Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Redaktion » 10.08.2020, 06:15

Warum die Verschwörungstheorien rund um Ferrari und Sebastian Vettel Unsinn sind, er aber trotzdem das Rennfahren nicht verlernt hat
Sebastian Vettel

Sebastian Vettel erlebt gerade die schwierigste Phase seiner Karriere

Liebe Leser/-innen,

was ich an meiner Montagskolumne am meisten mag ist, dass ich nicht neutral sein muss. Das bringt diese journalistische Darstellungsform so mit sich. Ich kann mich ganz offen dazu bekennen, dass mir Sebastian Vettel menschlich irgendwie nahe ist. Nicht, dass wir beste Freunde wären - nein, ganz und gar nicht! Aber seine geerdete, bodenständige Art, die schätze ich in diesem Millionenbusiness voller Blender und Heuchler.

Silverstone war echt kein gutes Pflaster für Vettel. Zwei Wochen, nach denen er sicher nicht gut schlafen kann. Es wird langsam schwierig, ihn zu verteidigen. Und zu jenen bewundernswerten, aber dennoch meiner Meinung nach fehlgeleiteten Fans, die die große Verschwörung wittern und unterstellen, dass Ferrari ihn ganz gezielt sabotiert, möchte ich nicht gehören.

In mittlerweile 22 Jahren Berufs-Motorsportjournalismus habe ich einige Dinge gelernt. Dazu gehört auch: Meistens treffen die ganz einfachen, logischen Erklärungen die Wahrheit am besten. (Und: In 99 Prozent aller Fälle geht es um a) Geld oder b) persönliche Eitelkeiten. Manchmal noch um c) Sex. Aber das ist ein anderes Thema ...)

Verschwörung gegen Vettel: Das ist doch Unsinn!

Ich glaube nicht, dass Mattia Binotto die Vettel-Mechaniker angewiesen hat, ihm heimlich einen schlechteren Flügel an den SF1000 zu schrauben als Charles Leclerc. Das würde den Argusaugen unseres Technik-Gurus Giorgio Piola sofort auffallen. Und ich glaube auch nicht, dass Vettels Motor weniger PS hat. Dafür ist die Streuung modernder Formel-1-Antriebe viel zu gering. Sie liegt bei zwei bis fünf PS, habe ich mir unlängst erklären lassen.Es mag schon sein, dass es Binotto ganz gelegen kommt, dass Leclercs Ergebnisse bestätigen, dass er der neue "golden Boy" von Ferrari ist und nicht Vettel. Und man darf gerade in der Formel 1 auch nicht so naiv sein, ein Komplott ganz auszuschließen, das einen massiv in der Kritik stehenden Ferrari-Teamchef und seine Entscheidungen in der Öffentlichkeit etwas besser aussehen lässt, als sie eigentlich waren.Wenn solche politischen Spielchen einem Team zuzutrauen sind, dann Ferrari. Das haben 70 Jahre Formel-1-Geschichte mehrfach bewiesen.

Letzte Nacht: Vettel-Kritik an Ferrari, Verstappen als Mercedes-Schreck

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Andererseits geht es um die Konstrukteurs-WM, und ob Ferrari Dritter wird oder Sechster (beides ungefähr gleich wahrscheinlich) macht einen Riesenunterschied für die "Kriegskasse" in Maranello. In normalen Jahren fast 15 Millionen US-Dollar. 2020/21, weil der FOM-Topf aufgrund der Coronakrise insgesamt spürbar kleiner ausfallen wird, wahrscheinlich etwas weniger.Wir erinnern uns: In 99 Prozent aller Fälle geht es a) um Geld ...Für sehr viel wahrscheinlicher halte ich ein anderes Szenario. Seb befindet sich 2020 einfach am leidtragenden Ende jenes Spektrums, das er zwischen 2009 und 2013 schon einmal von der anderen Seite erlebt hat. Bei Red Bull war er es, der immer "ein bisschen mehr geliebt" wurde als Teamkollege Mark Webber.Red Bull hat damals sicher auch nicht Webbers Auto sabotiert. Aber es mag schon sein, dass die Herren Marko, Horner und Newey dafür gesorgt haben, dass die besten Ingenieure und Mechaniker, die man hatte, in der Vettel- und nicht in der Webber-Box waren. Oder dass der neueste Frontflügel am ihrer Meinung nach richtigen Auto landete. "Nicht schlecht für einen Nummer-2-Fahrer", wir erinnern uns.Oder, noch viel entscheidender: Stardesigner Adrian Newey hat Vettel, so erzählt man das zumindest im Formel-1-Paddock, aus der Hand gefressen. Newey-Autos sind nicht jedermanns Sache. Aber Vettel war mit seinem speziellen Fahrstil einer, der sie besonders gut bändigen und zu seinem Vorteil nutzen konnte.

Früher Vettel, jetzt Leclerc: Teams folgen den Champions

Dass Red Bull bei der Entwicklung der jeweils neuen Boliden mehr auf Vettel gehört hat als auf Webber (und das vielleicht sogar eher unbewusst als bewusst), kann ich nachvollziehen. Das war der erfolgversprechendere Weg.

Und Vettel war, das haben wir ja bereits festgehalten, Markos "golden Boy". Erstens wegen seines Talents. Und zweitens, weil er der erste potenzielle Junior aus Markos damals oft kritisiertem Nachwuchskader war, das die Chance hatte, Formel-1-Weltmeister zu werden.

Jetzt ist es bei Ferrari genau andersrum. Leclerc ist derjenige, an dem sich die Ingenieure bei der Entwicklung orientieren. Er gibt die Richtung vor, nach seinem Fahrstil wird die Technik ausgerichtet. Er hat einen Vertrag bis Ende 2024, ihm gehört die Zukunft, er soll die WM wieder nach Maranello holen.

Bei Vettel hingegen weiß man: In ein paar Monaten ist alles vorbei. Vergebene Liebesmüh.

Dass Ferrari jetzt öffentlich volle Unterstützung für Vettel bekennt und sogar anbietet, sein Chassis zu tauschen, weil das ein paar TV-Experten fordern, ehrt die Scuderia. Es wird am großen Ganzen aber nichts ändern, vermute ich.

Das Problem ist meiner Meinung nach ein anderes: Der Ferrari ist aus nachvollziehbaren Gründen auf Leclercs Fahrstil zugeschnitten, und das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was Vettel braucht. Der viermalige Weltmeister liebt es, wenn sein Auto in den Kurven klebt, er liebt ein starkes Heck. In der Zeit, als das wegen des angeströmten Diffusors in der Formel 1 Hochkonjunktur hatte, war er nahezu unschlagbar.

Schwänzelt das Heck hingegen nervös hin und her, tut sich damit die Generation Leclerc-Verstappen viel leichter als Vettel. Und dann führt ganz schnell eins zum anderen: Du grübelst über den Daten und fragst dich, wie der Teamkollege so schnell durch Kurve XY fahren kann. Probierst es selbst aus und merkst, es geht nicht. Weil du früher aber immer schneller warst, willst du das nicht akzeptieren - und schon verrennst du dich in den verrücktesten Set-ups.

Es ist jener Kreislauf, den die Formel-1-Fahrer vor den TV-Kameras oft als Vertrauensverlust bezeichnen.

Seb steckt da mittendrin. Nur: Weil das Kapitel Ferrari ohnehin zu Ende geht, juckt ihn das doch nicht mehr. Sollte man zumindest meinen.

Warum "Copygate" für Vettels Zukunft wichtig ist

In Wahrheit hat er derzeit aber noch ganz andere Gründe, schlecht zu schlafen.

Sollte sich Vettels insgeheimer Wunsch erfüllen und er 2021 anstelle von Alexander Albon zu Red Bull zurückkehren, hätte er womöglich wieder das gleiche Problem wie bei Ferrari. Dort ist Verstappen der Platzhirsch, auf den alles zugeschnitten ist, und der hat einen ähnlichen Fahrstil wie Leclerc.

Lance Stroll, Sebastian Vettel

Racing Point (Aston Martin) bleibt eine von Sebastian Vettels Varianten für 2021

Für Aston Martin wiederum ist die Ausgangssituation seit dem FIA-Urteil vom vergangenen Wochenende nicht attraktiver geworden. Zwar ist noch unklar, wie das Berufungsverfahren letztendlich ausgehen wird. Aber dass Aston Martin (derzeit noch Racing Point) nicht einfach wie 2020 den Vorjahres-Mercedes kopieren kann, das zeichnet sich doch bereits ab.

Wohin also mit dem viermaligen Weltmeister? Die Optionen, die aus seiner Sicht einer näheren Prüfung standhalten und danach immer noch attraktiv erscheinen, werden immer weniger.

Vielleicht ist wirklich die Variante am charmantesten, die Ralf Schumacher kürzlich ins Spiel gebracht hat: nicht als Nummer 1B zu Red Bull Racing, sondern als Nummer 1 zu AlphaTauri. Red Bull könnte in der perfekten Welt zwei (fast) gleichwertige Autos ins Rennen schicken, mit größtenteils identischen Bauteilen. Gleichzeitig könnte man in Faenza für Vettel jenes Feintuning vornehmen, das er für seinen Fahrstil braucht, ohne damit Verstappen zu schaden.

Das Duell der Super-Vs, in zwei gegeneinander antretenden Red-Bull-Teams, mit einem Grand Prix am Red-Bull-Ring, übertragen vom Red-Bull-Sender ServusTV: Gibt's aus Sicht von Dietrich Mateschitz überhaupt ein größeres PR-Spektakel? Es wäre ganz, ganz großes Kino.

Der Haken daran ist nur: Damit dieses Szenario für Vettel wirklich attraktiv wird, muss die FIA ihr erstinstanzliches "Copygate"-Urteil in der zweiten Instanz überdenken. Denn wenn AlphaTauri das Auto für ihn selbst bauen muss, sind damit keine Siege und WM-Titel möglich. Und das ist ja schon bei Aston Martin der Casus knacksus.

Klar ist: Am größten sind Sebs Chancen, seine Karriere auch 2021 in einem konkurrenzfähigen Auto fortzusetzen, wenn er 2020 mit sportlicher Leistung gar keine andere Wahl lässt als ihn zu engagieren. Aber seinen alten Mentor Helmut Marko davon zu überzeugen, dass er seit 2013 nichts verlernt hat, wird unter den Rahmenbedingungen, die er bei Ferrari derzeit vorfindet, ganz, ganz schwierig ...

Ihr
Christian Nimmervoll

PS: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat und warum, das gibt's traditionell bei meinem Kollegen Stefan Ehlen auf unserem Schwesterportal motorsport.com nachzulesen.

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Zuletzt geändert von Redaktion am 10.08.2020, 06:15, insgesamt 18-mal geändert.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Tech Enthusiast » 10.08.2020, 06:27

Sehr gut durchdachte, ehrliche und treffende Worte zu Vettel.
Kann ich nahezu komplett zustimmen. Ich würde lediglich das Argument "er hat das Fahren nicht verlernt" etwas relativieren und ihn auch deswegen schlecht schlafen lassen.

Seine Fehler kommen sicher nicht nur von fehlendem Support. Er ist definitiv nicht mehr so gut, wie er mal gewesen sein mag. Auf keinen Fall würde ich dem HEUTIGEN Vettel einen WM-Titel zutrauen, geschweige den vier. Und ich gehe davon aus, dass er das sicher nicht verdrängt und ignoriert und deswegen auch schlecht schlafen wird.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von laruso » 10.08.2020, 07:21

ja, ich stimme teilweise zu
aber man geht bei Ferrari davon aus, das VET sich quer stellt und holt ihn gestern früher an die Box, was Binotto ja bestätigt hat. Man wollte nicht, das LEC auf VET trifft und war sich anscheinend sicher das VET gegen LEC nicht nachgibt, auch wenn die Box das sagt.

Da finde ich fehlt das Vertrauen, kann auch seiten VET schon verspielt geworden sein, aber eine Basis für die ganze Saison fehlt hier leider. Die Dreher verursacht leider VET selbst, kann schon sein das das Auto dem Fahrstil nicht entspricht, aber dann muss man sich leider anpassen. Sowas könnte man ja auch mit einem alten Auto testen, aber ob Ferrari gewillt ist da soviel Geld zu investieren um VET den anderen Stil näher zu bringen, wäre dann auch wieder die andere Frage.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Universal_Racer » 10.08.2020, 07:25

Tech Enthusiast hat geschrieben:
10.08.2020, 06:27
Sehr gut durchdachte, ehrliche und treffende Worte zu Vettel.
Kann ich nahezu komplett zustimmen. Ich würde lediglich das Argument "er hat das Fahren nicht verlernt" etwas relativieren und ihn auch deswegen schlecht schlafen lassen.

Seine Fehler kommen sicher nicht nur von fehlendem Support. Er ist definitiv nicht mehr so gut, wie er mal gewesen sein mag. Auf keinen Fall würde ich dem HEUTIGEN Vettel einen WM-Titel zutrauen, geschweige den vier. Und ich gehe davon aus, dass er das sicher nicht verdrängt und ignoriert und deswegen auch schlecht schlafen wird.
Es ist nicht so, dass er sein Talent und somit sein Fahrkönnen verloren hat.
Er ist grade "einfach nur" nicht auf der Höhe.
Wenn also Auto, Umfeld und die sonstigen Umstände wieder passen, dann wird er auch wieder besser fahren.

Er ist nicht der einzige Rennfahrer, dem so etwas passiert ist.
Es gibt immer wieder ähnliche, teils auch heftigere Beispiele, vor allem wenn man sich auch andere Rennserien anschaut.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Vinyard » 10.08.2020, 07:40

laruso hat geschrieben:
10.08.2020, 07:21
:chat:
Vertrauen verspielt von Vet? Wo durch bitte?

Ich mein die Fahrfehler sind denke ich nicht für den Vertrauensverlust verantwortlich. Wobei ich ja auch sagen muss das er zuletzt zu häufig Fehler gemacht hat... aber ich kann seine Situation auch nicht wirklich einschätzen mit der Kiste, daher gestehe ich ihm das zu. Okay Vettel fan halt...

Aber Vertrauen verspielt wurde doch Seitens Ferrari, als man im Winter Vertragsverhandlungen mit 2 Fahrern gleichzeitig geführt hat und beide im Dunkeln gelassen hat, bis eine Unterschrift drauf war. Weil der, den man haben will könnte ja abspringen, da hat man dann immernoch den alten Gaul.

Zumindest würde ich mich so fühlen, dann so zu Reagieren wie Vettel im Boxenfunk, finde ich gut. Ich könnte auch verstehen das er nicht mehr alles aus der Kiste rausholt, auch wenn er es sagt. Es fehlt auch Motivation und Lust glaube ich.
Da hat das rote Pferd sich einfach rumgedreht und mit seinem Heck den Mercedes weggeweht, der Mercedes war nicht dumm er raste außen rum, und fuhr mit viel gebrumm ums rote Pferd herum, Bumm Bumm!! :checkered:

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Tech Enthusiast » 10.08.2020, 08:02

Nun, offensichtlich vertraut Ferrari ihm nicht.
Wir können nur mutmaßen wieso, aber der Fakt bleibt bestehen, egal wie stark wir das relativieren.

Nun ist es aber auch nicht so, als würde ich nicht auch davon ausgehen, dass sich Vettel in den Weg gestellt hätte. Ich bin fest davon ausgegangen und habe das lokal auch so kommentiert, schon bevor der Stop kam. "5Sekunden zu Vettel, in zwei bis drei Runden wird er dran sein. Lasst hoffen, dass Vettel Teamplayer ist und ihn nicht raus kegelt!" - kurz danach kam er an die Box, bevor Leclerc ganz aufgeschlossen hatte.

Wie er sich dieses Vertrauen verspielt hat, ist (zumindest für mich) klar. Er ist Hamilton bereits absichtlich in die Karre gefahren und hat auch letztes Jahr Leclerc nicht gerade freundlich unterstützt. Um es nett auszudrücken.

Und dann ist da noch die Tatsache, dass es bei Leclerc, zumindest zu dem Zeitpunkt, um drei Positionen ging. Selbst eine Sekunde hinter Vettel hätte die drei Positionen kosten können. Da ging es um richtig viele WM Punkte (für den aktuellen Stand zumindest). Dass man da kein Risiko eingehen will, sehe ich nur als realistisch an. Wenn sie nur 10% verlorenes Vertrauen in Vettel haben, reicht das schon als Begründung, um das Risiko zu covern.

Was seine Fahrkünste angeht, bin ich weiterhin skeptisch.
Wie viele Jahre hatte er den vollen Support? Ging da so arg viel mehr als die letzten zwei Jahre?
Wie viele Jahre muss man einem 4-fachen WM gönnen, damit er sich an ein Auto gewöhnt?

All die aktuellen Ausreden habe ich komplett akzeptiert. Vor 5-6 Jahren. Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem man entweder die WM Titel hinterfragen muss, oder aufhört mit den Ausreden. Einfach beides aufrecht halten ist doch nicht zielführend. Ein WM muss doch in der Lage sein sich anzupassen und nicht jedes Rennen mit irgendwelchen Ausreden schlecht abzuschließen. Das mag alles mal passieren. Mal ein Rennen. Mal nach einer Regeländerung für paar Rennen,... aber wir reden hier über viele Jahre.
jeder Fahrer, nicht nur ein WM, muss das einfach hinbekommen, sonst ist er einfach kein guter Fahrer.
Wenn er mit den "aktuellen", und da reden wir von 8 Jahren(?), Autos nicht klar kommt: Was hat er dann in der F1 verloren?

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Universal_Racer » 10.08.2020, 08:09

Tech Enthusiast hat geschrieben:
10.08.2020, 08:02
jeder Fahrer, nicht nur ein WM, muss das einfach hinbekommen, sonst ist er einfach kein guter Fahrer.
Wenn er mit den "aktuellen", und da reden wir von 8 Jahren(?), Autos nicht klar kommt: Was hat er dann in der F1 verloren?
Was will man dazu groß sagen?
Vettel ist also kein guter Fahrer und hat in der F1 nichts verloren. Ok, alles klar. :facepalm:
Und zum Rest deines Posts: Ich bin beeindruckt wie man in so viel Text, so wenig brauchbare und richtige Informationen packen kann.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von rot » 10.08.2020, 08:12

Und da ist es wieder, das zugeschnittene Auto.........


Fahrer entwickeln keine Autos. Fahrer geben Feedback für ihr Setup. Natürlich auch für die Entwicklung. Aber am Ende vom Tag baut ein Team einfach das schnellst mögliche Vehikel. Dabei ist die Präferenz des Fahrers völlig egal.

Das Missfallen vom Handling bei Vettel ist schlicht der aktuellen Fahrzeuggeneration geschuldet. Ein loses Heck ist einfach Gift für Vettel. Dabei ist der Ferrari mit der bescheidenen Aero sicherlich auch nicht förderich. Mag sein, dass 2022 sich das wieder ändern kann. Ob er dann ein anständiges Auto unterm Hintern hat, beziehungsweise, überhaupt ein F1 Auto unterm Hintern hat, das steht in den Sternen.

Ansonsten, mal ein schöner Bericht.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von SeppKultura » 10.08.2020, 08:14

Tech Enthusiast hat geschrieben:
10.08.2020, 08:02
Wie er sich dieses Vertrauen verspielt hat, ist (zumindest für mich) klar. Er ist Hamilton bereits absichtlich in die Karre gefahren und hat auch letztes Jahr Leclerc nicht gerade freundlich unterstützt. Um es nett auszudrücken.
Leclerc war neu im Team und ein 4-maliger WM, der mehr als doppelt soviel im Jahr verdient, soll einen Neuling "freundlich unterstützen"? In welchem Team in der Geschichte der F1 gab es sowas denn schon einmal? Im Übrigen erinnere ich ans Qualifying in Monza...

Tech Enthusiast hat geschrieben:
10.08.2020, 08:02
Was seine Fahrkünste angeht, bin ich weiterhin skeptisch.
Wie viele Jahre hatte er den vollen Support? Ging da so arg viel mehr als die letzten zwei Jahre?
Wie viele Jahre muss man einem 4-fachen WM gönnen, damit er sich an ein Auto gewöhnt?
Diese Aussage verstehe ich überhaupt nicht: 2017 und 2018 kämpfte Vettel trotz seiner zahlreichen Fehler um den Titel.
Und nur zur Sicherheit: dir ist schon bewusst, dass Ferrari jedes Jahr ein neues Auto baut, oder? Man hat also im Normalfall 1 Jahr Zeit, um sich an das Auto zu gewöhnen. Richtig arge Probleme mit dem Auto hat Vettel erst seit 2019, da hat sich auch Grundlegendes geändert.

Den vollen Support hatte er in den entscheidenden Phasen übrigens nie, auch wenn manche so tun, als wäre Kimi über all die Jahre zurückgepfiffen worden: in Monza 2017 hat man ja deutlich gesehen, dass Ferrari eben nicht clever genug war, alles auf den Fahrer zu setzen, der um den Titel kämpft.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Munster » 10.08.2020, 08:24

Tech Enthusiast hat geschrieben:
10.08.2020, 06:27
Sehr gut durchdachte, ehrliche und treffende Worte zu Vettel.
Kann ich nahezu komplett zustimmen. Ich würde lediglich das Argument "er hat das Fahren nicht verlernt" etwas relativieren und ihn auch deswegen schlecht schlafen lassen.

Seine Fehler kommen sicher nicht nur von fehlendem Support. Er ist definitiv nicht mehr so gut, wie er mal gewesen sein mag. Auf keinen Fall würde ich dem HEUTIGEN Vettel einen WM-Titel zutrauen, geschweige den vier. Und ich gehe davon aus, dass er das sicher nicht verdrängt und ignoriert und deswegen auch schlecht schlafen wird.
Es schaut doch so aus: Das Tuch zwischen Ferrari und Vettel war bereits Ende 2018 zerschnitten und deshalb auch der Leistungseinbruch. Ich denke, dass man ihm bei Ferrari vorwirft 2018 wegen dem ein oder anderen Schnitzer nicht den Titel geholt zu haben. Seit dem hat er keinen Rückhalt mehr im Team, lässt ihn das vermutlich spüren und seine Leistung ist in Folge dessen 2019 eingebrochen und 2020 weiter.

Ehrlich gesagt ist das auch ziemlich menschlich: Könntest Du für einen Arbeitgeber noch 100% geben, der Dich spüren lässt, dass er nicht mehr hinter Dir steht und Dich wissen lässt, dass er Dich nicht mehr haben möchte? Ich glaube kaum; warum sollte man sich für so einen Arbeitgeber noch aus dem Fenster lehnen? Man könnte jetzt argumentieren, dass Vettel für sich kämpfen müsste um sich für andere Teams zu empfehlen, aber seinen Spaß im Cockpit zu finden mit einem Team im Rücken, dass Dich - wie gesagt - wahrscheinlich spüren lässt, dass DU dafür verantwortlich bist nicht den Titel geholt zu haben, ist verdammt schwer - schließlich ist die F1 immer noch ein Teamsport; wir sprechen hier vielleicht von einer Situation die fast schon an Mobbing gegenüber Vettel grenzt. So wirkt es auf mich.

Letztendlich wird sich Ferrari aber vermutlich noch nach den Ergebnissen sehnen, die Vettel für das Team 2017 und 2018 eingefahren hat, denn auch wenn man ihm vielleicht vorwerfen kann, dass er 2018 den Titel hätte holen müssen, hat er nun mal mit 12 (2017) bzw. 13 (2018) Podestplatzierungen inklusive jeweils 5 Rennsiegen und dem Vize-Titel rein den Zahlen nach eine eindrucksvolle Bilanz vorzuweisen. Mal schauen wie lange es braucht bis die Scuderia wieder eine derartige Bilanz vorweisen kann. Ich prophezeie: Lange.
Zuletzt geändert von Munster am 10.08.2020, 08:35, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Universal_Racer » 10.08.2020, 08:32

SeppKultura hat geschrieben:
10.08.2020, 08:14
:chat:
Gebe dir zu 100% Recht. Aber ich glaube Du gehst viel zu ernsthaft auf das Gebrabbel ein, das er da von sich gegeben hat. Kann man nicht ernst nehmen.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Vinyard » 10.08.2020, 08:33

Tech Enthusiast hat geschrieben:
10.08.2020, 08:02
Wie er sich dieses Vertrauen verspielt hat, ist (zumindest für mich) klar. Er ist Hamilton bereits absichtlich in die Karre gefahren und hat auch letztes Jahr Leclerc nicht gerade freundlich unterstützt. Um es nett auszudrücken.
Also ich feier die Aktion immernoch :biggrin: glaube kaum das dies bei Ferrari/Fans schlecht ankam. Geschweige Vertrauen verspielt hat.

Und den Neuling unterstützen? Okay. Zumal es letztes Jahr zwischen den beiden recht ausgeglichen war... das ist immernoch Motorsport. Jeder für sich.
Da hat das rote Pferd sich einfach rumgedreht und mit seinem Heck den Mercedes weggeweht, der Mercedes war nicht dumm er raste außen rum, und fuhr mit viel gebrumm ums rote Pferd herum, Bumm Bumm!! :checkered:

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von schkai » 10.08.2020, 08:35

Tech Enthusiast hat geschrieben:
10.08.2020, 08:02
Wie er sich dieses Vertrauen verspielt hat, ist (zumindest für mich) klar. Er ist Hamilton bereits absichtlich in die Karre gefahren und hat auch letztes Jahr Leclerc nicht gerade freundlich unterstützt. Um es nett auszudrücken.
Liest du eigentlich auch deinen eigenen Mist ? Wann ist er absichtlich und vorsätzlich Hamilton ins Auto gefahren ? Und aus welchen Grund soll er Leclerc freundlich unterstützen wenn dieser ihn auch sabotiert ? Leclerc ist ein Fahrer der es nicht ausstehen kann wenn sein TK vor ihm ist, er versucht dann mit biegen und brechen an diesem vorbeizukommen oder fährt ihm ins Auto. Hat man ja in Österreich gesehen. Dann weint er noch im Teamradio rum das ihn einer von hinten geschubst hätte. Heuchler ist er. Aber damit wird er früh oder später eh auf die Nase fallen, da wird ihm keiner mehr im Zweikampf den platz lassen wie heute.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von matsches » 10.08.2020, 08:36

Wenn man die Situation ohne Fanbrille betrachtet muss man aktuell zugeben, daß Ferrari mit LC ein Einmannteam ist.
Vettel bringt Unruhe (daher solche Späße wie vorgezogene Stopps) aber nicht die Leistung die man von einem Ferrari Piloten erwartet.
Sicher, seine Situation ist nicht einfach, aber so gibt er kein gutes Bewerbungsschreiben ab.
Warum sollte ich als Teamchef einem Perez zu Gunsten eines Vettel in dieser Form den Laufpass geben?
Den Vettel von vor 10 Jahren gibts leider nicht mehr.
Ich fürchte fast, Vettel gibt uns gerade seine Abschiedsvorstellung.
Mal sehen ob ihn Ferrari 2020 zu Ende fahren lässt.

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Re: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sebastian Vettel

Beitrag von Munster » 10.08.2020, 08:39

matsches hat geschrieben:
10.08.2020, 08:36
Wenn man die Situation ohne Fanbrille betrachtet muss man aktuell zugeben, daß Ferrari mit LC ein Einmannteam ist.
Vettel bringt Unruhe (daher solche Späße wie vorgezogene Stopps) aber nicht die Leistung die man von einem Ferrari Piloten erwartet.
Sicher, seine Situation ist nicht einfach, aber so gibt er kein gutes Bewerbungsschreiben ab.
Warum sollte ich als Teamchef einem Perez zu Gunsten eines Vettel in dieser Form den Laufpass geben?
Den Vettel von vor 10 Jahren gibts leider nicht mehr.
Ich fürchte fast, Vettel gibt uns gerade seine Abschiedsvorstellung.
Mal sehen ob ihn Ferrari 2020 zu Ende fahren lässt.
Vielleicht will er das ja schon selber gar nicht mehr. Wie gesagt: Die Formel 1 ist ein Teamsport und wenn Dein Team Dich "ausgrenzt" macht das fahren sicherlich nicht mehr sonderlich viel Spaß.
Zuletzt geändert von Munster am 10.08.2020, 09:12, insgesamt 2-mal geändert.

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