Helmut Marko und Toto Wolff: Zwei starke Fürsprecher für Istanbul
Helmut Marko und Toto Wolff erinnern sich an Istanbul: Die Türkei kämpft für ein Comeback - und könnte bald Zandvoort im Kalender ablösen
(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 fährt 2025 zum (vorerst?) vorletzten Mal in Zandvoort: 2026 läuft der Vertrag für den Grand Prix der Niederlande mit Rechteinhaber Liberty Media aus. Das könnte für die Türkei die Chance bedeuten, möglicherweise schon ab 2027 als permanente Station in den WM-Kalender zurückzukehren.
Es wäre ein Comeback, das im Paddock viele Freunde hätte: "Von der ganzen Atmosphäre, vom Flair her war der Grand Prix in Istanbul einmalig. Vor allem, wenn man am Bosporus wohnen kann", sagt etwa Helmut Marko, Motorsportkonsulent von Red Bull, im Gespräch mit Motorsport-Total.com.
Istanbul 2010: Ein legendärer Grand Prix
Sportlich verbindet Marko mit dem Istanbul Park Circuit gemischte Gefühle. Unvergessen etwa das kontroverse Rennen im Jahr 2010, als die beiden Red-Bull-Piloten Mark Webber und Sebastian Vettel kollidiert und hinterher die teaminternen Spannungen zwischen den beiden eskaliert sind. Womöglich ein entscheidender Punkt, an dem die WM angefangen hat, gegen Webber zu kippen.
"Für uns war der türkische Grand Prix mit sehr vielen Zwischenfällen verbunden", sagt Marko. "Ich erinnere an Webber gegen Vettel: Beide Autos sind in Führung liegend miteinander kollidiert. Und einmal bei Regen, als Stroll auf Pole war, haben wir eigentlich alles dominiert, bis auf das Qualifying. Und dann im Rennen kam die Kollision mit Perez. Also die sportlichen Erinnerungen sind nicht so positiv."
Dennoch gibt Marko an, immer "sehr gern" in die Türkei geflogen zu sein und "viele schöne Erinnerungen" an die Reisen dorthin zu haben: "Wir haben immer am Bosporus gewohnt. Dort herrscht eine unglaubliche Atmosphäre. Die Innenstadt mit vielen top Geschäften und top Restaurants, das ist richtig mondän, würde ich sagen." Und auch der Standard der Rennstrecke sei "zum damaligen Zeitpunkt absolut top" gewesen, "vergleichbar mit anderen europäischen Anlagen".
Kurve 8: Eine fahrerische Herausforderung
Legendär am Istanbul Park Circuit, die übrigens vom deutschen Architekten Hermann Tilke designt wurde, ist vor allem die atemberaubende Kurve 8 mit gleich vier Scheitelpunkten. Auf die Frage, ob es ihn nicht gereizt hätte, diese einmal selbst zu fahren, antwortet Marko: "Nein, diesen Part habe ich in meinem Leben hinter mir. Aber selbst beim Zuschauen sieht man, was diese Kurve für eine Challenge ist. Istanbul ist generell eine sehr selektive Strecke und einer der anstrengenderen Kurse für die Fahrer."
Gewonnen hat Red Bull in Istanbul übrigens nur einmal: 2011 mit Vettel. Die Premiere im Jahr 2005 gewann Kimi Räikkönen auf McLaren. Von 2006 bis 2008 triumphierte Felipe Massa auf Ferrari. 2009 war Jenson Button (Brawn) dran, 2010 Lewis Hamilton (McLaren). Und die beiden Corona-Grands-Prix in den Jahren 2020 und 2021 dominierte Mercedes: 2020 mit Hamilton, 2021 mit Valtteri Bottas als Sieger.
Mercedes: Türkei ist "ein riesiger Markt"
"Die Türkei war in der Vergangenheit ein guter Ort für uns", erinnert sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Ich bin nicht besonders gut darin, mich an einzelne Grands Prix zu erinnern, aber da war dieses Rennen im Regen, wo Lewis die WM gewonnen hat. War es die WM? Auf diesen Regenreifen, die zu Slicks wurden. Das ist also die jüngste Erinnerung, die ich an die Türkei habe."
"Aber klar ist, dass es ein riesiger Markt für Mercedes ist. Es geht nicht nur darum, Autos zu verkaufen, sondern auch darum, Autos und Lastwagen zu produzieren. Deshalb war es immer ein schöner Ort, um hinzugehen", sagt Wolff.
Hintergrund für die Bemühungen des türkischen Motorsportverbands TOSFED, die Formel 1 zurück nach Istanbul zu holen, ist die erst im Juni getroffene Vereinbarung, die Rennstrecke für die nächsten zehn Jahre unter TOSFED-Verwaltung zu übergeben. Der Verband möchte sich nun bemühen, die Anlage mit internationalen Motorsportevents wiederzubeleben.
Nach dem Ende des Vertrags mit dem damaligen Formel-1-Rechteinhaber CVC Capital Partners, vertreten durch Bernie Ecclestone, im Jahr 2011, war die Zukunft des Istanbul Park Circuit ungewiss. Zuletzt kursierten sogar Gerüchte, das Areal vor den Toren von Istanbul könnte für Einkaufszentren oder Hotels genutzt werden.
Doch mit der Übernahme durch TOSFED stehen die Weichen wieder voll auf Motorsport - und zwar mit Unterstützung der türkischen Politik: "Die Regierung hat ein starkes Interesse daran, die Türkei dauerhaft zurück in den Formel-1-Kalender zu bringen", sagte TOSFED-Präsident Eren Üclertopragi erst vor ein paar Monaten.