George Russell: Mercedes spricht nicht nur mit Max Verstappen
George Russell spricht über die ausbleibende Vertragsverlängerung bei Mercedes und meint, dass sich eher Antonelli wegen Verstappen Sorgen machen musste
(Motorsport-Total.com) - Die Sommerpause gilt häufig als Zeitraum, in der neue Verträge für die kommende Formel-1-Saison fixiert werden, doch obwohl seine Verlängerung eigentlich nur eine Frage der Zeit sein müsste, ist bei George Russell und Mercedes in den knapp vier Wochen nichts passiert. Noch immer wartet der Brite auf eine Bestätigung, dass er auch 2026 für die Silberpfeile an den Start gehen wird.
Doch Russell gibt sich weiterhin betont gelassen und sieht noch keinen Grund zur Sorge: "Während der Sommerpause sollte nichts passieren, weil es für beide Seiten keinen Grund dafür gab - wir wollten die kurze freie Zeit einfach genießen", sagt er am Donnerstag in Zandvoort.
"Es gibt weder von meiner Seite noch von der Seite des Teams irgendeinen Zeitdruck. Es kann also länger dauern als gewöhnlich, aber ihr solltet da nicht mehr hineininterpretieren, als es ist", stellt er klar.
Die Gespräche derzeit seien positiv und die Dinge gehen in die richtige Richtung - das ist der Stand. Große Priorität habe der neue Vertrag für beide Seiten ohnehin nicht, da man sich auch um einige andere Themen kümmern müsse: die Entwicklung für 2026, Sponsoren-Events, Training und so weiter. "Es ist nicht so, dass die Welt stillsteht, nur um das zu regeln", sagt er.
Natürlich bleiben die Gerüchte nicht aus. Warum wartet Mercedes so lange, wenn doch alles klar zu sein scheint?
Nicht nur Verstappen spricht mit Mercedes
Zuletzt hatte Russell die Gerüchte um sein Cockpit selbst befeuert, indem er zugab, dass sein Arbeitgeber Gespräche mit Weltmeister Max Verstappen führen würde. Sofort schossen die Gerüchte in den Himmel und es wurden Yachten von Verstappen und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff im vermeintlichen Urlaub verfolgt.
Nicht wenige vermuteten Kalkül hinter der Aktion, um etwa Gegner Red Bull zu schaden, doch davon möchte Russell nichts wissen: "Naja, ich dachte nicht, dass das ein Geheimnis war", zuckt er mit den Schultern. "Vielleicht war es ein ... wie sagt man ... offenes Geheimnis. Aber mir war nicht klar, dass das nicht allgemein bekannt war."
Denn für ihn sei das ohnehin Normalität: Außerdem gehe es bei solchen Gesprächen nicht immer unmittelbar um das nächste Jahr, sondern auch um die Lage in etwa zwei bis drei Jahren. "So läuft es bei jedem Teamchef und allen Topfahrern: Sie wollen wissen, wie die Lage ist", sagt Russell. "Daran ist nichts Verwerfliches."
Außerdem sei Verstappen nicht der einzige Fahrer, mit dem das Team Kontakt hatte. "Irgendwann wollte jeder Fahrer ein Mercedes-Cockpit. Also ist jeder Fahrer zu einem gewissen Zeitpunkt im Gespräch, um zu fragen, was möglich ist. So ist das in diesem Sport, das ist ziemlich offen, denke ich", sagt er.
Russell: Antonelli musste sich Sorgen machen
Das Thema Max Verstappen und Mercedes hat sich mittlerweile erledigt, seit der Niederländer vor der Sommerpause erklärte, er werde auch 2026 bei Red Bull fahren.
Damit hat sich eine der größten Sorgen für Russell erledigt, wobei er selbst betont, dass er sich eigentlich nie Sorgen gemacht habe: "Nein, überhaupt nicht", winkt er ab. Stattdessen habe sich eher Andrea Kimi Antonelli Sorgen machen müssen: "Es war eher die Frage, wer mein Teamkollege sein würde."
Schumacher geht leer aus! Cadillac-Cockpits offiziell vergeben
Keine Chance für Mick! Cadillac hat sich entschieden, dass sie mit voller Erfahrung in das erste Formel-1-Jahr gehen werden. Weitere Formel-1-Videos
Denn der 27-Jährige ist ohnehin der Meinung, dass es in der Formel 1 immer auf Leistung ankommt - und die stimmt bei ihm in diesem Jahr. Russell ist nach dem Abgang von Lewis Hamilton die klare Nummer 1 im Team und hat seinen Teamkollegen Andrea Kimi Antonelli komplett im Griff.
In Kanada holte er Mercedes' bislang einzigen Saisonsieg und in diesem Jahr sechs der sieben Podestplätze der Silberpfeile. "Ich glaube mehr denn je an mich selbst. Ich habe immer an mich geglaubt, und meine Ergebnisse haben das immer gezeigt - nicht nur in dieser Saison, sondern meine gesamte Karriere seit ich zehn bin", sagt er.
Und er stellt klar: "Wenn du an dich glaubst und Leistung bringst, musst du dir nie Sorgen machen."
Verlängerung nur um ein Jahr? Russell wär's egal
Daher wäre es ihm auch egal, wenn er nur einen Einjahresvertrag von Mercedes bekommen würde. "Für mich steht nächstes Jahr im Vordergrund. Ich bin für alles offen. Ich will einfach nur sicherstellen, dass ich gewinne", sagt Russell.
Für Mercedes könnte ein Einjahresvertrag Sinn ergeben. Denn während aufgrund des neuen Reglements im Grunde alle relevanten Fahrer noch für 2026 unter Vertrag stehen, ist danach vieles offen. Auch ein Max Verstappen könnte dann wieder zur Verfügung stehen - je nachdem wie gut Red Bull in die neue Ära findet.
Die Vertragslaufzeiten der aktuellen Formel-1-Fahrer
Franco Colapinto (Argentinien) ist ab dem Rennwochenende in Imola für fünf Grands Prix der zweite Mann bei Alpine und ersetzt in dieser Zeit Jack Doohan, den eigentlichen Alpine-Stammfahrer. Was nach dieser Phase passiert, ist offen. Fotostrecke
Aber: Auch für die Fahrer könnte das sinnvoll sein, da sie dann wissen, welches Team den Umstieg gut gemeistert hat.
"Ich denke, das geht in beide Richtungen", meint Russell. "Man muss abwägen, was die Vorteile sind, aber auch, welche Risiken es gibt. Es ist immer ein Spiel aus Risiko und Belohnung. Ich bin Mercedes gegenüber loyal, weil wir uns gegenseitig über die Jahre so stark unterstützt haben, und wie gesagt: Ich will mit Mercedes gewinnen."
"Aber alles muss passen, alles muss aufeinander abgestimmt sein. Ob das nun ein Jahr bedeutet oder mehrere - genau das besprechen wir gerade. Und darauf bauen wir auf", sagt er.
Auch in Monza wohl wieder mit Fragen bombardiert
Nur: Dann dürfte das Spiel mit den Journalisten weitergehen, die ihn auch dann wieder regelmäßig nach seiner Zukunft fragen werden.
Und solange sich auch für 2026 nichts ändert, solange wird er wohl auch am kommenden Donnerstag in Monza wieder darüber reden müssen.
Das stört ihn aber nicht: "Man lernt, damit zu leben", winkt er ab. "Ich rede donnerstags darüber, zehn Minuten später ist es für mich abgehakt. Dann arbeite ich mit meinen Ingenieuren. Danach bestreite ich das Rennwochenende. Und am nächsten Donnerstag reden wir wieder darüber. Und dann am nächsten Donnerstag."
"Es gibt 24 Donnerstage im Jahr - also beschäftige ich mich 24-mal im Jahr damit. Die restlichen 340 Tage habe ich meine Ruhe."