• 02. September 2017 · 17:40 Uhr

Formel 1 Monza 2017: Pole für Hamilton nach Geduldsprobe

Zweieinhalb Stunden Untebrechung wegen Regen, dann die Wunderrunde Hamiltons (Mercedes) - Red Bull und zwei Youngster stark, Ferrari und Vettel saufen ab

(Motorsport-Total.com) - Chaos und ewiges Warten im Qualifying zum Italien-Grand-Prix in Monza (Formel 1 2017 live!), dann ein Herzschlagfinale als krönender Abschluss: Die 69. Pole-Position seiner Karriere und das Knacken des Formel-1-Rekordes Michael Schumachers hätten für Mercedes-Star Lewis Hamilton nicht nervenaufreibender sein können. Der Brite sicherte sich am Samstag per Wunderrunde im Regen Startplatz eins. Er hat dazu die Gelegenheit, den nur achtplatzierten Sebastian Vettel (Ferrari) im Titelrennen zu kassieren.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton fuhr mit 1,148 Sekunden Vorsprung auf die Pole Zoom Download

"Ich fühle mich so gesegnet!", jubelt Hamilton nach einem finalen Umlauf in 1:35.554 Minuten auf Vollregenreifen und bei dichter Gischt, mit dem er die von Max Verstappen (2./Red Bull/+1,148 Sekunden) gehaltene Bestzeit pulverisierte - erst nach dem Fallen der Zielflagge in Q3. Das Kunststück glückte dem Ex-Champion zu einem Zeitpunkt, als die Werte auf einer trockener und schneller werdenden Strecke purzelten. Daniel Ricciardo (Red Bull/+1,287) komplettierte die Top 3.

Der Haken: Die Red-Bull-Fahrer müssen wegen Antriebsstrafen in der Startaufstellung zurück und beginnen deshalb am Sonntag trotzdem von weit hinten. Kein Grund, Trübsal zu blasen: "Die Leistung unserer Fahrer ist umso bemerkenswerter, weil wir die denkbar niedrigste Abtriebs-Konfiguration gefahren sind, die unser Auto überhaupt zulässt", schwärmt Berater Helmut Marko. Die Österreicher wollten ihren Topspeed-Nachteil ausgleichen, opferten dafür aber Performance im Regen.

Das störte Verstappen nicht. Er hatte zuvor als einziger Pilot auf den Einsatz von Intermediates in Q2 - und auch zu Beginn von Q3 - verzichtet und sich mit Vollregenreifen richtig eingeschossen. "Ich bin viel rumgerutscht. Ich habe die Reifen abgekühlt und im letzten Anlauf lief alles gut. Ich bin zufrieden", bilanziert der Niederländer. Auch Ricciardo ist happy: "Es hat Spaß gemacht."

Nutznießer der Red-Bull-Strafen sind zwei Youngster: Lance Stroll (4./Williams/+1,478) und Esteban Ocon (5./Force India/+2,165) werden am Sonntag hinter Hamilton starten. Der 18-jährige Kanadier ist aus dem Häuschen: "Das Auto", sagt Stroll, "fühlte sich gut an, die Bremsen waren großartig, die Traktion und die Balance perfekt. Ich hatte einfach Spaß." Seine Leistung war umso bemerkenswerter, weil er zuvor nie zu mit einem Formel-1-Auto im Regen gefahren war.

Buchstäblich im Regen standen die übrigen Favoriten: Hamiltons Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas (6./+2,279) kam ebenso wenig auf einen grünen Zweig wie die Ferrari-Asse. Beim Heimspiel in Monza gab es für Kimi Räikkönen (7./+2,433) eine Klatsche. Genervter Kommentar des Finnen: "Wir waren nicht schnell genug. Ich hatte viele Probleme mit dem Grip." Noch deftiger fiel die Ohrfeige für Vettel aus, der nach Rang acht (+2,510) hörbar angefressen vor den TV-Kameras Dampf abließ: "Ich bin mit dem Ergebnis nicht zufrieden, aber das ist keine Überraschung."


Fotos: Großer Preis von Italien


Grund für die Leistung war möglicherweise ein Ferrari-spezifisches Set-up-Problem mit den Regenmischungen von Pirelli - sicher ist das nicht. "Ich war überrascht, wie schnell die anderen fahren konnten", rätselt Vettel, der nicht das Gefühl hatte, langsam zu sein. Er verneint, dass seine erste Q3-Ausfahrt auf Intermediates der Anfang vom Ende gewesen wäre - zumal Hamilton die gleiche Fehlkalkulation angestellt und auf komplett nasser Fahrbahn auch sofort auf Vollregenreifen gewechselt hatte: "Daran lag es nicht. Wüsste ich es, würde ich es sagen", bläst er die Backen auf. Immerhin rückt Vettel dank der Strafen für die Konkurrenz auf den sechsten Startplatz vor.

Die Top 10 des Qualifyings komplettierten Felipe Massa (9./Williams/+2,697) und Stoffel Vandoorne (10./McLaren/+3,603), nachdem im zweiten Abschnitt Sergio Perez (11./Force India), Nico Hülkenberg (12./Renault), Fernando Alonso (13./McLaren), Daniil Kwjat (14./Toro Rosso) und Carlos Sainz (15.Toro Rosso) die Segel hatten streichen müssen. Es war der einzige Abschnitt, in dem sich der Einsatz von Intermediate-Reifen als sinnvoll erwies. Dennoch spielte nicht jeder die Karte.

Nach Q1 war für Kevin Magnussen (16./Haas), Jolyon Palmer (17./Renault) sowie die Sauber-Piloten Marcus Ericsson (18.) und Pascal Wehrlein (19.) Feierabend - ein Abschied nach schier endlosem Warten. Über zwei Stunden zuvor war das Qualifying nur ein paar Minuten im Gange, als die Rennleitung die roten Flaggen zückte. Romain Grosjean (20./Haas) hatte auf der Start-Ziel-Geraden wegen Aquaplanings die Kontrolle verloren und schimpfte: "Man hätte uns gar nicht auf die Strecke schicken dürfen". Mit dem Heck krachte der Franzose in die Leitplanken und demolierte sein Auto.

Das Safety-Car wurde um den Kurs geschickt, der Neustart immer wieder verschoben, da die Bedingungen sich nicht gebessert hatten. Die Fans vor Ort wurden ungeduldig, nach 45 Minuten gab es erste Pfiffe, da der Regen nachgelassen hatte. Doch die Rennleitung, die auch das Regenradar im Blick hält, gab die Strecke nicht frei. Prompt regnete es wieder stärker. Besonders problematisch: Der neue Asphalt auf der Start-Ziel-Geraden. Wieder und wieder wurden die Zuschauer vertröstet, bis um 16:28 Uhr die Ankündigung kam, dass das Qualifying um 16:40 Uhr erneut gestartet wird. Die Bedingungen waren besser als zu Beginn, noch Q1 kamen Intermediates zum Einsatz.

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