Wochenende", weiß Leclerc nicht recht, ob er sich freuen oder ob er weinen soll. "Ich habe einen Freund verloren. Wir sind gemeinsam aufgewachsen. Ich möchte ihm den Sieg widmen. Ich werde ihn nicht genießen können, aber ich werde mich immer an diesen Tag erinnern."

Vielleicht auch an die letzten Runden, denn die hatten es in sich. "Am Ende der Stints waren wir immer besser", erklärt Bottas, der mit 12,6 Sekunden Rückstand auf Leclerc kein Sieganwärter war. Aber Hamilton kam Leclerc im Finish in Siebenmeilenschritten näher: "Ich hätte ein paar Runden mehr gebraucht", seufzt er. "Zwei vielleicht", glaubt Teamchef Toto Wolff.

Hamilton: Reifenvorteil in den letzten Runden

Hamilton hatte eine Runde nach Leclerc Reifen gewechselt, und weil der Ferrari dazu tendiert, seine Reifen schneller "aufzufressen" als der Mercedes, hatte er in den letzten Runden den Vorteil auf seiner Seite. Ein- und Überholen sind aber zwei verschiedene Paar Schuhe: "Das Überholen ist auf den Geraden gegen die Ferraris sehr, sehr schwierig", weiß Wolff.

Am roten Kommandostand flatterten trotzdem die Nerven, als Hamilton im Mittelsektor der vorletzten Runde mehr als eine Sekunde aufholte: "Wir haben gesehen, wie er Sebastian nach Blanchimont überholt hat. Es war wichtig, ihn vor der letzten Runde auf Distanz zu halten", erinnert sich Teamchef Mattia Binotto.

Immerhin einen Ferrari konnte Hamilton schlagen: Vettel kam bereits in Runde 15, also sieben Runden früher als Leclerc, zum Reifenwechsel, fiel mit den älteren Gummis hinter die beiden Mercedes zurück und musste danach ein zweites Mal wechseln. Dabei hatte er durch den "Undercut" beim ersten Stopp kurzzeitig sogar die Führung im Grand Prix übernommen.

Vettel hatte am Start zunächst eine Position gegen Hamilton verloren, aber dank des Power-Überschusses war er vor Les Combes schon wieder auf Platz zwei. "Die Ferraris waren auf den Geraden einfach zu schnell. Es war unheimlich schwierig, auf den Geraden mitzuhalten", berichtet Hamilton.

Aber während Leclerc an der Spitze eine souveräne Leistung ablieferte, tat sich Vettel schwer: "Ich hatte Schwierigkeiten mit den Reifen. Normalerweise ist das kein Thema für mich", wundert er sich. Dass er Leclerc freiwillig überholen ließ? "Mir war früh klar, dass ich keine Chance habe. Von da an habe ich mich in den Dienst des Teams gestellt."

Verstappen: Crash nach Kollision mit Räikkönen

Als Trostpreis gab's dank der frischesten Reifen den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde. Denn nach hinten drohte keine Gefahr. Max Verstappen hatte sich nach einer Kollision mit Kimi Räikkönen (Alfa Romeo) in La Source bereits in der ersten Runde verabschiedet. Der Niederländer rollte in der Senke Eau Rouge mit kaputter Lenkung in den Auslauf.

"Am Ende ist es egal, wer schuld ist. Ich glaube, er hat mich nicht gesehen. Das ist natürlich schade. Das können wir jetzt nicht mehr ändern", sagt Verstappen. Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko ärgert sich: "Schade, denn der Speed von Ferrari und Mercedes war nicht aufregend. Da wäre Max sicher mitgefahren."

So lag es an Neuzugang Alexander Albon, Red Bulls Kastanien aus dem Feuer zu holen. Aber der Thailänder steckte im ersten Stint mit den härteren Medium-Reifen im Verkehr fest und konnte keine Akzente setzen. Was auch daran lag, dass der Boxenfunk nicht richtig funktionierte. So konnte ihm das Team nicht sagen, was er für den Mittelsektor verstellen muss.

Beim Boxenstopp ging das aber, und von da an wirkte Albon wie ausgewechselt. "Mit dem roten Reifen war er toll unterwegs", lobt Marko und verweist auf die sehenswerten Attacken etwa gegen Daniel Ricciardo (14./Renault) oder Sergio Perez (6./Racing Point), bei der Albon über die Wiese musste. "Da waren ansehnliche Überholmanöver dabei", applaudiert Marko zu P5.

Tragischer Held: Norris scheidet an P5 aus

Eigentlich hätte Lando Norris Fünfter werden müssen. Der McLaren-Fahrer hatte im Start-Chaos einige Positionen gewonnen, dann ein bärenstarkes Rennen hingelegt. In der vorletzten Runde blieb er bei Start und Ziel stehen. Der sonst immer gut gelaunte Norris konnte sein Pech nicht fassen und plärrte irgendwas von "Anti-Stall" in den Boxenfunk. Es war eines der Dramen in Spa 2019.

So rückte Albon auf P5 auf, vor Perez, Daniil Kwjat (Toro Rosso), der aus der letzten Reihe weit nach vorne fuhr, Nico Hülkenberg (wichtiges Manöver gegen Teamkollege Ricciardo kurz vor Schluss), Pierre Gasly (Toro Rosso) und Lance Stroll (Racing Point). Norris wurde mit einer Runde Rückstand als Elfter gewertet.

Noch vor Kevin Magnussen, der zu Beginn des Rennens hinter Romain Grosjean auf P7 lag, dann aber nach und nach durchgereicht wurde. Letztendlich ging das Haas-Team einmal mehr leer aus. Und der erneute Funk-Zoff zwischen Grosjean und dem Team ist wohl endgültig der Sargnagel für die Hoffnungen des Franzosen, 2020 bei Haas bleiben zu dürfen.

In der letzten Runde sorgte der Crash von Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo), der bis dahin eines seiner stärkeren Rennen gefahren war, für eine Schrecksekunde. Der Italiener stieg aber unverletzt aus. Nebeneffekt: Durch die Gelbphase im letzten Sektor war auch Hamiltons letzte Mini-Chance dahin, Leclerc vielleicht doch noch anzugreifen ...

In der Fahrer-WM hat Hamilton seinen Vorsprung auf Bottas auf 65 Punkte ausgebaut. Verstappen auf P3 hat bereits 87 Punkte Rückstand. Das ist wohl die Vorentscheidung, dass nur noch ein Mercedes-Fahrer Weltmeister werden kann. "Spa", sagt Toto Wolff, "war keine gute Strecke für uns. Sondern Schadensbegrenzung. Aber mit der können wir sehr zufrieden sein."

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