• 21. Oktober 2018 · 00:09 Uhr

Formel 1 USA 2018: Hamilton auf Pole, wehrt Ferrari-Angriff ab

Sebastian Vettel startet nach starker Leistung als Fünfter in das Rennen in Austin, während sich sein WM-Rivale Lewis Hamilton die Pole-Position sichert

(Motorsport-Total.com) - Jetzt hat Lewis Hamilton eine Hand am WM-Pokal: Der Mercedes-Fahrer sicherte sich die Pole-Position für den Grand Prix der USA in Austin, Texas, während sein großer Rivale Sebastian Vettel (Ferrari) nur auf Startplatz fünf steht. Sollte es bei diesem Ergebnis als Zieleinlauf bleiben, wäre Hamilton am Sonntag fünfmaliger Weltmeister.

Sebastian Vettel, Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen

Sebastian Vettel, Polesetter Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen in Austin Zoom Download

Aber nachdem Mercedes die Regentrainings am Freitag klar dominiert hatte, lieferte Ferrari im Qualifying auf dem Circuit of The Americas einen harten Kampf. "Wie viel hat gefehlt?", fragte Vettel unmittelbar nach der Zieldurchfahrt. Es waren 0,061 Sekunden.

Dass er morgen nicht aus der ersten Reihe starten darf, liegt an der Grid-Strafe, die er sich am Freitag wegen überhöhter Geschwindigkeit unter roter Flagge eingehandelt hatte. Dass Ferrari so stark unterwegs war, wohl an der trockenen Strecke. Vielleicht aber auch am Rückbau vom innovativen neuen (wie am Freitag getestet) auf einen konventionellen alten Unterboden.

An Vettels Stelle ist Kimi Räikkönen am Start erster Hamilton-Herausforderer. Im Qualifying mit 0,070 Sekunden Rückstand, auf den ersten Metern aber vielleicht mit einem entscheidenden Vorteil: "Wir haben einen Nachteil am Start gegen Kimi, der auf dem Ultrasoft startet", warnt Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Hamilton, sein Teamkollege Valtteri Bottas (4./+0,379) und Vettel hatten in Q2 versucht, sich mit dem härteren Supersoft zu qualifizieren, um im Rennen einen haltbareren Reifen für den ersten Stint zu haben. Hamiltons erste Q2-Runde war aber nicht optimal, sodass er nach einer Cool-down-Lap eine weitere schnelle Runde fuhr. Damit ist sein Startreifensatz um zwei Runden stärker gebraucht, als er sein sollte.

Für Hamilton und Mercedes spricht, dass man im Abschlusstraining deutlich weniger als Ferrari auf das Qualifying hingearbeitet hat. Hamilton strahlte insofern viel Ruhe aus - und hatte während des Qualifyings sogar die Muße, aus dem Cockpit zu steigen und ganz lässig mit Hollywood-Superstar Matthew McConaughey abzuklatschen, der ihm in der Mercedes-Box die Daumen drückte.

Im Finish hatte der Brite dann einfach die besseren Nerven: "Die erste Runde war in Ordnung, aber nicht gut genug. Die zweite war genau das kleine Bisschen besser. Es gab ein paar Rennen, wo wir uns in der zweiten Runde nicht verbessert haben. Deswegen wollte ich heute unbedingt eine bessere Runde fahren."

Die Entscheidung war dramatisch: Erst ging Räikkönen an Hamilton vorbei in Führung, dann schlug der Mercedes-Star zurück. Vettel war da noch auf der Strecke - verpasste die Bestzeit aber nach Vorsprung knapp. Im ersten Sektor nahm der Deutsche Hamilton fast zwei Zehntelsekunden ab. Im zweiten und dritten Sektor war Mercedes aber zu schnell.

Mittendrin in diesem "Finale furioso" meldete Räikkönen: "Es regnet ein bisschen auf der Gegengerade." Allerdings nicht stark genug, um den alles entscheidenden Q3-Run maßgeblich zu beeinflussen.

"Bei sechs Hundertstelsekunden", seufzt Vettel, "kann man immer darüber diskutieren, ob man sie nicht irgendwo hätte herausholen können. Aber ich war mit meinen Runden ziemlich zufrieden."

Hinter den Mercedes- und Ferrari-Piloten belegte Daniel Ricciardo (+1,257) den fünften Platz. Wegen Vettels Strafe rückt er in der Startaufstellung in die zweite Reihe auf.

Der zweite Red-Bull-Pilot, Max Verstappen, sicherte sich nur den 15. Startplatz. Es war ausgerechnet einer der neu installierten "Verstopper"-Randsteine, die ihm zum Verhängnis wurden, als er nach zwölf Minuten in Q1 ausgangs Kurve 15 etwas zu weit nach außen kam. Das überlebte Verstappens rechte Hinterradaufhängung nicht.

Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko empfindet das als harte Strafe für einen kleinen Fehler: "Er ist im Vorjahr ähnlich über die Kerbs drübergerast. Und auch Ricciardo ist eine ähnliche Linie gefahren. Es muss ein ganz unglückliches Zusammenspiel gewesen sein."

Somit war P6 statt P7 diesmal "Best of the Rest", und diese Chance ließ sich Esteban Ocon (Force India) nicht entgehen. Der Franzose setzte sich gegen Nico Hülkenberg (Renault) um sieben Hundertstelsekunden durch, nachdem der Deutsche im ersten Run noch die Nase vorne gehabt hatte.

Vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit: In Q2 hatte Hülkenberg seinem Teamkollegen Carlos Sainz (11.) um gerade mal 0,002 Sekunden den zehnten Platz weggeschnappt.

Romain Grosjean (Haas/+2,013), der in Q1 mit absoluter Bestzeit im ersten Sektor hatte aufhorchen lassen, Charles Leclerc (Sauber/+2,183) und Sergio Perez (Force India/+2,357) belegten die Positionen acht bis zehn.

Bereits in Q1 hatte es - wie so oft - die einstigen Erfolgsteams McLaren und Williams erwischt. Dazu noch Sauber-Pilot Marcus Ericsson. Ganz hinten starten werden im Rennen trotzdem die Toro Rossos, und zwar wegen ihrer Grid-Strafen aufgrund von Komponentenwechsel.

Das Rennen in Austin startet um 20:10 Uhr deutscher Zeit und wird im Ticker auf Motorsport-Total.com live übertragen. Wegen der Vettel-Strafe scheint Hamilton klarer Favorit zu sein, aber Toto Wolff warnt: "Der Ferrari ist auf den Geraden eine eigene Liga. Die werden sich morgen leicht tun mit dem Überholen. Das ist noch lange nicht zu Ende!"

Auch Vettel meint selbstbewusst: "Es sieht so aus, als wären wir im Trockenen stärker als im Nassen. Wir sind wieder in Schlagdistanz."

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