• 15. März 2019 · 10:50 Uhr

Mercedes-Bluff im Winter? "Hosen werden erst am Samstag runtergelassen"

Lewis Hamilton fährt am Trainingstag in Australien zweimal Bestzeit, Mercedes deklassiert die Konkurrenz am Nachmittag - Vettel & Verstappen überrascht

(Motorsport-Total.com) - Das Mercedes-Team dominiert den Saisonauftakt in Australien am Freitag. (Live im Formel-1-Ticker verfolgen!) Weltmeister Lewis Hamilton fährt zweimal Bestzeit, am Nachmittag setzten die Silberpfeile mit einer Doppelspitze ein erstes Ausrufezeichen. In 1:22.600 Minuten gelang dem Briten um nur 0,048 Sekunden vor Valtteri Bottas die Tagesbestzeit. Damit war er um 1,3 Sekunden schneller als seine Freitagsbestzeit aus dem Vorjahr. Die Konkurrenz reagiert überrascht, denn ein solch dominanter Auftritt wurde den Silberpfeilen nach den Barcelona-Tests nicht zugetraut. Hat Mercedes in Spanien also nur geblufft?

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton holt zweimal die Bestzeit am Freitag für Mercedes Zoom Download

Bereits vor Halbzeit der zweiten Trainingssession konnte sich Hamilton an der Spitze behaupten. Der Brite fuhr seine zweite Bestmarke am Freitag noch auf dem gelbmarkierten Medium-Reifen, und steckte erst später auf den weicheren Soft um. Insgesamt absolvierte der Weltmeister 33 Runden, wie auch Bottas. Nicht nur auf einer Runde präsentierte sich das Team stark, auch die Longrun-Pace war sowohl auf dem Soft als auch auf dem Medium die schnellste.

Schon im ersten Training konnte Hamilton den Ton angeben, allerdings lag er am Vormittag nur 0,038 Sekunden vor Konkurrent Sebastian Vettel im Ferrari. Mit den engen Zeitabständen war es am Nachmittag allerdings vorbei. Mercedes gelang ein deutlicher Schritt vorwärts, die Konkurrenz von Red Bull und Ferrari wurde um acht beziehungsweise neun Zehntelsekunden abgehängt. Dieser große Vorsprung verwunderte nach den Testfahrten auch Sebastian Vettel.

Vettel: Mercedes "stärker, als sie behauptet haben"

"Sie sind sicher sehr stark. Viel stärker, als sie vor dem Wochenende behauptet haben", glaubt der Ferrari-Kontrahent. Auch Max Verstappen ist sich sicher: "Mercedes sieht sehr schnell aus." Red Bull rechnet bereits nicht mehr damit, am Sonntag in der ersten Startreihe zu stehen. Und auch Vettel muss seinen Rückstand von 0,873 Sekunden erst verdauen. "Wir verlieren in jeder Kurve ein bisschen. Es ist nicht nur eine Ecke oder ein Bereich", analysiert der Deutsche.

Acht Zehntelsekunden würden eben "schnell zusammenkommen" auf einem untypischen Kurs wie Melbourne. "Da mache ich mich jetzt nicht verrückt. Trotzdem geht es, glaube ich, allen so, dass keiner so wirklich verstanden hat, was Mercedes beim Testen gemacht hat", gibt der viermalige Weltmeister offen zu.

Auch sein Ferrari-Markenkollege, Haas-Pilot Romain Grosjean, ist dieser Ansicht. "Wir haben noch nicht das gesamte Bild gesehen. Mercedes ist aber sehr schnell, das ist die Überraschung heute. Dahinter ist es recht eng beisammen."

Valtteri Bottas

0,048 Sekunden fehlen Bottas am Nachmittag auf die Bestzeit Zoom Download

Das Mittelfeldteam hat auf die Silberpfeile rund 1,2 Sekunden Rückstand aufgerissen, auf Motorenpartner Ferrari hingegen nur 0,4 Sekunden. "Vielleicht haben sie sich einfach sehr gut versteckt bei den Tests", lacht der Franzose.

"Vielleicht hat Ferrari einfach noch mehr im Köcher, ich weiß es nicht." Mercedes selbst gesteht bei den Tests nicht den besten Einstand erlebt zu haben. Mercedes-Teamchef Toto Wolff bestätigt in der Teamchef-Pressekonferenz zwischen den Freien Trainings am Freitag auch, dass das große Update dem Team in der zweiten Testwoche einen ordentlichen Schub verliehen hat. "Es war auch für uns schwierig zu verstehen. Wir sind rausgefahren und es fing nicht gerade toll an."

"Dann haben wir ein großes Update-Paket zur zweiten Testwoche gebracht", schildert Wolff den wichtigen Schritt. "Wir haben danach langsam begonnen, zu verstehen und zu lernen. Wir konnten gewisse Punkte zusammenführen und erlebten dann ein recht gutes Testende."

Hamilton: "Auto fühlt sich an wie in Barcelona"

Die Karten offen auf den Tisch gelegt, das hat das Weltmeisterteam allerdings nicht. Wolff merkt sogar an: "Die Teams waren sehr eng beisammen. Da können wenige Kilogramm Sprit schon einen großen Unterschied ausmachen." Mit welchen Spritmengen die Silbernen ihre Testrunden und Longruns am Freitag absolviert haben, verrät er zwar nicht. Es ist allerdings anzunehmen, dass Mercedes nicht die wahre Stärke des W10 gezeigt hat. Denn der Österreicher stellt klar: "Die Hosen werden deshalb erst am Samstag richtig runtergelassen, das wird das erste wahre Kräftemessen in diesem Jahr werden."


Fotos: Grand Prix von Australien


Das Team hat auch am Trainingsfreitag weiterhin am großen Upgrade-Paket gearbeitet, das man in der zweiten Testwoche eingeführt hatte. Auffallend waren die zwei zusätzlichen Flügelchen auf dem Cockpitschutz Halo, diese wurden ab- und wieder anmontiert. Damit versuchten die Aerodynamiker den Luftfluss weg vom oberen Lufteinlass über die Seitenkästen abzuleiten.

Bis auf einen Dreher von Bottas im ersten Training verlief der Freitag außerdem überwiegend reibungslos bei Mercedes. Mit 26 Runden im ersten und 33 im zweiten Freien Training schaffte Hamilton ein ordentliches Tagespensum. "Es ist richtig gut, wieder auf der Strecke zu sein", freut er sich. "Das Auto hat mir ein gutes Gefühl vermittelt - genau deshalb macht es mir so viel Spaß. Es fühlt sich ähnlich wie zuletzt in Barcelona an. Auf einer anderen Strecke ist das ein positives Zeichen", analysiert er zufrieden.

Kein Problem mit den Reifen: "Gutes Zeichen"

Er kam gut durch sein Tagesprogramm, es habe keinerlei Schwierigkeiten gegeben. "Es gibt noch viel zu verbessern, aber es war kein schlechter Auftakt." Teamkollege Bottas, dem insgesamt 63 Runden gelangen, schließt sich Hamiltons Euphorie an. "Es ist schön, wieder in einem Rennwagen zu sitzen und das zu tun, was wir am liebsten tun. Ich hatte heute richtig viel Spaß." Im Gegensatz zu Hamilton verspürte der Finne sogar eine leichte Verbesserung im W10. "Das Auto fühlte sich besser an als bei den Testfahrten."

Er verrät aber auch, dass die Weltmeister nicht mit vielen neuen Teilen ausgestattet waren. Eher konzentrierte sich das Team darauf, das bestehende Paket zu optimieren. Als "ordentlichen, ersten Tag" beendet er seinen ersten Arbeitstag im neuen Jahr. Bottas macht der Konkurrenz jedoch wenig Mut: "Noch hat keines der Teams seine volle Performance gezeigt. Wir haben eine ungefähre Vorstellung davon, wie viel wir uns im Qualifying noch steigern können, aber wir wissen nicht, wie viel die anderen Teams noch nachlegen können. Entsprechend wird es interessant, zu sehen, wie das erste Kräftemessen morgen verlaufen wird."

Mercedes-Technikchef James Allison kann mit dem Auftakt im Albert Park ebenfalls zufrieden sein. Beiden Fahrern sei auf beiden Reifenmischungen (Medium und Soft) eine "ordentliche Balance" gelungen. Er widerspricht Bottas allerdings in einem Punkt: Laut dem Briten habe Mercedes sehr wohl ein paar neue Teile nach Australien mitgenommen. "Zudem haben wir einige neue Teile eingesetzt, die gut zu funktionieren scheinen."

Auch er will sich nicht auf eine konkrete Rangordnung festlegen. Allerdings ist er zufrieden mit dem Verhalten des Mercedes auf der Rennstrecke. Zuvor war befürchtet worden, dass sich der Silberpfeil erneut als Diva entpuppen könnte, der nur in einem schmalen Arbeitsfenster funktioniert und die Reifen zu sehr beansprucht - wie schon im Vorjahr. Zumindest am Freitag konnte Allison jedoch keinen unnatürlichen Reifenabbau feststellen. "Das ist ein gutes Zeichen für morgen."

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