• 14. Mai 2019 · 19:42 Uhr

Toto Wolff: Liberty-Gerüchte "kein Thema", aber "schmeichelnd"

Mercedes-Teamchef Toto Wolff äußert sich zu den Gerüchten, dass er neuer Geschäftsführer der Formel 1 werden soll, und stellt klar: "Wir steigen nicht aus"

(Motorsport-Total.com) - Das Gerücht, dass Toto Wolff ab 2021 neuer Chef der Formel 1 werden und Chase Carey nachfolgen könnte, war am Rande des Grand Prix von Spanien in Barcelona Gesprächsthema Nummer 1. Zuerst veröffentlicht vom Internetportal RaceFans, schlug die Spekulation hohe Wellen und veranlasste Wolff dazu, die Story zu dementieren.

Toto Wolff

Toto Wolff ist ein begehrter Mann: Offenbar zeigt Liberty Media an ihm Interesse Zoom Download

"Da würde ich meinen Job nicht ernst nehmen, wenn ich mich an solchen Spekulationen beteiligen würde. Das ist im Bereich der Fabeln einzuordnen", sagte der Mercedes-Teamchef bereits am Freitagabend der 'Kronen Zeitung'. "Da hat ein Journalist eine lustige Geschichte geschrieben, die voll ist mit irgendwelchen Spekulationen."

Tatsache ist, dass gut unterrichtete Quellen gegenüber 'Motorsport-Total.com' bestätigen, dass das Thema bereits zwischen Wolff und Vertretern von Liberty Media besprochen wurde. Der Vertrag des 47-Jährigen als Mercedes-Teamchef läuft Ende 2020 aus. Jener von Carey als Formel-1-Boss wurde gerade bis Ende 2020 verlängert.

Eigentlich hatte Carey nur einen Dreijahresvertrag, der Ende 2019 ausgelaufen wäre. Nach 2020 soll er in übergeordneter Funktion Vorsitzender der Formel 1 bleiben. Die operativeren Tätigkeiten eines Geschäftsführers könnte aber eine zusätzliche Person übernehmen.

Wolff kennt die Formel 1 und das Finanzwesen

John Malone, oberster Chef von Liberty Media, hat offenbar persönlich angeordnet, dass die Suche nach einem Carey-Nachfolger beginnen soll. Wolff ist, so heißt es, einer von mehreren Kandidaten. Aber einer, der Malone aufgrund seiner Vergangenheit als Finanzinvestor gefallen würde. Schließlich notiert die Formel 1 in New York an der Börse.

In Barcelona mit der Story konfrontiert, erklärte Wolff im Rahmen eines Mercedes-Medientermins, der Journalist habe "eine wunderbare Story geschrieben, aus der gewaltige Schlagzeilen entstanden sind. Ich schätze, das ist sein Job."

Dass die Story frei erfunden sei, behauptet der Österreicher nicht. Er gibt sogar zu, vor Veröffentlichung von dem Journalisten dazu befragt worden zu sein: "Als er nach dem Rennen in Baku auf mich zugekommen ist, habe ich ihm gesagt, dass da draußen so viel spekuliert wird und ich bei Mercedes keine normale Situation habe, sondern ich als Anteilseigner in einer super Situation bin."


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"Ich liebe es, mit den Menschen hier zu arbeiten. Es geht mir um die Beziehungen im Team. Ich fühle mich sehr wohl und jeden Tag voll motiviert. Auf meinem Vertrag sind noch ein paar Jahre zu erledigen."

"Nehmen wir Situationen wie den Umgang mit den Fahrern: Da musst du mit dem Kopf hundertprozentig bei der Sache sein. Das bin ich. Ich habe mir noch keine Gedanken über einen Wechsel nach 2020 gemacht."

Wolff weicht einem verbindlichen Dementi aus

Hört man Wolff genau zu, entschärft er die Gerüchte zwar mit seinen Aussagen. Einer verbindlichen Aussage, dass kein Gespräch zwischen ihm und Liberty stattgefunden hat, weicht er aber aus. Selbst im 'ORF' bezeichnet er die Spekulationen als "schmeichelnd" und erklärt lediglich, dass das "im Moment" kein Thema sei.

"Mir macht halt das Team so viel Spaß", sagt er. "Wir machen das gemeinsam mit Niki und mit Mercedes. Das ständige Messen, die Stoppuhr, das ist die Benchmark. Gäbe es das nicht, wäre es schon ein bisschen langweilig. Nur die Finanzseite ist auch spannend, das habe ich in meinem früheren Leben gemacht. Aber ich würde den Sport irgendwie vermissen."


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Es gibt jedoch auch Gerüchte, die von Mercedes-Seite energisch zurückgewiesen werden. Erstens, dass das Verhältnis zwischen Wolff und dem künftigen Daimler-Konzernchef Ola Källenius angespannt ist. Dazu muss man wissen: Källenius war von 2005 bis 2009 Geschäftsführer der Formel-1-Motorenfabrik in Brixworth. Er kennt den Konzern-Motorsport aus erster Hand.

Zweitens wird man nicht müde zu betonen, dass ein Ausstieg aus der Formel 1 aktuell kein Thema sei, obwohl der Grundlagenvertrag mit Rechteinhaber Liberty Media, der Mercedes (wie auch alle anderen Teams) an die Königsklasse bindet, Ende 2020 ausläuft. Auch wenn Källenius, so munkelt man, ein Fan der Formel E ist. Das eine schließe das andere nicht aus.

Wolff unterstreicht: "So, wie es momentan aussieht, profitiert Mercedes enorm von den beiden Plattformen: Formel E als aufregendes Start-up, interessant zu beobachten, auf der einen Seite, Formel 1 auf der anderen, die globale Plattform. Das deckt genau ab, was wir von unserem Motorsportprogramm erwarten."

Wolff: Mercedes plant keinen Formel-1-Ausstieg

"Die Formel 1 ist in einem guten Zustand. Wir hatten vergangenes Jahr mehr als eine halbe Milliarde Zuschauer. Trotzdem haben wir die gleichen Probleme wie jeder andere Sport. Ich fühle mich sehr wohl hier. Mercedes hat keinerlei Signale gegeben, dass sie das Programm beenden möchten. Ganz im Gegenteil führen wir sehr offene Gespräche darüber, was die Vorteile sind."


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"Aber was soll ich sagen? In zehn Jahren ist die komplette Automobilindustrie vielleicht ganz anders, möglicherweise vollelektrisch. Daher möchte ich kein Bekenntnis dazu abgeben, wo wir in zehn Jahren sein werden. Aber kurz- bis mittelfristig macht die Formel 1 für Mercedes sehr viel Sinn", sagt Wolff.

Ferner stellt er klar: "Wir steigen nicht aus. Wir hatten die Diskussion im Vorstand, denn als großer Konzern und große Marke musst du dir die Frage stellen: 'Bleiben wir hier langfristig drin?' Wir reden hier immer von Zyklen. Es gibt Zeiten, die schwierig sind, wie Anfang der 2010er-Jahre, und es gibt großartige Jahre."

"Also müssen wir uns die Frage stellen: 'Sind wir als Marke dazu bereit, uns langfristig zur Formel 1 zu bekennen und diese Zyklen durchzumachen?' Oder auf der anderen Seite: 'Ändert sich das Umfeld so, dass wir am Punkt das maximalen Erfolgs eine Entscheidung treffen, ob wir bleiben wollen oder nicht?' Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, glaube ich."

Das ist dann wohl auch beim Wahrheitsgehalt der vor Barcelona veröffentlichten Spekulationen so. Dass die Schlagzeilenflut in den internationalen Medien dem, was bisher zwischen Wolff und Liberty Media - möglicherweise recht unverbindlich - gelaufen ist, nicht ganz gerecht wird, mag stimmen. Dass es über die Idee gar keinen Austausch gegeben hat, stimmt aber nicht ...

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