• 30. Juli 2019 · 10:02 Uhr

Leclercs unsichere Freigabe: Warum gab es für Ferrari nur eine Geldstrafe?

In der Boxengasse hätte es beinahe geknallt, weil Ferrari Charles Leclerc direkt vor Romain Grosjean wieder rausschickte - Dafür gab es lediglich eine Geldstrafe

(Motorsport-Total.com) - Beim Chaosrennen in Hockenheim war es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Eine Szene, die in der Nachbetrachtung bislang ein bisschen unter den Tisch gefallen ist, ist die unsichere Freigabe von Charles Leclerc beim ersten Boxenstopp. Der Monegasse wurde von der Ferrari-Crew wieder rausgeschickt, obwohl Romain Grosjean gerade von hinten durch die Boxengasse kam.

Charles Leclerc

Ferrari bekam für die unsichere Freigabe nur eine Geldstrafe Zoom Download

Der Franzose musste abbremsen, um eine Kollision zu vermeiden. Viele Beobachter gingen davon aus, dass der Ferrari-Pilot dafür eine Zeitstrafe bekommen würde - wie es zum Beispiel auch bei Max Verstappen in der Szene gegen Valtteri Bottas in Monaco war. Überraschenderweise wurde gegen Ferrari aber lediglich eine Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro ausgesprochen.

Rennleiter Michael Masi erklärt im Hinblick auf die Situation in Monaco: "Es wurde als unsichere Freigabe bezeichnet, aber [die Strafe] gab es für eine Kollision in der Boxengasse. Deswegen war es etwas anderes als heute." Denn während sich Verstappen und Bottas damals berührten, hatte die Freigabe von Leclerc keine Folgen - zumindest für den Ferrari-Piloten.

"Wir haben da fünf Plätze verloren", ärgert sich Haas-Teamchef Günther Steiner und erklärt: "[Grosjean] hatte keinen Gang drin, rollte rein, und dann musste er bremsen. Dann musste er wieder einen Gang einlegen." Steiner befürchtet, dass die FIA hier einen Präzedenzfall geschaffen haben könnte. Denn bislang wurden Strafen für eine unsere Freigabe in der Regel auf den Fahrer umgelegt.

Können sich die Teams jetzt "freikaufen"?

Dieses Mal traf es lediglich das Team - und das auch nur finanziell. "Ich bezahle Geld und bekomme dafür einen Vorteil", warnt Steiner vor den Konsequenzen und erklärt: "Es ermutigt dazu, ein Risiko einzugehen. Die FIA bekommt das Geld, und wir verlieren die Position. Am Ende gewinnen alle - außer der Kerl, der [die Position] verliert." Daher müsse man darüber nachdenken, ob das der richtige Weg sei.

Tatsächlich ist die Strafe für eine unsichere Freigabe in den Regeln nicht klar definiert. In Artikel 28.13 a) des sportlichen Reglements heißt es lediglich: "Autos dürfen aus der Garage oder der Position beim Boxenstopp nicht so freigegeben werden, dass dabei Personal in der Boxengasse oder ein anderer Fahrer gefährdet wird." Bei der Wahl einer Strafe sind die Rennkommissare jedoch flexibel.


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Masi bestätigt, dass es sich auch im Fall Leclerc/Grosjean "eindeutig" um eine solche unsichere Freigabe gehandelt habe. Allerdings sei es ein anderer Fall als Verstappen/Bottas gewesen. Außerdem habe man mit den Teams bereits vor dem Rennen besprochen, dass es wegen der Bedingungen in der Boxengasse zu Chaos kommen könnte. "Das muss dabei auch ein Faktor sein", so Masi.

Mildernde Umstände also durch die Bedingungen? Masi erklärt, dass man in so einer Situation jeden Fall einzeln betrachten müsse. "Die Teams stimmen da zu", verrät er. Es kann also durchaus sein, dass es für eine ähnliche Situation im kommenden Rennen wieder eine andere Strafe geben wird. Dass die Teams, wie von Steiner angedeutet, ermutigt werden könnten, ein größeres Risiko einzugehen, glaubt er nicht.

Brundle warnt: Boxencrews müssen geschützt werden

"Es ist nichts, was regelmäßig passiert. Es ist eine isolierte Angelegenheit", erklärt er und ergänzt: "Den Teams geht es auch um Selbstschutz. Es besteht die Gefahr, dass man [bei einer unsicheren Freigabe] sein eigenes Auto beschädigt. Und die Konsequenzen dabei sind weit größer als alles andere." Er geht nicht davon aus, dass die Teams in Zukunft mehr Risiko eingehen werden, in der Hoffnung sich "freikaufen" zu können.

"Das weiß ich nicht", grübelt Red-Bull-Teamchef Christian Horner, als er gefragt wird, ob die FIA einen Präzedenzfall geschaffen habe. Er erinnert: "Wir wollen Racing in der Boxengasse sehen. Heute war es eine Situation, in der einer rein und der andere rauskam. Es war also etwas anders [als Monaco]. Ich denke aber, dass es heute die richtige Entscheidung war. Monaco war eine falsche Entscheidung."


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'Sky'-Experte Martin Brundle ist sich ebenfalls noch nicht sicher, welche Auswirkungen eine neue Herangehensweise der Rennkommissare haben könnte. "Es war eindeutig eine unsichere Freigabe", stellt er im Hinblick auf Ferrari fest. Die Strafe sei durch die äußeren Umstände zwar abgemildert worden, doch er erinnert daran: "Wir müssen die Crews in der Boxengasse schützen."

Ob die FIA bei der Vergabe der Strafen hier wirklich nachhaltig einen neuen Ansatz verfolgt, wird sich erst in den kommenden Rennen zeigen. Die Situation in Hockenheim spielte am Ende des Tages ohnehin keine große Rolle mehr, weil Leclerc die Zielflagge sowieso nicht sah.

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